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Perfect Sense

(Perfect Sense, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

84%



Inhalt

Durch eine rasant fortschreitende globale Epidemie verlieren die Menschen nach und nach ihre Sinneswahrnehmungen. Da zuerst ausschließlich der Geruchs- und Geschmackssinn betroffen sind, geht das Leben in gewisser Weise seinen normalen Gang, bis nach einiger Zeit ebenfalls das Hör- und Sehvermögen betroffen sind. Inmitten dieser Katastrophe finden die Forscherin Susan und der Chefkoch Michael zueinander und laufen Gefahr, sich ohne ihre Wahrnehmungsinne gleich wieder zu verlieren.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

85%

Wenn es stimmt, dass im Krieg als erstes die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, dann gilt dies für Katastrophen von weltumspannendem Ausmaß für die Ordnung. Im Angesicht des nahenden Endes bricht Panik und Chaos aus. Dennoch ist selbst in solch einer Situation das Bestreben derer, die bis zuletzt weitermachen, sich zu reorganisieren und eine neue menschliche Ordnung zu errichten. In Perfect Sense raubt eine merkwürdige Seuche den Menschen nach und nach die Sinne. Am Beispiel eines Paars in einer spröde-romantischen Umarmung durchlebt das Publikum diese allmähliche Apokalypse. Eindringliches wie bewegendes Kinoerlebnis, das tief berührt.

Bild aus Perfect Sense In David Mckenzies Perfect Sense sind die Folgen einer bedrohlichen Epidemie der Aufhänger, um ein ebenso aufwühlendes wie sensibles Sci-Fi-Drama zu inszenieren. Anders aber als beispielsweise kürzlich noch in Contagion, handelt es sich diesmal nicht um eine Pandemie, welche brutal das Leben der Infizierten beendet, sondern um eine Krankheit, die perfiderweise die Sinne befällt. Erster Auslöser der Symptomatik ist eine emotionale Krise. In der Folge geht zuerst der Geruchssinn verloren, dann der damit gekoppelte Geschmackssinn und immer so weiter. Bezeichnenderweise ist eine der zentralen Figuren, die davon betroffen sein wird, ein Koch; ausgerechnet jemand, der überaus auf diese Sinne angewiesen ist.

Susan (Eva Green) ist Epidemiologin und bekommt die allerersten Fälle dieser neuen Seuche, die in Glasgow auftreten, bereits früh zu sehen. Sie wohnt gleich gegenüber einem Nobelrestaurant, in dem Michael (Ewan McGregor) arbeitet. Er ist mit Leib und Seele Koch, führt ansonsten aber ein weitestgehend unverbindliches Leben, in dem Gelegenheitsaffären die Regel sind. Eines Abends begegnen sich die beiden im Hof. Michael lädt Susan daraufhin zum Essen ein. Das Restaurant ist ohnehin leer, angesichts dessen, dass sich die Menschen aus Angst, sich anzustecken, kaum mehr hinaus trauen.

Über das kulinarische, geschmackvolle Schwelgen nähern sich beide an. Bei Susan zeigen sich aber plötzlich die Vorsymptome der Krankheit: Emotional destabilisiert, übermannt sie die Trauer wegen all derer, die sie einst geliebt und verloren hat sowie all der Fehler, die sie im Leben beging. Kurz daraufhin verliert sie ihren Geruchssinn, und Michael steckt sich wenig überraschend prompt bei ihr an. In der nun kommenden Krise wird das Füreinander-Dasein nun bedeutsamer als jemals zuvor. Zugleich gilt es, sich das Wesentliche solange wie möglich zu bewahren.

Perfect Sense weist unweigerlich Ähnlichkeiten zur Literaturadaption Die Stadt der Blinden auf. Anders als dort aber geht hier den Menschen nicht schlagartig der Primärsinn verloren. Dennoch sind sie angehalten, aus dem, was ihnen geblieben ist, das Beste zu machen. War es in Die Stadt der Blinden so etwas wie eine grundlegende menschliche Ordnung aufrechtzuerhalten, um nicht zu Tieren zu verkommen, ist es in Perfect Sense zunächst mal, die Welt neu zu erfahren mit den Sinnen, die noch zur Verfügung stehen, solange dies noch möglich ist. Daraus entstehen absurd anmutende Situationen, in denen die Protagonisten beispielsweise Rasierschaum essen, um herauszufinden, wie sich das anfühlt. Michael macht aus der Not sogar eine Tugend und beginnt, Speisen im Restaurant anzubieten, die ausgesprochen schön aussehen und den Gaumen durch Beschaffenheit, Temperatur und Konsistenz kitzeln.

Bezüge lassen sich überdies auch zu Lars von Triers Melancholia herstellen. Stand dort der Weltuntergang unmittelbar bevor, ist es in Perfect Sense augenscheinlich ein schleichender Prozess. Im ersteren Falle waren die Menschen unversehrt, doch das Ende, die unausweichliche Desintegration, bereits ganz nah; hier nun sind die Menschen es selbst, die desintegrieren, die sich "Sinn für Sinn" allmählich auflösen, während ihnen zwar ebenfalls die Zeit davonläuft, dies aber nicht im selben Maß der absolut reglementierende Faktor ist. Es bleibt noch eine Spanne, in der Näherrücken, Verzweiflung und Aufbäumen sich abwechseln und in der das Animalische gegen die Aufrechterhaltung von Ordnung um die Vorherrschaft ringt.

Rund um die Romanze der beiden Hauptfiguren dreht sich diese Abwärtsspirale. Immer wieder flackern zwischendurch Bilder aus anderen Gegenden und Ländern auf, in denen die Menschen gleichfalls um den Erhalt ihrer Gesellschaftsordnung ringen, mit fortschreitendem Sinnesverlust aber zusehend in Agonie und Panik verfallen. Das unterstreicht die Allgegenwärtigkeit des herannahenden Endes.

Inmitten dieser nahapokalyptischen Stimmung fiele es erwartungsgemäß leicht, dieses melancholische Sci-Fi-Drama zur Endzeit-Liebeschschnulze zu verkitschen; es ist aber der große Verdienst von Eva Green (Casino Royale) und Ewan McGregor (Illuminati), die sowohl in den romantischen Augenblicken als auch in denen extremer Emotionen überaus glaubwürdig agieren, sodass sich der Fokus nicht zu stark dorthin verlagert. Perfect Sense gelingt es somit, seine eindringliche Stimmung und seine ausgezeichnete Balance durchweg zu erhalten und ein feines Stück erinnerungswürdigen Kinos abzuliefern.

Kurzkritik

von Daniel Licha

Wertung Kurzkritik

82%

Der neueste Film vom Hallam Foe-Regisseur ist ein Endzeitszenario der etwas anderen Art und handelt von einer Seuche, die den Menschen nach und nach seiner Sinne beraubt. Was den Film so besonders macht, sind zum einen die unglaublich realistisch anmutenden Folgen eines Sinnesverlustes für die Menschheit, zum anderen aber auch, dass eine wunderbare Liebesgeschichte im Vordergrund steht und sich die Epidemie eher im Hintergrund abspielt. Trotz einiger Längen zu Beginn zieht einen diese ungewöhnliche und innovative Geschichte schnell in seinen Bann, was auch der tollen Inszenierung zu verdanken ist: Wie der Verlust der Sinne dargestellt wird, ist einfach eine Wucht. Das Ensemble spielt gut auf, gerade Eva Green liefert eine hervorragende Leistung ab und wenn der Film in einem derart perfekt getimten und emotionalgeladenen Finale endet, hat man das Gefühl einen richtig guten Film gesehen zu haben. Nicht unbedingt für die breite Masse, aber wer romantische Geschichten zu schätzen weiß und schon mit Die Stadt der Blinden etwas anfangen konnte, der sollte Perfect Sense auf keinen Fall verpassen.



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Dt. Start: 23. Okt 2008
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