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Die Mühle und das Kreuz

(The Mill and the Cross, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

75%



Inhalt

Im Flandern des Jahres 1564 wird die Landbevölkerung im Namen der spanischen Krone und der Inquisition terrorisiert und jeglicher Reformationsversuch bestraft. Der Kunstsammler Nicolaes Jonghelinck beklagt ebenfalls die gnadenlose Unterdrückung. Er beauftragt den Künstler Pieter Bruegel die Kreuztragung Christi zu malen. Beeinflusst vom Leiden der Landsleute, verlegt Bruegel die Szenerie in die flandrische Gegenwart und spielt auf die schrecklichen Zustände in seiner Heimat an.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

75%

Ein Gemälde, dessen überbordende Fülle an Detailreichtum eine Lebendigkeit in sich trägt, dass daraus gleich ein Kinofilm entstehen kann, muss schon ein außergewöhnliches Meisterwerk sein. Lech Majewski erweckt in seinem Film das weltberühmte Gemälde Die Kreuztragung Christi zum Leben. Das Publikum bewegt sich darin gleichsam magisch durch das Bild und dessen Handlungsorte, während eine bestechende Bildsprache und die visionäre Visualisierung schlichtweg gefangen nehmen. Von einem Spielfilm im klassischen Sinne lässt sich aber kaum sprechen. Und so wird dieser Augenschmaus vermutlich nur eine begrenzte Gruppe Cineasten ansprechen.

Bild aus Die Mühle und das Kreuz Filmemacher brauchen Inspiration. Ganz aus dem Nichts heraus wird schließlich selten etwas (Neues) geschaffen. Traditionellerweise werden gerne Kurzgeschichten und Erzählungen, Novellen, Romane, Theaterstücke, mitunter sogar Gedichte, adaptiert. Heutzutage nicht selten Comics und Graphic-Novels. Und wenn die Inspiration ausbleibt, geht immer noch ein Sequel, Prequel, Remake, Reboot oder Vergleichbares.

Einer ganz anderen Basis für seinen Film Die Mühle und das Kreuz bediente sich Lech Majewski. Das polnische Multitalent (Film-, und Theaterregisseur, Schriftsteller, Maler und Dichter), das hierzulande eher einer ausgesprochen kunstbeflissenen Gruppe ein Begriff sein dürfte, erzählt in seinem neuesten Werk die Geschichte des berühmten Gemäldes Die Kreuztragung Christi von Pieter Bruegel. Über die reine Entstehungsgeschichte hinaus erwacht das Gemälde dabei selbst zum Leben, und das abgebildete Geschehen verknüpft sich untrennbar mit der Filmhandlung.

Es ist das Jahr 1564. Der reiche Antwerpener Kaufmann und Kunsthändler Nicolas Jonghelinck (Michael York) erteilt dem Maler Pieter Bruegel (Rutger Hauer) den Auftrag, die Szene zu malen, die zum Fundament des christlichen Glaubens gehört: die Kreuztragung Christi. Von der Passionsgeschichte existieren aber bereits unzählige Versionen. Bruegel nimmt den Auftrag an, seine Interpretation des Themas wird allerdings eine ganz andere sein. Er siedelt die Kreuzigungsgeschichte nicht in Jerusalem an, sondern transferiert sie in seine Gegenwart und in seine flämische Heimat, die zu dieser Zeit unter der spanischen Herrschaft steht.

Bruegels Vision ist aber noch größer und geht deutlich über das eigentliche Thema der Kreuzigung hinaus. Er möchte ein Bild, das eine Fülle von Geschichten erzählt und von Hunderten von Menschen bevölkert wird. So geht er hinaus auf Felder, Höfe und Märkte und sucht nach diesen Motiven. Dort findet er ein Land vor, das unter der unnachgiebigen spanischen Knechtschaft leidet und in dem Inquisitoren erbarmungslos ihrem Handwerk nachgehen. All dies hält er in seinen Skizzen fest und beginnt auf diese Weise, die Schicksale einer Vielzahl von Menschen meisterlich miteinander zu einem unglaublich vielschichtigen Werk zu verweben.

Die Mühle und das Kreuz gehört ganz eindeutig zu der Sorte Film, die weniger von der Spielhandlung an sich als durch die Bildsprache besticht. In diesem Falle ist dies soweit gediehen, dass es mitunter schwerfällt, von Film nach klassisch erzählerischen Konventionen zu sprechen. Dies führt sogar dazu, dass der Auftritt solcher Schauspielgrößen wie Rutger Hauer und Michael York fast zur Nebensache gerät. Dennoch ist dieses künstlerische (Film-)Meisterwerk, das oft dem Irdischen entrückt, zwischen transzendiert und artifiziell pendelt, alles andere als ohne Bedeutungsinhalt: Im zum Leben erwachten Gemälde, das von einer atemberaubenden Tiefe und Dreidimensionalität geprägt ist, tummeln sich kaum zählbare Scharen von Menschen - jede Gruppe mit ihrer eigenen kleinen Geschichte - sodass es möglich ist, stundenlang zu verweilen, sich in der Detailfülle zu verlieren und sich wie magisch zu den einzelnen Orten, Stätten und Ansammlungen hinziehen zu lassen. Die Interpretation der einzelnen Komponenten des Gemäldes, vor allem jenseits derer, die sich unmittelbar der Kreuzigung zuordnen lassen, ist aber mehr Sache einer Kunst-, denn einer Filmkritik; darunter fällt auch der Symbolgehalt des dominierenden Bildelements, der Mühle auf der Spitze, dem sich dem Himmel entgegen ragenden Felsen.

Die Frage, ob Die Mühle und das Kreuz nun aber ein Film für ein größeres Publikum sein kann, lässt sich hingegen relativ leicht beantworten. Zuweilen es sich alles andere als verkehrt erweisen könnte, sowohl etwas mit dem sakralen Inhalt als auch mit dem zeitgenössischen historischen Kontext anzufangen zu wissen. Jenseits des Bestaunens einer meisterhaften Bildkomposition bleibt somit für den Durchschnitts-Cineasten wenig, was zu fesseln vermag. Und ohne das bereits erwähnte "Spezialwissen" wird sich das Gemälde auch nicht wirklich erschließen lassen. So künstlerisch spektakulär die Visualisierung somit auch gelungen sein mag, bleibt der Film letzten Endes doch eher etwas für eine spezielle Zielgruppe.

Keine weitere Wertung


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