Wer ist wohl schwerer als Pirat vorstellbar: Schauspieler Hugh Grant oder das geknetete Kultduo Wallace & Gromit? Am schwierigsten ist es wohl, sich auf eine Antwort festzulegen. Doch dieser neue Puppenanimationsfilm bietet tatsächlich ein bisschen von beiden Varianten. Auch wenn die daraus resultierenden Piraten nicht gerade Musterbeispiele ihrer Gunst sind.
Der Piratenkapitän hat eigentlich alles, was es braucht, um ein Schrecken der Weltmeere zu werden: ein (etwas angestaubtes) Schiff, eine treue (etwas beschränkte) Mannschaft und einen farbenprächtigen (wenn auch seltsam aussehenden) Papagei. Trotzdem ist er auf seinen Plündereien nicht sehr erfolgreich. Um dem ständigen Hohn seiner Konkurrenten zu entgehen, will er endlich den umkämpfen Titel "Pirat des Jahres" gewinnen und stürzt sich höchst motiviert ins Abenteuer. Dabei trifft er neben einigen seltsamen Figuren auch den jungen Forscher Charles Darwin, der ein beachtliches Interesse an Papagei Polly hat.
Um den Aufwand zu begreifen, der hinter dem neuesten Streich der Macher von Chicken Run - Hennen rennen und den Wallace & Gromit-Filmen steckt, muss man sich die Zahlen dazu auf der Zunge zergehen lassen. 320 Leute arbeiteten verteilt auf 41 Drehteams in vier Studios an dem Projekt. Das Schiff der Piratencrew wiegt fast 400 kg und wurde in 5.000 Arbeitsstunden geplant und handgefertigt, und zwar aus fast 45.000 Teilen. Außerdem fertigten die Macher für den Film 400.000 Goldmünzen, 220.000 Gegenstände (darunter mundgeblasene Glasteile) und 6.800 Puppenmünder an, davon allein 1.300 für den Piratenkapitän.
Glücklicherweise sieht man dem Endprodukt all das auch an. Die ganze Welt des Films ist vollgepackt mit unzähligen fantastischen Details. An sämtlichen Schauplätzen, vom wilden Piratenhafen Blood Island bis zum vernebelten London, gibt es derart viel zu sehen, dass man beim ersten Gucken unmöglich alles entdecken kann. Genauso schön sind die wunderbar verrückten Figuren gestaltet, vom "Piraten mit Gicht" über den nur über Texttafeln kommunizierenden Affen Mr. Bobo bis hin zum "überraschend kurvigen Piraten", dessen Bart irgendwie falsch aussieht. Natürlich haben dabei auch alle den typischen Look von Wallace und seinem treuen Hund Gromit und können ihren familiären Hintergrund damit kein bisschen leugnen.
Damit die Charaktere auch stimmlich überzeugen, hat man für die Synchronisation auf einige bekannte (hauptsächlich britische) Mimen zurückgegriffen. Im englischen Original hört man Martin Freeman (der junge Bilbo Beutlin in Der Hobbit - Eine unerwartete Reise), Brendan Gleeson (The Guard - Ein Ire sieht schwarz) und Salma Hayek, die direkt ihre jüngsten Sprecherfahrungen aus Der gestiefelte Kater ausnutzen konnte. Das akustische Highlight ist aber definitiv Hugh Grant, der dem Piratenkapitän Leben einspricht. Man hört nicht ein einziges Mal den smarten Briten mit dem Bubilächeln heraus, so gekonnt stimmt Grant den unbeirrbaren Piraten mit dem ansehnlichen Bart an. Man möchte spontan bezweifeln, dass die deutsche Synchro diesen Charme erfolgreich übertragen kann.
Aber am meisten Spaß macht sowieso das Aussehen des Films. Das 3D ist hübsch geworden und wird hier und da auch ausgenutzt, wenn es auch nicht das Höchstmaß aller Dinge ist. Aber Puppenanimationsfilme sehen ohnehin immer plastischer aus als vieles andere. Und dieser Haufen merkwürdiger Typen ist seine Dublonen auf jeden Fall wert. Fans von Piraten, Stop Motion oder dem skurrilen Humor von Wallace & Gromit kommen voll auf ihre Kosten, denn hier wird ein echtes Abenteuer geboten. Und genau das ist es doch schließlich, was Piraten am meisten lieben!