Die Gothikpunk-Vampire der Underworld-Saga prägten in den letzten Jahren dem Mythos um die Untoten einen neuen Look auf. Das brachte frischen Wind in das leicht angestaubte Genre. Mit Underworld: Awakening bricht nun eine neue Ära an, da sich die Story in eine Nahzukunft verlagert. In der haben es sowohl Vampire als auch Lykaner schwer, sind sie inzwischen zur bedrohten Art geworden. Bedroht ist allerdings auch das Publikum. Das darf eine einfallslose Geschichte ertragen, die sich mit langweiliger Action angefüllt darum müht, nicht allzu steril zu wirken.
Es war im Jahr 2004, als eine ganz neue Form von Vampiren die heimischen Kinosäle eroberte. Sie waren sexy und stylish, und sie umwehte ein ultracooler Gothik-Touch. Mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle eroberte sich Underworld seinen Platz in den Herzen der Fans und spielte bei einem bescheidenen Produktionsbudget von 22 Millionen Dollar satte 95 Millionen ein. Die Fortsetzung Underworld: Evolution war ein logischer Schluss, und nachdem man keine rechte Idee für einen dritten Teil hatte, machte man mit Underworld: Aufstand der Lykaner kurzerhand ein Prequel.
Die Saga war damit eigentlich auserzählt, die Kuh aber noch (lange) nicht leergemolken. Ein weiteres Prequel sollte es nicht werden, also entschied man sich, ein paar Jahre in der Zukunft anzusetzen. In dieser Zeit sind Vampire und Lykaner zu bedrohten Spezies geworden. Der Mensch hat endlich erkannt, dass diese Parasiten, die von unserem Tod leben, unter uns weilen und beschlossen, sie gnadenlos auszurotten. Auf den Straßen tobt der Genozid, aber nicht alle Menschen wollen diese Spezies auslöschen. Ein skrupelloser Wissenschaftler hat anderes vor. Und ausgerechnet in dessen Fänge gerät Selene (Kate Beckinsale) und verschläft die nächsten zwölf Jahre in einer Kryokammer.
Als sie erwacht, ist sie natürlich stinksauer, und das bekommen sogleich ihre Häscher zu spüren. In der Freiheit muss sie dennoch erkennen, dass die neue Welt keinen Platz mehr für Vampire und Lykaner vorsieht. Die wenigen, die von ihrer Art überlebten, verkriechen sich, um nicht getötet zu werden. Selene will aber unbedingt Michael finden, von dem sie vor ihrer Gefangennahme getrennt wurde - und da ist plötzlich noch ein kleines Mädchen, das schier unglaubliche Kräfte in sich birgt. Letzten Endes tauchen dann auch noch die Lykaner wieder auf. Die sind inzwischen mutiert und haben Vampire immer noch zum Fressen gerne.
Besaßen die Vorgänger noch so etwas wie eine richtige Story, lässt sich das, was sich bei Underworld: Awakening zusammengeklöppelt wurde, führwahr nur noch als Rahmenhandlung bezeichnen. Die Einfallslosigkeit ging so weit, dass man sich schon zu fragen beginnt, ob die Macher inzwischen nicht schon bei Resident Evil abkupfern. Für die Fans erfreulich ist diesmal allerdings wieder Kate Beckinsale mit an Bord und sieht im hautengen Latexoutfit wie immer hervorragend aus. Wem die Gewalt- und Splatter-Momente in den vorigen Episoden bisher nicht blutig und brutal genug waren, könnte diesmal ebenfalls mehr auf seine Kosten kommen; wenngleich sich die Gewalt nun verstärkt gegen Menschen richtet.
Einen Neureiz in diesem vierten Teil sucht man dennoch vergebens. Es wurde lediglich versucht, altbewährtes miteinander zu verquirlen und den entstanden Brei auf einem anderen Teller zu servieren. Der originellste Augenblick gehört dann auch einem Supersteroid-Lykaner, der wie der Hulk wütet. Grundsätzlich wäre gegen einen actionreichen Sci-Fi-Horror-Streifen auch nichts einzuwenden. Underworld: Awakening mangelt es aber dermaßen an Kreativität und Charme, dass selbst die Action einschläfernd wirkt. Die Figuren sind inzwischen zudem derart eindimensional geworden, dass alles zur Belanglosigkeit degeneriert, und eine sexy Kate als Projektionsfläche für feuchte Fantasien reißt es dann auch nicht heraus.
Die Schelte umfasst überdies auch die Effekte. Angesichts der Tatsache, dass dieser vierte Teil der teuerste der Reihe ist, wirkt das besonders beschämend. Visuell reißt das Dargebotene keinen vom Hocker, und auf 3D hätte man absolut verzichten können. Bei einem ohnehin düsteren Film sorgt das nur dafür, dass die Kontraste im Dunkeln noch weiter verloren gehen. So bleibt am Ende eine Fortführung der Saga, bei der qualitativ nichts Nennenswertes hinzugefügt wurde. Um den Absenz an Inhalt zu kompensieren, wurde dafür nicht mit Action gegeizt. Einen Erinnerungswert erzeugt das aber nicht.