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Der Gott des Gemetzels

(Carnage, 2011)

Dt.Start: 24. November 2011 Premiere: 01. September 2011 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Drama
Länge: 79 min Land: Frankreich, Deutschland, Polen
Darsteller: Jodie Foster (Penelope Longstreet), Kate Winslet (Nancy Cowan), Christoph Waltz (Alan Cowan), John C. Reilly (Michael Longstreet), Eliot Berger (Ethan), Elvis Polanski
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Yasmina Reza, Roman Polanski


Inhalt

New York: Ein Elfjähriger streitet sich mit einigen Mitschülern und schlägt dabei einem der Jungen mit einem Stock zwei Zähne aus. Etwas später treffen sich die Eltern der betroffenen Kinder und sprechen über den Vorfall. Nachdem sie sich scheinbar schnell einig geworden sind, wollen sie schnell wieder getrennte Wege gehen. Doch eine Einladung zum Kaffee bringt das Gespräch des Quartetts neu in Gang. Sie geraten in eine immer stärkere Diskussion und die Situation eskaliert immer mehr.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Gott des Gemetzels hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 88%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 88 für Der Gott des Gemetzels

Man nehme drei Oscarpreisträger, einen Darsteller der schon längst einen verdient hätte und lässt das Ganze dann auch noch von einem Oscarpreisträger inszenieren. Dass es nicht mehr braucht beweist Gott des Gemetzels auf hervorragende Art und Weise. Obwohl über die komplette Laufzeit nur mit vier agierenden Darstellern ausgestattet und in einem einzigen Raum spielend, weiß der Film durchweg zu gefallen. Die Geschichte ist herrlich entlarvend und wird von seinem spielfreudigen Cast genüsslich vorgetragen. Vor allen Dingen Christoph Waltz bei seinem Treiben zuzusehen ist eine wahre Freude. Wer also zur Abwechslung auch in einem anspruchsvollen Film mal wieder seine Lachmuskeln trainieren möchte, der kommt um Polanskis Werk kaum herum.

Kurzkritik
von Markus Müller
Wertung von 90 für Der Gott des Gemetzels

Christoph Waltz und Kate Winslett sind bei John C. Reilly und Jodie Foster zu Gast um unter der Regie von Roman Polanski darüber zu diskutieren, dass der Sohn des einen Paares, dem Sohn des anderen die Zähne ausgeschlagen hat. Das klingt interessant und ist es auch im fertigen Film. Dabei wirkt sich die recht kurze Spielzeit positiv auf die Dichte an Höhepunkten in diesem fast nur aus Dialogszenen bestehenden Kammerspiel aus und lässt es angenehm kurzweilig erscheinen. Darstellerisch ist der Film durchgehend grandios, wobei besonders Christoph Waltz immer wieder in den Mittelpunkt rückt und mit Charisma und angebrachten Zynismus für die meisten witzigen Momente sorgt. Aber auch Jodie Foster scheint endlich ihre Idealrolle gefunden zu haben. Es ist sicherlich berechtigt, sich zu fragen, wieso ein Haushaltwarenhändler und eine idealistische Gelegenheitsautorin in einer New Yorker Luxuswohnung wohnen, viel mehr gibt es jedoch kaum zu kritisieren. So bleibt ein überraschend witziger Film, der überspitzt und realistisch zugleich ist.

Kritik

von Oliver Mai
Der Gott des Gemetzels hat eine Wertung von 85%
Hinter Der Gott des Gemetzels verbirgt sich ein erstaunlicher und sehenswerter Film. Roman Polanski zeigt, wie man ohne eine große Anzahl von Sets, mit nur vier Schauspielern und einem Hamster eine geniale Gesellschaftskomödie zaubert. Wer kann schon sagen, dass er Dreiviertel aller Rollen eines Films mit brillant agierenden Oscar-Preisträgern besetzt hat (ohne Vor- und Abspann und Hamster gerechnet)?

Bild aus Der Gott des Gemetzels Der Alptraum aller Eltern: Nach einer Auseinandersetzung zwischen zwei Kindern fehlen dem einen zwei Zähne und der andere will nicht so richtig einsehen, dass er der Böse sein soll. Aber nachdem der Mensch die Krone der Schöpfung ist und wütende Auseinandersetzungen mit Schuldzuweisungen nicht in die heutige zivilisierte Welt passen, haben die Longstreets als Eltern des "Opfers" die Eltern des "Täters", die Cowans zu sich nach Hause eingeladen. Durch ein POG (Problem orientiertes Gespräch) soll die Angelegenheit psychologisch aufgearbeitet und dann durch eine Entschuldigung zwischen den Kindern erledigt werden. Das funktioniert im Ansatz ganz gut, aber irgendwie schaffen es die Cowans nie bis in den rettenden Fahrstuhl - ansonsten wäre der Film auch nach fünf Minuten schon vorbei. Die gesittete verbale Aufarbeitung der Prügelei der Söhne gerät zwischen den Erwachsenen immer mehr außer Kontrolle. Wie die Cowans immer wieder versuchen, sich loszueisen - um dann doch wieder auf dem Sofa der Longstreets zu landen - ist großartig und vermutlich eine Situation, die jeder Zuschauer aus eigener Erfahrung kennt. Polanski nutzt ein gelungenes Setting.

Konzeptionell ist die Produktion von Der Gott des Gemetzels bemerkenswert. Ein Film, der in einem Wohnhaus in Brooklyn spielt, ohne aus den bekannten Gründen in Amerika gedreht worden zu sein. Mehr als vier Schauspieler, ein Wohnzimmer (mit Blick in die Küche, das Bad und den Hausflur mit Aufzug) braucht Roman Polanski nicht, um die Illusion von Amerika zu entfachen und ein Feuerwerk menschlicher Emotionen abzubrennen. Obwohl die Handlung lokal beschränkt ist, entwickelt sich ein packendes verbales "Gemetzel" zwischen den vier Protagonisten, die nebenbei noch ihr Leben, ihre Ehen etc. aufarbeiten und dabei zunehmend ihre gesellschaftlichen, kultivierten Masken im Miteinander fallen lassen. Die Auseinandersetzung der Kinder wird zur Nebensache, die gesellschaftliche Bestätigung der eigenen (Lebens-)Position schiebt sich in den Vordergrund. Die in den Rollen überzeichneten Figuren sind erfrischend komisch und menschlich ausgelegt. Die Fronten und Allianzen zwischen den vier Akteuren verschieben sich in jedem Akt. Mal sind es die Ehepaare gegeneinander, mal jeder gegen jeden, mal die Männlein gegen Weiblein.

Der grandiose Cast allein macht den Film bemerkenswert. Jodie Foster und Kate Winslet sind toll in ihren Rollen. John C. Reilly ist ebenfalls überraschend überzeugend in seiner nicht auf Klamauk ausgelegten Rolle. Und schließlich der brillant und wunderbar zynische Christoph Waltz als der für eine Arzneimittelfirma tätige Rechtsanwalt macht den Film allein sehenswert. Er zeigt wiederum seine schauspielerische Größe und spielt sich in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben scheint, an seinen Schauspielkollegen vorbei nach ganz nach vorn.

Mit dem Film hat Polanski eine zynische, intelligente Komödie über unsere Gesellschaft abgeliefert, die sich eher an einen Zuschauerkreis gehobeneren Alters richtet, der das "Gemetzel" aufgrund eigener Lebenserfahrung nachvollziehen und damit genießen wird. In erfrischend kurzen 79 Minuten ist die Story straff umgesetzt. Der Film schafft es, extreme menschliche Gefühls- und sonstige Ausbrüche zu zeigen, ohne beim Zuschauer sogenanntes "Fremdschämen" auszulösen. Die Kinoversion des Stückes "Le dieu du carnage" von Yasmina Reza hat Biss, hat Drive, macht schlicht Spaß und ist einfach gelungen. Die deutsche Version hat die Übersetzungen der französischen Theatervorlage in die englische Kinoversion zur deutschen Synchro gelungen überstanden. Hier gibt es Oscar-Material zu sehen - Polanski wird wohl kaum selber zum Abholen in Los Angeles vorbeikommen.



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