Mit der Übertragung klassischer Jugendserien in unsere Zeit ist es immer so eine Sache. Die Neuadaptionen haben nicht immer Hand und Fuß; vor allem gelingt es ihnen selten, das eigentümliche Flair aufrechtzuerhalten oder etwas adäquat Neues zu schaffen. Die Kinoadaption des TV-Kults aus den 1970er Fünf Freunde gestaltet sich diesbezüglich gleich mehrfach problematisch. Nicht nur, dass eine zeitliche Anpassung erfolgen muss, auch der Transfer von kulturellen Merkmalen und des besonderen britischen Charmes muss erst mal gelingen. So wundert es nicht, dass das Produkt hinter den Erwartungen zurückbleibt und man voller Wehmut an die eigenen Kindertage zurückdenkt.
Die Kinderbuchreihe Fünf Freunde (engl. Famous Five) der britischen Autorin Enid Blyton gehört zu den erfolgreichsten Kinderbuchreihen der Welt. Sogar nach ihrem Tod wurde die Reihe von anderen Autoren noch lange weitergeschrieben. Darüber hinaus existieren als TV-Serien aus den Jahren 1978 und 1996 bereits zwei Filmadaptionen. Bei Fans wird besonders die Fernsehserie aus den 70ern hoch gehandelt. Die perfekte Mischung aus einer wild-romantischen Atmosphäre, leicht unterkühltem britischem Charme, einer geheimnisvollen Aura sowie vier Hauptfiguren (plus Hund), zwischen denen die Chemie augenscheinlich exzellent funktionierte, und einem ohrwurmverdächtigen Titelsong, war der Garant, dass die Serie allen im Gedächtnis haften blieb.
Nun macht sich der Regisseur Mike Marzuk (Sommer, Rock It) daran, mit seiner Version Fünf Freunde diese Kultserie zu modernisieren und sie einem neuen Publikum schmackhaft zu machen. Für die Kinofassung wurde das Abenteuer Fünf Freunde auf der Felseninsel als Vorlage genommen, dass schon mal als Serienepisode umgesetzt worden war. Gleich geblieben ist natürlich, dass die Fünf aus Julian, Dick, Anne, George und Timmy dem Hund bestehen, allerdings wurde der Altersdurchschnitt der Truppe nach unten geschraubt, was für eine jüngere Zielgruppe spricht, die hier ins Auge gefasst wurde. Der bemerkenswerte Umstand beim Original, worin die Hauptdarsteller alle an der Grenze zum Teenageralter waren und somit auch für junge Heranwachsende als Identifikationsfiguren interessant, fällt nun damit flach.
Die Story ist weitestgehend bekannt und lässt sich schnell zusammenfassen: Mitten in den Sommerferien stolpern die fünf Freund über die Machenschaften von ein paar Bösewichten, die an eine Formel gelangen wollen, welche die Energiegewinnung revolutionieren würde und die Georges Vater ersonnen hat. Ahnungslos über die sich nähernde Gefahr, sitzt der auf einer kleinen Felseninsel vor der Küste. Die fünf müssen sich sputen, wenn sie Georges altem Herrn noch rechtzeitig zu Hilfe kommen wollen.
Marzuk versucht, seine zeitgemäße Modernisierung so dezent wie möglich zu halten, und baut gezielt malerische Küstenidyllen samt verschlafener Städtchen mit lieblichen Fachwerkhäuschen, sowie einen kleinen Touch Mystery ein. Die Handlung bleibt jedoch (zu) simpel und kindgerecht konfliktfrei, was weitestgehend verhindert, dass fühlbare Spannung aufkommt. Das war beim englischen Original noch etwas anders. Besonders auch deshalb, da die Schurken weniger trottelhaft rüberkamen. Irgendwie scheint sich bei deutschen Filmemachern eingebürgert zu haben, dass in Kinder- und Jugendfilmen die Erwachsenen (besonders die ungeliebten) immer etwas dümmlich zu sein haben. Das mag zwar für die ganz Kleinen entschärfend und erheiternd sein, führt aber zu einer Flut dumm-dusseliger Figuren (was sich auch in den Dialogen niederschlägt), wie die beiden Polizisten im Film (Armin Rohde und Johann von Bülow); und wirkt dann für ältere Kinder alles andere als anziehend.
Zudem wurde bei der Inszenierung sicherlich auch auf vergleichbare Geschichten rund um Kinderdetektive wie Die Drei ???, TKKG oder Vorstadtkrokodile geschielt, was die Gewichtung von Tempo, Action und Klamauk erklärt. Der Nostalgietrip gerät somit zuweilen eher zur Funtour. Stören werden sich daran aber ohnehin nur die Kenner des Originals, und die dürften aus dem Alter herausgewachsen sein, in dem solch ein Film sie noch ins Kino locken könnte; es sei denn inzwischen mit den eigenen Kindern. Dann jedoch könnte es sein, dass sich bei den Oldies ein leichter wehmütiger Stich bemerkbar machen wird.