Türkisch für Anfänger, für manche wegen ihres politisch inkorrekten Witzes eine echte Kultserie, erlebt ihr Leinwanddebüt. Dabei ist die ganze illustre Truppe, wie sie bereits aus dem TV bekannt ist, wieder vereint. Allerdings muss man sich damit anfreunden, dass für den Film die Stunde Null schlägt und die Öztürks und Schneiders erst zueinander finden müssen. Es ist ein turbulenter Spaß an einem exotischen Schauplatz geworden, der das Potenzial besitzt, über die bestehende Fangemeinde neue Anhänger zu gewinnen. Als Silberscheibe für den Ethno-Clash-Komödienabend auf dem heimischen Sofa sicherlich nicht verkehrt.
Drei Staffeln lang klamaukte sich politisch inkorrekt die Multikulti-Patchworkfamilie aus Berlin Öztürk-Schneider durch die Flimmerkiste und eroberte sich eine treue Fangemeinde. Verantwortlich für die Qualität der Serie war der Grimme-Preisträger Bora Dagtekin, der als Drehbuchautor für stets gelungene Dialoge sorgte. Für den Sprung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD) hin auf die große Leinwand, wurden von Dagtekin die Uhren bei seinem Kinofilm-Regiedebüt auf Null zurückgedreht. Die chaotische Familie gehört zu Beginn des Films noch nicht zusammen.
Die Schneiders und die Öztürks, die deutsche wie die türkische Seite der nun nicht mehr - oder besser: Noch-Nicht-Familie - fliegen in den Urlaub nach Thailand. Nahezu unvermeidlich landet das Sensibelchen Lena (Josefine Preuß), die von ihrer Mutter liebgemeint Gürkchen genannt wird, auch gleich neben dem türkischen Sprücheklopfer und Macho Cem (Elyas M'Barek). Damit ist die Krise beinahe schon vorprogrammiert. Noch schlimmer kommt es allerdings, als die Maschine abstürzt, die Truppe auf einer einsamen Insel landet und sich kunterbunt zusammengewürfelt miteinander arrangieren muss.
Scheidungskind Lena, traumatisiert durch antiautoritäre Erziehung, muss dabei mit den Allüren des Angebers Cem, der tief in seinem Inneren eigentlich ein Romantiker ist, der Frauen sogar Haie zu Füssen legt, klar kommen. Noch mit auf der Insel befindet sich Cems extrem gläubige Schwester Yagmur (Pegah Ferydoni) sowie der stotternde Berliner Grieche Costa (Arnel Taci), der sich augenscheinlich für keinen noch so blöden Kommentar zu schade ist. Während die vier die üblichen Hürden zu überwinden haben, um gegen Kannibalen und sonstiges Getier anzukommen, kommen sich die esoterisch veranlagte Psychologin Doris (Anna Stieblich), Lenas Mutter, und der introvertierte Metin, der Türke mit typisch deutscher Spießermentalität, der von Beruf Polizist ist, langsam näher.
Never change a winning Team, und getreu dieser Devise sind alle aus der TV-Serie bekannten Gesichter auch im Kinofilm vertreten. Auch an den Rollen hat sich nichts geändert, damit ist der Wiedererkennungsfaktor hoch. Der Dreh, die Story für den Film wieder bei Null zu starten, dürfte hingegen gerade für die, welche die Serie nicht kennen, angenehm sein; müssen sie sich doch mit keinen Insidern oder komödiantischem Serien-Balast herumplagen und können den Film ohne jegliches Vorwissen genießen.
Geboten werden neben einer Portion Slapstick und schräger Situationskomik vor allem politisch inkorrekte Dialoge, die zuweilen unter die Gürtellinie zielen und viele der üblichen Klischees ad absurdum führen. Die Figuren, die an sich schon massiv überzeichnet sind, warten jede für sich, im Inneren mit einer anderen, wesentlich sympathischeren Seite auf: Elyas M'Barek (Offroad) als Cem ist nur außen so hart, wie er sich gibt; Josefine Preuß in der Rolle der Lena hat nur deshalb Haare auf den Zähnen, um mit ihren Ängsten und Neurosen klarzukommen; und die Hardcore-Muslimin Yagmur, gespielt von Pegah Ferydoni (Ayla), ist im Grunde ein wenig neidisch auf das lockere und unbeschwerte Leben, das die anderen Mädchen führen können.
Wirklich ernst sollte man die dargebotene Show jedoch nicht nehmen. Der Film will keine Sozialstudie sein, die als Gegenrealität zum Integrationsdilemma funktioniert. Das Ganze ist nicht mehr als ein turbulent-erquickliches Ethnodurcheinander, das mit Klischees seinen galoppierenden Unfug treibt. Wenn man schon über das Thema Integration überhaupt ein Fass aufmachen möchte, dann zeigt Türkisch für Anfänger, dass vieles medial gerne vorschnell hochgekocht wird, wohingegen die meisten der nicht-deutschstämmigen Bundesbürger längst als Teil der Gesellschaft angekommen sind.
Es ist also eher angesagt, sich im Kinosessel zurückzulehnen und zu relaxen. Gegen ein paar malerische Urlaubsbilder gibt es zudem wenig einzuwenden, wenn es für Urlaubsstimmung jahreszeitbedingt noch ein wenig zu früh sein könnte. Alles in allem kann man sicherlich auf seinen Spaß kommen. Ein Must-Have ist der Film dennoch nicht. Dazu ist das alles insgesamt etwas zu flach und der Witz vermag nicht, über die volle Distanz zu punkten. Da hinterließ beispielsweise Salami Aleikum einen pointierteren Eindruck. Für den heimischen DVD-Abend, insbesondere für Fans der Serie und für solche, die auf Ethno-Clash-Komödien stehen, liefert Türkisch für Anfänger allerdings ein ordentliches Maß an Unterhaltung.