Neben verschiedenen Nebenjobs schöpft Lucy auch durch schnelle Nummern mit wohlhabenden Bekanntschaften Kapital, bis sie schließlich die ultimative Einnahmequelle entdeckt und quasi im Schlaf Geld verdient. Dabei muss sie sich aber unglücklicherweise hilflos von alten Männern befummeln lassen. Endlich erfüllen sich die Wünsche der Sucker Punch-Fangemeinde: Emily Browning ist nackt zu sehen! Zugegeben, Sleeping Beauty hat noch etwas mehr zu bieten und Brownings Performance ist insgesamt, auch über ihre Nacktszenen hinaus, beeindruckend, aber das Gesamtwerk kann leider nicht so recht überzeugen.
Das Grundmotiv der jungen Frau, die ihren Körper "im Schlaf verkauft", wird möglicherweise einigen bekannt vorkommen. Tatsächlich liegt dem Film auch der Roman des japanischen Literaturnobelpreisträgers Yasunari Kawabata mit dem Titel "Die schlafenden Schönen" zugrunde. Der deutsche Filmemacher Vadim Glowna hatte bereits 2006 das Thema aufgegriffen und in seinem Drama Das Haus der schlafenden Schönen adaptiert. Ganz neu ist die Idee also nicht, was an sich nicht schlimm wäre, doch leider ist diese das vielleicht interessanteste am Film.
Die Handlung kommt ruhig, aber nicht zu schwerfällig in Gang und weckt die Neugier des Zuschauers auf Lucys Weg zur schlafenden Schönheit. Auch der Betrieb, in dem sie für diesen Job einsteigt, wird überzeugend in Szene gesetzt. Das mysteriöse Etablissement interessiert den Zuschauer, doch ließen die Macher auch einige Möglichkeiten ungenutzt, diesem mehr Tiefe zu verschaffen und so Faszination einerseits und Abscheu andererseits spürbarer zu machen. Dies liegt unter anderem auch an der kühlen, distanzierten Inszenierung, die den Rezipienten auf Abstand hält.
Es gibt sehr viele Unklarheiten im Verlauf der Geschichte. Dies war offensichtlich beabsichtigt, doch liegt die Klärung einzelner Sachverhalte, wie beispielsweise einige Personenkonstellationen, dem Zuschauer nicht ausreichend am Herzen, als dass diese Rechnung aufgehen könnte. Das beste Beispiel hierfür ist die Beziehung Lucys zu Birdman, ihrem kränklichen, platonischen Freund. Man erfährt nichts über die Hintergründe, ihre Besuche bei ihm treiben die Handlung nicht voran und seine Rolle als Ort der Zuflucht und der Hoffnung für Lucy zu sehen, ist nicht wirklich befriedigend. Somit wird nur unnötig Verwirrung gestiftet und der Film in Verbindung mit einigen Längen dadurch leider auch anstrengender als er sein müsste.
Das unumstritten Beste an Sleeping Beauty ist seine Hauptdarstellerin. Emily Browning, die vielen von ihrer Hauptrolle in Sucker Punch bekannt sein dürfte, spielt hier in einem Film, der getrost als das genaue Gegenteil zu Zack Snyders Streifen gesehen werden kann. Sie mimt Lucy absolut glaubwürdig und mutig, wobei ihr einiges abverlangt wurde. In verschiedenen Varianten ist sie nackt oder in aufreizenden Dessous zu sehen, muss sich von alten Männern anfassen, hin und her tragen und ablecken lassen und darf dabei noch nicht einmal eine Miene verziehen. Dennoch liegt ein Problem in ihrer Figur, für das Browning jedoch nichts kann: Lucy macht einen unschuldigen Eindruck, aber die Gute hat es faustdick hinter den Ohren. Sie hat einen überraschend hohen Drogenkonsum und prostituiert sich gelegentlich. Das ist an sich nicht weiter problematisch, jedoch stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Charakterisierung für die weitere Handlung. Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen, wenn sie genauso unschuldig ist, wie sie aussieht? Worin liegt der Reiz, dass sie wehrlos Männern ausgeliefert wird, wenn sie sich ohnehin regelmäßig prostituiert?
Dennoch ist über den größten Teil der Spielzeit hinweg alles noch weitgehend interessant und plausibel; erst mit dem abrupten, bewusst offenen Ende hebelt sich der Film aus. Eine naheliegende logische Erklärung lässt im Bezug auf die vorangegangenen Minuten nur ein Schulterzucken zurück und jede tiefgreifende Interpretation erscheint zwangsläufig als zu weit her geholt. Somit bleibt der Eindruck eines Kunstfilmes, der nicht nachhaltig beeindruckt, beim Sehen nur wenig Freude bereitet und beim Zuschauer erstaunlich wenige Emotionen auslöst.