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Kairo 678

(678, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

90%



Inhalt

Trotz täglicher Fälle von sexueller Belästigung gilt das Thema in Ägypten nach wie vor als Tabu. Die drei Frauen Fayza, Seba und Nelly, die allesamt aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, finden sich zusammen, um gegen diesen gravierenden Missstand etwas zu unternehmen. Dabei reagieren die drei auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Während die eine den juristischen Weg einschlägt und vor Gericht zieht, um die erste Klage wegen sexueller Belästigung zu erwirken, verschlägt es die andere in die Selbstjustiz: Sie schneidet ihren Peinigern das Genital ab.

Kritik

von Matthias Pasler

Wertung Kritik

90%

Anfang 2011 hat in Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling auch in Ägypten eine Revolution zum Sturz der zu lange herrschenden Macht geführt. Jetzt, ein Jahr später, kommt ein Film in die Kinos, der den gesellschaftlichen Umbruch in dem Land aus einer bisher nicht gezeigten Perspektive wiedergibt. Das tabuisierte Thema der sexuellen Belästigung von Frauen steht dabei im Vordergrund.

Bild aus Kairo 678 Fayza, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern, wird im überfüllten Bus regelmäßig begrapscht. Die schwangere Seba wird vor den Augen ihres Mannes Opfer einer Massenvergewaltigung. Die Telefonistin Nelly kann einem Übergriff dank ihrer mutigen Gegenwehr entkommen. Die drei Frauen kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, aber alle drei lassen sich ihre Peinigungen nicht mehr gefallen und handeln. Jede auf eine andere Weise.

Ein Film aus Ägypten, der sich in dokumentarischem Stil einem schwerwiegenden gesellschaftlichen Problem widmet. Das klingt schon nach hartem Tobak und schwer verdaulich, nach nichts, was man sich an einem entspannten Kinoabend gönnen möchte. Dieser erste Gedanke trifft auch zu, natürlich ist es kein leichtes Thema, dem sich der bereits als Drehbuchautor erfolgreiche Mohamed Diab (The Island nach einem Drehbuch von ihm war 2008 Ägyptens Kandidat für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film) in seinem Regiedebüt widmet. Ganz im Gegenteil ist es sogar mutig, das in dieser Art und Weise zu tun.

Doch abgesehen davon ist Kairo 678 (der Titel bezieht sich auf eine Buslinie mit der gleichen Nummer) ganz einfach unglaublich gut. Der erwähnte dokumentarische Stil, der bei derartigen "Geschichten aus dem Leben" schon zu einer Art Pflichtelement geworden ist, ist zwar konsequent umgesetzt, wird aber durch einige visuell kreative Ideen erweitert. Hinzu kommt die in der ersten Hälfte des Films verschachtelte Erzählchronologie, bei der die drei Frauen eingeführt und ihre Verbindungen zueinander äußerst clever entwickelt werden. Überhaupt können Stringenz und Inszenierung nicht bloß überzeugen, sondern kreieren darüber hinaus auch echte Spannung.

Der Film gewinnt zusätzlich durch seine Charaktere, die nicht nur überzeugend geschrieben, sondern auch glänzend gespielt sind. Natürlich macht sich das besonders bei den Frauen im Mittelpunkt bemerkbar. Alle drei gehen voll und ganz in ihren so unterschiedlichen Figuren auf, die allesamt Musterbeispiele der gegenwärtigen Typen in der aufstrebenden, aber unausgeglichenen Gesellschaft ihres Landes sind. Während die Ehemänner hauptsächlich schwächliche Beispiele ihrer eigenen angeprangerten Kultur darstellen, repräsentiert der Polizist Essam die wirklich dominante andere Seite, was sowohl die männliche als auch die der Justiz bedeutet. Er spürt den Frauen nach und erkennt auch die Ursache für ihr Handeln. Akzeptieren kann er es trotzdem nicht, weil er selbst zu sehr in seinen eigenen Ansichten gefangen ist, die ihn auch privat überfordern, als Polizist und als Mann. Sein Darsteller Maged El Kedwany bekam sowohl einen Preis beim Chicago Film Festival als auch den Darstellerpreis 2010 in Dubai, ebenso Bushra, die Fayza spielt und den Film auch produziert hat.

Inspiriert von und basierend auf wahren Geschichten aus Ägypten spricht Kairo 678 ein wichtiges Thema nicht nur direkt an, sondern präsentiert es auch noch beeindruckend. Regisseur Diab erhielt nach eigenen Aussagen bereits Anrufe von Frauen, denen sein Film Mut gemacht hat, sich zu wehren. Wenn noch weitere folgen, ist das Hauptziel des Werkes wohl erreicht. Doch auch aus rein filmischen Aspekten verdient Kairo 678 viel Aufmerksamkeit.

Keine weitere Wertung


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