Der vierte Alien-Film ist ein durchgehend unterhaltsamer, spannender Actionstreifen, enttäuscht jedoch als Fortführung der Alien-Reihe in vielerlei Hinsicht. Unverzeihbar unglaubwürdig ist die Ausgangslage der Geschichte um eine geklonte Ripley mit Alien-Attributen. Dennoch ist Alien - Die Wiedergeburt um einiges besser als der dritte Teil und hätte qualitativ auch an die ersten beiden Filme anknüpfen können, hätte man sich nicht mit einem albernen Ende und einem lächerlichen "Alien-Mensch-Hybrid" selbst deklassiert. Dennoch bleibt ein sehenswerter Streifen, der Alien-Fans zumindest kurzweilige Unterhaltung garantiert.
Nachdem David Fincher 1993 mit Alien 3 eine eher mäßige Fortsetzung zu den beiden Klassikern Alien und Aliens von Ridley Scott beziehungsweise James Cameron in die Kinos brachte, tauchten recht bald Spekulationen um einen vierten Teil auf. Viele hatten seinerzeit die Hoffnung, dass in Alien 4 die Kreaturen auf die Erde geholt werden würden. Tatsächlich wäre dies der entscheidende Schritt gewesen, um diese Fortsetzung deutlich von den vorangegangenen Filmen abzuheben und ihm zu einer unumstrittenen Daseinsberechtigung zu verhelfen. Leider wurde diese Idee, wie es hieß, aus Kostengründen verworfen. Bei einem Budget von 70 Millionen US-Dollar scheint es allerdings durchaus vorstellbar, dass auch eine Handlung auf der Erde möglich gewesen wäre.
Alien - Die Wiedergeburt sollte auf keinen Fall ohne Ripley auskommen, was jedoch schwierig werden würde, da sie im dritten Teil starb. Nicht zuletzt deshalb wollte Sigourney Weaver für das neue Projekt nicht zur Verfügung stehen. Nachdem sie sich jedoch von dem Skript überzeugen ließ, nahm sie das Angebot an und trat auch als Co-Produzentin in Erscheinung. Die Lösung des "Ripley-Problems", das im wesentlichen darin bestand, sie, aus welchen Überresten auch immer, zu klonen, überzeugte einen Großteil der Zuschauer nicht, war aber letztlich die einzige Möglichkeit, sie wieder in den Film zu integrieren.
Unglücklicherweise zieht sich diese Unglaubwürdigkeit durch den gesamten Film, und auch die Charakteränderung der Figur Ripleys gegenüber den vorangegangen Filmen ist nicht so recht geglückt. Das geht sogar soweit, dass es ausgerechnet Ripley ist, die immer wieder durch unpassende One-Liner und übertriebene Aktionen stört. Die Alien-Filme leben allesamt von einem Realismus, der sie von Laser-Feuerwerken und übertriebenen Science-Fiction-Streifen abhebt. Ripley als durch Alien-DNA veränderte "Superheldin" zu sehen, ist dann doch ein wenig albern und letztlich auch unnötig, zumal ihre Fähigkeiten (glücklicherweise) im späteren Handlungsverlauf keine tragende Rolle übernehmen. Doch auch abgesehen von Ripley gibt es einige Probleme bei den Figuren: So passt Winona Rider (Black Swan) weder in ihre Crew, noch in den Film, wobei zu keinem Zeitpunkt klar wird, warum ausgerechnet sie besetzt wurde. Auch die Wissenschaftler auf dem Schiff kommen zu kurz. Besonders im Hinblick auf die Gentechnik-Thematik hätte man ihnen mehr Raum geben können. Am ehesten sticht Ron Perlman (Drive) heraus, der als narbengesichtiger Hüne trotz seines eigennützigen und groben Charakters der größte, vielleicht sogar der einzige Sympathieträger des Filmes ist.
Ein großer Wehrmutstropfen ist der Handlungsstrang um die Mutation der Aliens. Zwar findet sich hier die kreativste Komponente des Filmes, da die Möglichkeit, eine neue Alien-Kreatur zu erschaffen, sicherlich interessant ist, jedoch bleibt das Potential weitgehend ungenutzt. Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, eine neue Alien-Königin zu erschaffen, die direkt Aliens gebären kann, wodurch weder Eier, noch Facehugger und Wirte erforderlich sind, da damit der Figur des Aliens ein Großteil seiner Tiefe und seines Schreckens genommen wird. Dazu ist die entstandene Kreatur, eine Art Alien-Mensch-Hybrid, auch noch vollkommen misslungen. Hätte man sich diesen Unsinn gespart oder eine beeindruckendere Kreatur erschaffen, wäre der Film deutlich besser geworden. Man kann sagen, dass mit dem Auftritt dieses "Dings" der Film stark nachlässt und so auch auf das recht schwache Ende zusteuert.
Visuell ist Alien - Die Wiedergeburt insgesamt gelungen. Die Aliens sehen in den Nahaufnahmen großartig aus, die gelegentlich auftauchenden computeranimierten Aliens wirken aus heutiger Sicht jedoch natürlich etwas betagt. Doch sind diese technisch bedingt überzeugender als ihre Kollegen von 1993, als Fincher zum ersten Mal in einem Alien-Film Computeranimationen einsetzte. Der bereits erwähnte "Alien-Hybrid" sei an dieser Stelle einfach ignoriert; er ist wirklich unfassbar albern. Auch die Gestaltung des Raumschiffes ist atmosphärisch stimmig und einige Bilder der Alien-Königin sind schon für sich genommen Kunstwerke.
Am Ende steht ein solider Alien-Teil, der sicherlich seine Daseinsberechtigung hat, jedoch um einiges hätte besser werden können. Als Actionfilm ist er gelungen und für einen Videoabend unter Alien-Fans absolut tauglich. Letztlich bleibt aber dennoch die Feststellung, dass die ersten beiden Filme unerreicht bleiben und dass Die fabelhafte Welt der Amelie-Regisseur Jean-Pierre Jeunet die Möglichkeit vergeben hat, daran etwas zu ändern.