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Lachsfischen im Jemen

(Salmon Fishing in the Yemen, 2011)

Dt.Start: 17. Mai 2012 Premiere: 10. September 2011 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 6 Genre: Komödie, Drama, Romanze
Länge: 108 min Land: UK
Darsteller: Ewan McGregor (Fred Jones), Emily Blunt (Harriet Chetwode-Talbot), Kristin Scott Thomas (Bridget Maxwell), Rachael Stirling (Mary Jones), Amr Waked (Scheich), Tom Mison (Robert), Catherine Steadman (Ashley), Jill Baker (Betty Burnside), Waleed Akhtar (Essad), Hamish Gray (Malcolm)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Simon Beaufoy, Paul Torday


Inhalt

Der eine hält es für genial, der andere für völlig absurd. Ein jemenitischer Scheich will in seiner Heimat Lachse angeln können. Der britische Fischerei-Experte Dr. Alfred Jones soll das Unmögliche möglich machen. Motiviert wird er von der Assistentin des Scheichs und der Pressereferentin des britischen Premierministers. Am Ende erkennt Jones, dass Fischerei nicht nur Fischerei ist. Sie kann sogar helfen, Menschen und ganze Völker zusammenzuführen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Lachsfischen im Jemen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Lachsfischen im Jemen hat eine Wertung von 78%
"Ein Fischereiexperte auf Abwegen" hätte der Film auch betitelt werden können. Weit weg von seiner britischen Heimat versucht Doktor Alfred Jones, Unmögliches möglich zu machen. Im Auftrag eines Scheichs sollen Atlantiklachse im Wüstenstaat Jemen ansässig gemacht werden. Da gibt es reichlich Hürden zu nehmen, und als wäre alles nicht schon kompliziert genug, kommt Doktor Jones auch noch die Liebe dazwischen. Lasse Hallström beweist mit einer neuerlichen Literaturadaption, dass er überaus gefühlvoll zu inszenieren versteht, wenn er es mitunter mit schmachtvollen Schmalzeinlagen auch etwas zu gut zu meinen scheint.

Bild aus Lachsfischen im Jemen Dass die Briten herrlich bissige, mitunter makabere Filme zu machen verstehen, ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass aus Großbritannien auch zutiefst anrührende, bitter-süße Romanzen kommen können. Mit Lachsfischen im Jemen erreicht uns genau solch ein Werk. Auf der einen Seite eine ausgezeichnete geopolitische Satire, anderseits wie reinste dunkle Schokolade und zum dahinschmelzen. Inszeniert hat diesen ebenso unterhaltsamen wie schmachtvollen Film Lasse Hallström, dem man solche melancholische Literaturverfilmungen wie Gottes Werk und Teufels Beitrag oder Schiffsmeldungen verdankt. Zuletzt erging er sich allerdings in Hachiko und Das Leuchten der Stille allzu sehr in romantischem Pathos und Kitsch.

Doktor Alfred Jones (Ewan McGregor) ist eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet der Fischzucht. Vielmehr als seine Arbeit hat der überaus gewissenhafte wie unterkühlte "Fisch-Doc" jedoch nicht: Verheiratet zwar, hat sich seine Ehe aber mehr zu einem besseren Beisammensein entwickelt. Das Feuer, falls es überhaupt Mal loderte, ist längst erloschen. Etwas Abwechslung, vielleicht sogar eine kleine Luftveränderung, würde womöglich wieder etwas Leben in seinen eingefahrenen Trott bringen. Das Projekt, das ihm da allerdings angetragen wird, ist einfach zu lächerlich.

Ein jemenitischer Scheich hat sich in den Kopf gesetzt, Atlantiklachse im Jemen heimisch zu machen. Er selbst ist passionierter Fliegenfischer und äußerst angetan vom vielen Grün und den zahlreichen Gewässern der britischen Insel. In solch ein grünes, fruchtbares Paradies würde er gerne auch seine wüstenartige Heimat verwandeln. Davon würden im Nachhinein alle profitieren. Dafür scheut er weder Kosten noch Mühen. Einen gewaltigen Staudamm hat er von chinesischen Ingenieuren bereits errichten lassen. Nun fehlen noch die Zuchtanlagen für die Lachse. Jones hält das Ganze für eine Schnapsidee. Angesichts dessen, dass weder ein immens hoher Kostenvoranschlag (50 Millionen Pfund!) den Scheich von seinem Vorhaben abzubringen vermag, und seine Vorgesetzten von der Fischereibehörde ihn vor die Wahl stellen, das Projekt zu übernehmen oder seinen Hut zu nehmen, willigt er widerstrebend in die absurde Unternehmung ein.

Jones zur Seite steht die ebenso attraktive wie intelligente Harriet (Emily Blunt), die als Projektleiterin der Agentur fungiert, die für den Scheich die bürokratischen und organisatorischen Hürden aus dem Weg räumt. Gemeinsam machen sie nach ein paar Startschwierigkeiten rasche Fortschritte. Mit der Zeit freunden sie sich zudem sichtlich an. Jones fühlt sich sogar zu Harriet hingezogen, die jedoch denkt Tag und Nacht an ihren Freund, der schon kurz nachdem sie sich kennenlernten als Soldat nach Afghanistan abkommandiert wurde. Indes treten plötzlich Probleme auf, die alle überraschen: Trotz der guten Absichten, wird das Vorhaben des Scheichs nicht von allen seinen Landsleuten gutgeheißt. Es gibt sogar Jemeniten, die es als Blasphemie ansehen: Wenn Gott (Allah) Lachse im Jemen gewollt hätte, warum hat er dann keine dort erschaffen, fragen sich diese einfachen, aber sehr gläubigen Menschen.

Lachsfischen im Jemen ist ein recht erstaunlicher Film, der sich nicht ohne weiteres in ein Genre pferchen lässt. Der Titel, der irreführend nach einer wenig mitreißenden Fischerei-Doku klingt, spiegelt bereits viel des skurrilen Potenzials wider. Ewan McGregor gibt geradezu prototypisch genial den spröden wie unterkühlten englischen Wissenschaftler. Emily Blunt wirkt dagegen wie das volle Leben und gestaltet einen herrlichen Konterpart. Wie zwei entgegengesetzte Pole ziehen sich ihre Filmcharaktere an; es knistert ungemein und auch zwischen den Darstellern stimmt augenscheinlich die Chemie. Zuweilen knickt der Filme aber unter so viel romantischer Plattitüde beinahe ein, zumal die Romanze gerade in dem Teil stärker zu tragen kommt, der etwas handlungsschwach ist, das Ganze fängt sich jedoch wieder. Und trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit - oder besser Zwangsläufigkeit - der Geschichte, werden noch Wendungen aus dem Hut gezaubert, die final alles nicht völlig glattgebügelt erscheinen lassen.

Wen die Romanze aber lediglich in zweiter Instanz interessiert, dem wird noch leichtfüßig eine ordentliche Portion schräger Ethno-Clash und eine bissige Behörden- und Politiksatire serviert. Kritik am geopolitischen Entwicklungstreiben bleibt in einer sehr gepflegten Weise ebenfalls nicht aus. Der Film unterdrückt überdies sogar den naheliegenden Impuls, religiöse Überzeugungen, mögen sie noch so archaisch erscheinen, mit gewaltbereitem religiösem Fundamentalismus plump gleichzusetzen. Er wagt im Gegenteil auch einen Blick in die Köpfe derer, die sich plötzlich damit konfrontiert sehen, dass das Land, das ihre Ahnen seit Jahrhunderten nahezu unverändert durchstreiften, nun quasi über Nacht komplett umgestaltet werden soll. Kein Wunder, dass das "westliche System" in solchen Fällen an die Grenze der Vermittelbarkeit gerät.

In der Endabrechnung ist der Film die perfekte gehobene Unterhaltung für den Abend zu zweit. Mit seiner seltsamen Mixtur aus Satire, Komödie, Romanze samt einer Prise Abenteuerfilm sowie schönen Bildern, fabelhaften Darstellern und einem leicht märchenhaften Flair, wie aus 1001 Nacht, kommt keiner zu kurz. Wer allerdings bei schmalzigen Liebesgeschichten sofort in einen hypoallergenen Schock verfällt, sollte ihn dennoch besser meiden.



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Dt. Start: 16. Feb 2012
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