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Wer weiß, wohin?

(Et maintenant, on va ou?, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

62%



Inhalt

Ein kleines Dorf im Libanon. Lange Zeit leben Christen und Moslems hier Tür an Tür, wodurch es immer wieder zu Konflikten kommt, vor allem zwischen den Männern - davon haben ihre Frauen genug. Da Testosteron das Einsichtsvermögen stark herabzusetzen scheint, ist mit weiblicher Logik nichts auszurichten. Und so hecken die Damen gemeinsam unorthodoxe Aktionen aus, in denen der einzige Fernseher des Dorfes, eine ukrainische Table-Dance-Truppe und hausgemachte Haschkekse tragende Rollen spielen.

Kritik

von Markus Müller

Wertung Kritik

62%

Der Konflikt zwischen Christen und Muslimen ist ein großes Problem in einem libanesischen Dorf. Viele junge Männer haben dadurch ihr Leben verloren. Nachdem ein neuer Streit zu eskalieren droht, ist es nun an den Frauen im Dorf, eine Katastrophe zu verhindern. Wer weiß, wohin? greift ein gewichtiges Thema wunderbar unverkrampft und originell auf, ist aber leider in seinem Humor zu zaghaft und zeitweise ein wenig langatmig.

Bild aus Wer weiß, wohin? Die libanesische Filmindustrie ist dem gemeinen Kinopublikum nach wie vor eher unbekannt. Die Regisseurin, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Produzentin Nadine Labaki gelangte 2007 mit ihrem Film Caramel international zu Anerkennung. Im arabischen Raum wurde sie besonders als Regisseurin von zahlreichen Musikvideos bekannt. Mit Wer weiß, wohin? bringt sie eine Produktion in die Kinos, die sich technisch nicht vor dem amerikanischen oder europäischen Kino verstecken muss, und hat sich dazu auch noch eines bedeutungsvollen Themas angenommen.

Bei Wer weiß, wohin?, wie der eigenwillige deutsche Titel lautet, handelt es sich um eine Tragikomödie mit Musical-Einflüssen. Glücklicherweise wurde der Musical-Anteil nicht übergewichtet und so beschränkt sich dieser auf eine Tanzeinlage zu Beginn und drei weitere Gesangseinlagen. Diese sind musikalisch gelungen und auch recht ansprechend umgesetzt. Dennoch bleibt es Geschmackssache, ob man mit den plötzlichen Gesangsausbrüchen leben kann. Wichtig für den Handlungsverlauf oder als besonders geschickt eingesetztes Stilmittel sind sie sicherlich nicht, stattdessen reiben sie sich ein wenig mit dem sonstigen Stil des Filmes.

Der Gedanke, dass die Frauen eines Dorfes mit verschiedenen, teils unorthodoxen Methoden ihre Männer zur Vernunft bringen und vom gegenseitigen Morden abhalten, ist gut und auch solide umgesetzt. Jedoch nervt die Darstellung der überlegenen, weil vernünftigen Frauen gegenüber den hitzköpfigen und größtenteils dummen Männern zumindest das männliche Publikum auf Dauer. Sicherlich wird sich eine weibliche Zuschauerschaft köstlich dabei amüsieren, doch leider kann dies unmöglich als sinnvoller Bewertungsmaßstab dienen.

Natürlich ist es meist interessant, wenn Filme Einblicke in fremde Kulturen bieten. Doch die Prüderie der Dorfbewohner wird mit der Zeit für westliche Zuschauer doch ein wenig anstrengend. Zu weit weg und daher kaum nachvollziehbar scheint die aufgebauschte Aufregung der Männer über leicht bekleidete (im Übrigen bis auf ein oder zwei Damen unattraktive) Showtänzerinnen im Dorf. Dies sorgt für einige niedliche Szenen, ist aber einem europäischen Publikum zu harmlos und daher auch nicht wirklich witzig. Hier hätte man einiges noch mehr überspitzen und ein wenig derber gestalten können, um den Zuschauer zu treffen.

Nadine Labaki spielt selbst eine Hauptrolle (eine einzelne ganz klar definierte gibt es nicht) und ist das darstellerische Glanzstück ihres Filmes. Sie überzeugt mit einer beeindruckenden Leinwandpräsenz, ihrem Temperament und ihrer Attraktivität, die sie geschickt in Szene zu setzen weiß. Die restlichen Darsteller sind als Dorfbewohner durchaus authentisch, überzeugen jedoch nicht unbedingt durch beeindruckende schauspielerische Leistungen.

Der Ansatz, mit dem hier an den Konflikt zwischen Christen und Muslimen gegangen wird, ist locker und unverkrampft und an und für sich auch recht innovativ. Jedoch fehlt es an der nötigen Substanz, um auch Zuschauer, die keinen Bezug zu diesem Konflikt im Libanon haben, zu berühren. Hier hätte es mehr gebraucht, als einen Anfang, bei dem Frauen an den Gräbern ihrer oftmals sehr jungen, verstorbenen Ehemänner trauern, um den Zuschauer zu packen und für das Problem zu sensibilisieren.

Natürlich kann man dem Film seinen Anspruch nicht streitig machen und es tut gut, Geschichten wie diese im Kino zu sehen. Nur leider geht viel Potential verloren, wenn der Unterhaltungswert nicht den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Das Problem ist, dass es kaum Spaß macht, den Film zu schauen, er aber auch nicht tief genug geht, um wirklich zu bewegen. Zu keinem Zeitpunkt wird der Zuschauer emotional wirklich getroffen. Dennoch sei er allen, die eine recht unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem Thema Religionskonflikt sehen wollen, ans Herz gelegt.

Keine weitere Wertung


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