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Und wenn wir alle zusammenziehen?

(Et si on vivait tous ensemble?, 2011)

Dt.Start: 05. April 2012 Premiere: 13. August 2011 (Festival, Schweiz)
FSK: ab 6 Genre: Komödie
Länge: 96 min Land: Frankreich, Deutschland
Darsteller: Guy Bedos (Jean), Daniel Brühl (Dirk), Geraldine Chaplin (Annie), Jane Fonda (Jeanne), Claude Rich (Claude), Pierre Richard (Albert), Camino Texeira (Maria)
Regie: Stéphane Robelin
Drehbuch: Stéphane Robelin


Inhalt

Die Ehepaare Annie und Jean, Jeanne und Albert sowie der Single Claude sind seit Jahrzehnten miteinander befreundet. Sie wollen ihr Leben genießen, doch das Alter macht ihnen zu schaffen: Erkrankungen schränken sie körperlich und auch psychisch ein, die Familien sehen sie vor allem als Last an. Doch dann beschließen die fünf Freunde, eine WG zu gründen und ziehen alle in das Haus von Annie und Jean. Doch Eifersucht und die Demenzerkrankung von Albert sorgen auch hier für Probleme.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Und wenn wir alle zusammenziehen? hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 85%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Andreas Jaschke
Und wenn wir alle zusammenziehen? hat eine Wertung von 85%
Fünf langjährige Freunde mit jeweils unterschiedlichen Charakteren - zwei Ehepaare und ein verwitweter Single - sind alt geworden. Trotz aller Gebrechen und Tücken, die mit dem fortgeschrittenen Lebensalter verbunden sind, fühlen sie sich eigentlich noch voller Energie. Mit Schrecken denken sie an ein Lebensende im Altersheim. Um solch düsteren Zukunftsperspektiven zu entgehen, entwickeln sie den Plan, zusammen zu ziehen und als Alten-WG gemeinsam den Rest des Lebens zu verbringen. Schon bald verwandelt sich ihr Vorhaben in ein Experiment, welches viel Geduld und Improvisation verlangt. Überraschende Ereignisse und Katastrophen fordern ihre Freundschaft heraus. Als ihren Gehilfen heuern sie einen jungen Studenten an, dessen Anwesenheit verborgene Wünsche und streng gehütete Geheimnisse an den Tag legt. Gemeinsam treten die Freunde das größte Abenteuer ihres Lebens an.

Bild aus Und wenn wir alle zusammenziehen? Selbstverständlich wollen junge Menschen, und auch ich, sich noch nicht mit dem Alter beschäftigen. Und somit hat es auch der Film Und wenn wir alle zusammenziehen eigentlich nicht leicht bei mir. Und trotzdem hat er mich, sogar schon fast von der ersten Minute an, mitgenommen. Woran lag das wohl?

Da kann ich schon mal damit anfangen, dass es den Filmemachern gelungen ist, eines meiner größten filmischen Jugendidole zu reaktivieren: Pierre Richard. Doch keine Angst, würde er nicht hervorragend eingesetzt sein und ganz toll spielen, würde ich diesbezüglich auch nichts Positives aufführen. Doch so zurückgenommen, überhaupt nicht die alte, kalauernde Art wieder bedienend, ist das Lob berechtigt. Dies gilt ohne Abstriche genauso für die anderen Darsteller. Alle spielen absolut reduziert und fein. Keiner drängt sich wie in den sonst so berühmten großen Szenen eines Ensemble-Filmes in den Vordergrund. Und das bei Namen wie Geraldine Chaplin und Jane Fonda! Und das kann man dann bei dieser Geschlossenheit schon dem Regisseur Stephane Robelin als dessen Leistung honorieren. Denn zudem gefällt mir auch noch Daniel Brühl so gut wie lange nicht mehr.

Aber auch dem Drehbuchautoren Robelin gilt meine Hochachtung. Nicht nur, dass hier wie bei Ensemble-Filmen so üblich die Charaktere wohltuend nicht "auf Krawall gebürstet" wurden, sondern dass auch ihre Zuneigungsmomente absolut glaubwürdig, weil in Grauzonen gezeigt, vonstatten gehen. Keine Pseudostreits mit anschleißenden Alibiversöhnungen - nein! Das Leben plätschert dahin wie ein langer, ruhiger Fluss.

Aber keine Sorge, das Ganze passiert ohne arm an emotionalen Momenten zu sein! Es ist alles drin: Liebe, Sex, Eifersucht, Freundschaft und sogar der Tod. Aber eben alles dem Alter entsprechend. Und deshalb hat der ganze Film eine so hohe Ehrlichkeit, dass ich ihn richtig gern angeschaut hab, vom Anfang bis zum Schluss. Lediglich die Kamera hätte etwas filmischer sein dürfen, deren Gestaltungskraft ist mir etwas zu rudimentär ausgefallen.

Und ob ein solch durch und durch französischer Film mit derart vielen deutschen Filmförderungen finanziert werden muss, steht für mich auch zur Debatte. Dem Filmvergnügen tut dies aber keinen Abbruch.

Fazit: Für alle älteren Menschen ist dieser ehrlich gemachte Film ein Muss. Aber, und das kann man ohne Bedenke sagen, alle werden mal alt. Und deshalb sollten sich durchaus auch Jüngere den Film anschauen - er ist so kurzweilig gemacht, dass es auch für sie kein Ärgernis sein wird. Und bei der Klasse Besetzung ist es sowieso für alle auch nur halbwegs cineastisch Veranlagten vielleicht die letzte Chance, manch einen der Stars noch einmal zu sehen. Man kann nie wissen!



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