Manchmal kann man sich einer Film-Werbemaschine unmöglich entziehen. Man wird schon ein Jahr vor Start mit nichtssagenden Trailern geködert, kann die Merchandising-Partner nach einer Woche aus dem Kopf aufzählen und gönnt dann selbst guten Filmen ihren Erfolg nicht mehr, weil man furchtbar genervt ist. Andere Produktionen gehen dagegen in der Masse völlig unter und man erfährt erst in der DVD-Wühlkiste von ihrer Existenz, weil sie kaum beworben werden. Mitunter liegt das vielleicht auch daran, dass selbst die Macher wenig Glauben an ihr Werk haben. Zumindest bei folgendem Thriller wäre diese Erklärung begründet.
Jeden Tag streift Jill durch die endlosen Wälder am Rande der Stadt. Sie sucht Beweise für ihre Entführung, die ihr wegen ihrer gelungenen Flucht niemand so recht glauben will. Als eines Morgens ihre Schwester Molly verschwunden ist, vermutet sie sofort den gleichen Täter dahinter. Doch auch diesmal stößt sie bei der Polizei auf taube Ohren. Also macht sie sich selbst auf die Suche nach ihrem Peiniger, um ihrer Schwester das Leben zu retten.
Fangen wir doch einfach mal mit der guten Seite des Films an. Die heißt Amanda Seyfried, die seit ihrem Durchbruch als Tochter von Meryl Streep in Mamma Mia! nicht nur viel, sondern auch vielfältig unterwegs ist, von der Rotkäppchen-Variation Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond bis zum dystopischen Sci-Fi-Knaller In Time - Deine Zeit läuft ab. Hier kann sie allein die Aufmerksamkeit des Zuschauers über die Gesamtspielzeit aufrechterhalten, weil sie nicht nur äußerst betrachtens- sondern mindestens genauso sehenswert ist. Zwar muss sie hier ein recht undankbares Drehbuch glaubhaft rüberbringen, aber das schafft sie tatsächlich, weil jede Emotion, die sie durchmacht, allein schon in ihren Augen abzulesen ist.
Leider hört es damit auch schon auf. Die anderen Akteure sind langweilige Komparsen, die man aber zumindest auch schon mal irgendwo gesehen hat. Bei Jennifer Carpenter (Quarantäne) überwiegt dann leider das Aussehen gegenüber dem Talent. Wes Bentley (Ghost Rider) beherrscht sämtliche Klischeegesten und Gesichtsausdrücke amerikanischer Police Detectives mit schlafwandlerischer Sicherheit. Und Katherine Moennig (Der Mandant) ist einfach nur so wie immer, nur diesmal mit Polizeimarke am heraushängenden Hemd.
Die Regie des Brasilianers Heitor Dhalia schickt all diese mehr oder weniger erfolgreichen Schauspieler völlig spannungsarm von Szene zu Szene. Die potenziell interessante Möglichkeit der Verwirrung des Publikums, ob das alles nicht doch nur in Jills Psyche stattfindet und sie einem Gespenst hinterher jagt, wird kaum ausgebaut. Stattdessen ermittelt und schwindelt sie sich fantasievoll an liebenswürdigen bis skurrilen Figuren vorbei bis zu einem Finale, das zwar Spannung aufbaut, aber nur um dann noch mehr zu enttäuschen.
Angereichert mit der einen oder anderen ausgelutschten Idee, gewürzt mit ein paar unglaubwürdig gelösten Spannungsmomenten und präsentiert in einem blaustichigen Thriller-Look, der irgendwann einfach nur noch nervt, wurde hier ganz einfach vieles verschenkt, was man hätte besser machen können. Abgesehen von Amanda Seyfrieds so hübschen wie ausdrucksstarken Augen, ist Gone nach dem Kinobesuch tatsächlich recht schnell gone - verschwunden.