Totgesagte leben länger, das ist bekannt. Aber ob dieses lange Leben auch ein gutes ist, sagt der Spruch nicht aus. Der 70-jährige Terence Hill, dessen beste Zeit schon etwas zurückliegt, kehrt in diesem zweiten Teil des Fernsehfilms in seiner Rolle als pokernder Western-Arzt zurück. Das Gute ist, dass die Fortsetzung ihrem ersten Teil in jeglicher Hinsicht gerecht wird. Aber das ist in diesem Fall leider auch das Schlechte daran.
Nachdem Doc West Holy Sand bereits verlassen hatte, kehrt er zurück, um einer entbindenden Mexikanerin und ihrem Kind das Leben zu retten, bzw. zu schenken. Aber auch sein darauf folgender Abschiedsversuch klappt nicht, denn um ein Krankenhaus finanzieren zu können, organisiert das Städtchen ein Pokerturnier. Für den Doc ein Grund zu bleiben, schließlich kann er sowohl Geld als auch eine gute Tat herausholen.
Das Schlimmste, was ein Film sein kann, ist ohne Frage langweilig. Also einfach derart öde dahin schleichen, dass man nicht einmal auf die negativen Seiten schimpfen kann, sondern nur noch hofft, dass es bald vorbei geht. Doc West - Nobody schlägt zurück hat genau diese Sünde begangen und schleppt sich völlig ohne Humor, Spannung oder denkwürdige Momente über 90 Minuten bis in den rettenden Abspann. Nun führt der zweite Teil das Konzept konsequent fort.
Konsequent bedeutet hier allerdings wirklich identisch. Alle Figuren und Schauspieler aus dem ersten Teil haben sich wieder im Wilden Western versammelt. Titelheld Terence Hill (auch wieder als Regisseur hinter der Kamera) haut diesmal sogar zweimal mehr zu. Natürlich, der Mann ist alt, auch wenn es beeindruckend ist, dass man ihm und seinen berühmten Augen die große 70 nicht ganz ansieht. Aber vielleicht wäre es besser gewesen, dieses Alter auch in den Charakter einzubauen und ihn nicht als nach wie vor jungen und agilen Helden zu verkaufen, der aber leider eine selten schlafwandlerische Natur besitzt.
Paul Sorvino (Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia) ist wieder als Sheriff Baseheart dabei und gibt im Prinzip einen lahmen Bud-Spencer-Ersatz ab. Und auch der Rest der Dorfbewohner kehrt zurück, woran man merkt, dass beide Filme wohl in einem Abwasch gedreht wurden. Wirklich weiterentwickelt hat sich aber keine der Figuren und die neuen Ansätze, die eingebracht werden, dienen auch nur dazu, die paar noch bestehenden plumpen Konfliktversuche in einem zartrosa Nichts aufzulösen.
An neuen Einfällen tauchen noch ein paar alte Klischees wie Indianer und am Eisenbahnbau beteiligte Chinesen auf, was das Ganze nur noch mehr zu einem schlechten, weil null zeitgemäßen Abklatsch der 70er-Jahre-Filme mit Hill macht. Im Gegensatz zum komplett öden ersten Doc West gibt es hier mit dem Pokerturnier zwar eine ganz nette Idee und auch ein, zwei ganz nette Szenen, aber das alles ergibt dann leider trotzdem nicht gleich einen ganz netten Film. Selbst als hartgesottener Fan wohl etwas, das man nicht unbedingt gesehen haben muss.