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Große Mädchen weinen nicht

(Große Mädchen weinen nicht, 2002)

Dt.Start: 24. Oktober 2002 Premiere: 22. September 2002 (San Sebastian Film Festival, Spanien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 92 min Land: Deutschland
Darsteller: Anna Maria Mühe (Kati), Karoline Herfurth (Steffi), Josefine Domes (Tessa), Tilbert Strahl-Schäfer (Klaus), David Winter (Carlos), Stefan Kurt (Hans), Nina Petri (Ann), Gabriela Maria Schmeide (Ingrid), Matthias Brandt (Jost), Teresa Harder (Jeanette), Chiara Steinmüller (Lotte), Hyun Wanner (Jani), Jennifer Ulrich (Yvonne), Conny Warmuth (Jochen), Dieter Laser (Herr Winter)
Regie: Maria von Heland
Drehbuch: Maria von Heland


Inhalt

Die 17-jährige Steffi und ihre beste Freundin Kati sind eigentlich mit sich selbst und den typischen Problemen des Erwachsenwerdens beschäftigt. Als die beiden herausfinden, dass Steffis Vater ein Verhältnis mit einer Arbeitskollegin hat, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen und sie versucht es der Ehebrecherin heimzuzahlen. Dabei verrennt sie sich in ihrer blinden Rachsucht und verprellt nach und nach ihre Freunde.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Große Mädchen weinen nicht hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Straßer
Große Mädchen weinen nicht hat eine Wertung von 78%
Sehr gutes aber leicht überfrachtetes Teenager-Drama aus Deutschland, das die Probleme junger Mädchen mit dem Erwachsenwerden auf die Leinwand zaubert.

Bild aus Große Mädchen weinen nicht Nachdem Filme wie American Pie das Erwachsenwerden von der lustigen Seite betrachteten, war es mal wieder an er Zeit die Probleme der Teenager ernst zu nehmen. Die in Schweden geborene Maria von Heland nahm sich diesem Thema an und bereitete sich durch intensive Feldarbeit auf die Herausforderung vor. Als Schauplatz für ihre Geschichte über zwei dicke Freundinnen wählte sie Berlin und interviewte daraufhin mehrere Teenager aus den Bezirken der Hauptstadt über ihre Probleme und Ängste. Das Resultat waren die fünf Schlagwörter "Suche nach Identität", "Sex", "Eltern", "Schule" und "Zukunft", die alle in Große Mädchen weinen nicht thematisiert werden.

Die beiden 17-jährigen Kati und Steffi sind seit je her beste Freundinnen und teilen sowohl Freud als auch Leid. Kati stammt aus eher einfachen Verhältnissen und hat fast täglich mit ihrer erzkonservativen Mutter zu kämpfen, die sie schon mal als Dirne beschimpft, wenn sie ohne Rollkragenpulli auf die Straße geht. Auch das Verhältnis zwischen Katis Eltern ist alles andere als harmonisch, was in dem kleinen Häuschen für stets angespanntes Klima sorgt. Steffi hingeben lebt in einer Bilderbuchfamilie. Ihre Eltern führen eine intakte Ehe, sind beide sehr erfolgreich in ihren Berufen und machen Steffi keine dummen Vorschriften. Sie genießt das Leben in der luxuriösen Wohnung und ist selbstverständlich immer bestens gekleidet. Auch in Sachen Liebe unterscheiden sich beiden grundlegend. Kati ist auf der Suche nach einer festen Beziehung gerät aber immer an die falschen Typen, die sie nach kurzen Affären wieder in die Wüste schicken. Steffi ist schon seit einem mit Carlos zusammen, gibt sich aber ihm gegenüber sehr distanziert und hatte noch nie Sex mit ihm. Im Verlauf des Filme wird die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt, da Steffis egoistische und besitzergreifende Charakterzüge immer mehr zu Tag treten und die Kluft zwischen den beiden dicken Freundinnen immer größer werden lassen.

Vor allem dank der beiden sehr guten Hauptdarstellerinnen entstand mit Große Mädchen weinen nicht ein wirklich ernstzunehmendes Jugenddrama. Die schon etwas erfahrenere Karoline Herfurth war bereits in den beiden Komödien Crazy und Mädchen, Mädchen anzutreffen und zeigt in diesem Film, dass auch in ernsten Parts auf sie Verlass ist. In ihre Rolle als coole und abgebrühte Zicke Steffi machte sie im Laufe des Film eine anspruchsvolle Charakterwandlung durch und brachte dies sehr überzeugend auf die Leinwand. Für Anna Maria Mühe war Große Mädchen weinen nicht das erste Mal vor einer Kamera, was man ihr in keiner Sekunde anmerkt. Sie wurde von Maria von Heland in einem Berliner Cafe entdeckt und sogleich mit der Rolle der Kati betraut, die sie mit einem gewissen etwas und mit viel Gefühl ausfüllte. Mit den sehr unterschiedlichen Figuren bieten die beide Darstellerinnen zumindest jedem weiblichen Zuschauer eine Identifikationsfigur, in der man bestimmt den ein oder anderen eigenen Charakterzug entdecken kann. Auch die restliche Besetzung aus den üblichen Verdächtigen der deutschen Filmwelt und einigen neuen Gesichtern füllte ihre Rollen hervorragend aus.

Regisseurin und Drehbuchautorin Maria von Heland glänzt in ihrem Debüt mit einer bewegenden und authentischen Geschichte. Zwar lässt der Film an der ein oder anderen Stelle den nötigen Tiefgang vermissen, was darauf zurückzuführen ist, dass Maria von Heland einfach zu viele Themen in ihrem Film behandeln wollte. Auf Grund der vielen Einzelschicksale und tragischen Ereignisse wird man der Möglichkeit beraubt, sich auf die ein oder andere Figur einzulassen und mit ihr mitzufühlen. Leider wurde auch viele Handlungselemente zu offensichtlich hinkosteruiert, was manchen Szenen nicht wirklich gut tat und ihren die Dramatik entzog. Beispielsweise ist bei Steffis Familie gerade heile Welt Party mit idyllischen alten Videos, als plötzlich die heimliche Geliebte des Vaters hereinplatzt und die Bombe platzen lässt. Glücklicherweise konnte Maria von Heland und ihr Kameramann Roman Osin die teilweise holprige Handlung durch wunderbare und zauberhafte Aufnahmen kompensieren. Schlussendlich hinerlässt Große Mädchen weinen nicht einen sehr positiven Gesamteindruck und bietet eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Kinoangebot.



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