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Snowtown

(Snowtown, 2011)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 21. September 2012
Premiere: 16. Mai 2011 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 18 Genre: Krimi, Drama, Thriller
Länge: 119 min Land: Australien
Darsteller: Lucas Pittaway (Jamie Vlassakis), Daniel Henshall (John Bunting), Bob Adriaens (Gavin), Louise Harris (Elizabeth Harvey), Frank Cwiertniak (Jeffrey), Matthew Howard (Nicholas), Marcus Howard (Alex), Anthony Groves (Troy), Richard Green (Barry), Aaron Viergever (Robert), Beau Gosling (David), Brendan Rock (Marcus)
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Shaun Grant, Shaun Grant


Inhalt

Der 17-jährige Jamie lebt mit seinen Brüdern und seiner Mutter in einem kleinen australischen Vorort. Trost- und Perspektivlosigkeit bestimmen sein Leben. Auch die Misshandlung seiner Geschwister und ihm durch den Partner der Mutter scheinen wie zum Alltag dazu zu gehören. Dann tritt mit John, dem neuen Freund der Mutter, so etwas wie eine Vaterfigur in Jamies Leben. Als dieser sich verstärkt für ein eigenhändiges Einschreiten gegen Kinderschänder in der Gemeinde einsetzt, beginnt damit ein Strudel der Gewalt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Snowtown hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 59%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 45 für Snowtown

Der angebliche Downer des Fantasy Filmfest 2011 handelt von einem Serienkiller bzw. dessen Umfeld und zeigt auf realistische Art und Weise fast schon als Milieustudie, wie es in diesen Kreisen abläuft. An sich ein interessanter und durchaus origineller Ansatz, der im Gesamten jedoch nicht überzeugend ist. Trotz einer durchaus gelungenen Inszenierung (exemplarisch seien hier der gute Musikeinsatz und die beeindruckende letzte Szene genannt) hat der Film ein großes Problem mit seinen Figuren. Vielleicht mag es ja beabsichtigt sein, aber das Verhalten der Charaktere ist über weite Strecken einfach nicht nachvollziehbar und lässt den Zuschauer oftmals teilnahmslos vor der Leinwand sitzen. Diese Teilnahmslosigkeit schlägt dann, auch dank der extrem ruhigen Inszenierung, schnell in Langeweile um. Snowtown ist einer dieser Filme, bei dem man ohne Probleme nachvollziehen kann, warum er bei vielen Zuschauern durchaus eine Anhängerschaft findet - jedoch wird er sicherlich ebenso viele nicht erreichen können.

Kurzkritik
von Markus Müller
Wertung von 40 für Snowtown

Snowtown ist eine um Authentizität bemühte Milieustudie. Erzählt wird das Geschehen aus der Sicht eines Jugendlichen, dem Stiefsohn eines Serienkillers, welcher Ende der 90er-Jahre in der asozialsten Schicht Australiens sein Unwesen trieb. Das ist an sich nicht uninteressant, um den Zuschauer zu erreichen, hätte es jedoch eine deutlich komplexere Figurenzeichnung und eine packende Inszenierung gebraucht. Stattdessen besteht durchgehend eine Distanz zu allen Figuren, deren Handlungen auch nicht immer nachvollziehbar sind. Die ruhige, extrem triste Optik sorgt zusätzlich für eine gewisse Eintönigkeit. Das kann man als Stilmittel sehen, spannender wird das Geschehen dadurch jedoch auch nicht. Beeindruckend ist hingegen der Cast. Die Schauspieler sind sehr authentisch, leider ändert das aber nichts daran, dass Snowtown die meiste Zeit über einfach nur langweilig ist.

Kritik

von Michael Schmidt
Snowtown hat eine Wertung von 92%
Australien hat einiges zu bieten. Als Filmnation würde das Land aber nicht unbedingt unter den erstgenannten in einem Ranking auftauchen. Dabei hat das Land in den letzten Jahren mit zum Teil äußerst gelungenen Genrefilmen von sich reden gemacht. Red Hill beispielsweise war durch seine äußerst durchdachte Mischung von Neo-Western, Thriller und Horrorelementen eine der DVD-Premieren im vergangenen Jahr. Nun erscheint mit Snowtown das nächste Highlight, zwar wieder nur auf DVD, doch ist der Film von einer ungeahnten Wucht und Größe. Das konnte dieser Independent-Film schon auf einigen Festivals unter Beweis stellen.

Bild aus Snowtown Die Inhaltsangabe lässt es bereits erahnen. Und auch die die filmischen Stilmittel tragen einen großen Anteil zu der trostlosen und niederschmetternden Atmosphäre bei. Die Kamera fängt dabei alles so naturalistisch und simpel wie möglich ein. Die Farben sind verwaschen und ausgebleicht. Der Film wälzt sich beinahe in seiner niederschlagenden Stimmung und führt genau deswegen so zielgerichtet in das Leben der Protagonisten ein.

Dabei breitet der Film ein ganzes Netz an Figuren aus. Diese Bandbreite an auftretenden und handelnden Personen beeinflusst auch die Erzählweise. Handlungsentscheidende Aktionen passieren unvermittelt, und auch ansonsten ist der Film eher grob im Forterzählen seiner Geschichte. Der Zuschauer muss selbst arbeiten, und dennoch ergibt sich am Ende ein stimmiges Ganzes aus dem äußerst geschickt konstruierten Drehbuch.

Interessant ist auch die Verortung im Genre. Der Film ist in seiner ersten Hälfte ein Soziogramm einer sozial schwach aufgestellten Schicht abseits des urbanen Lebens. Das Aufgreifen schwieriger Themen, bei denen sich John als federführend erweist, ist die Begründung für die folgenden Gewalthandlungen und auch der Ausgangspunkt für die Diskurse über Funktion von Selbstjustiz und Gewalt. Die Verführung Jamies durch John ist dabei jederzeit nachvollziehbar und wird auch durch das nuancierte und zurückhaltende Spiel der Darsteller unterstützt.

Der Film ist zwar trostlos und brutal bei der Auswahl seiner Themen, jedoch gipfelt das Ganze nur in einer offen gezeigten Gewalteruption, die aber stilistisch dem Film absolut treu bleibt. Durch die Unmittelbarkeit wird diese Szene umso unerträglicher. Hier steht jedoch nicht der Selbstzweck im Vordergrund, sondern das Zeigen des Abstoßenden der Tat. In der zweiten Hälfte des immer bedrohlicher werdenden Films tritt die Crime-Story langsam in den Vordergrund. Die Morde werden wahlloser und die eigentliche Serienkillerthematik wird nun langsam augenscheinlich, ohne dass der Film dabei sein eigentliches Umfeld verlässt. Dabei legt der Film verschiedene Fährten und wird auch an manchen Punkten unverständlich. Dennoch finden am Ende alle Elemente zusammen. Der Kriminalplot überlagert zwar das Soziogram, trotz allem bleiben dessen Ursprünge immer spürbar. Selbst die Texttafeln sind hier nicht bloßer Faktennachschub, sondern bringen die Handlung zu ihrem krönenden Abschluss.

Snowtown ist ein sperriger Film, der sich der Serienmörderthematik im Sinne einer Studie über soziale Umstände und Gewalthandlungen nähert. Eigentlich bietet der Film nur Schatten, die von aufkeimendem Sonnenlicht gebrochen und durchflutet werden, aber nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer sind. Snowtown ist ein kleines und heftiges Meisterwerk aus Australien, das soziales Drama mit einem Krimianteil auf spannende und fordernde Weise verbindet.



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