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Gnade

(Gnade, 2012)

Dt.Start: 18. Oktober 2012 Premiere: 16. Februar 2012 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 132 min Land: Deutschland, Norwegen
Darsteller: Birgit Minichmayr (Maria), Jürgen Vogel (Niels), Henry Stange (Markus), Ane Dahl Torp (Linda), Maria Bock (Wenche), Stig Henrik Hoff (Björn), Iren Reppen (Sofie), Richard André Knutsen (Mikkel), Kristoffer Mortensen (Ole), Katharina Strauch (Stine), Bjorn Sundquist (Mads), David Hjelle Pettersen (Petter)
Regie: Matthias Glasner
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson, Ulla Bay Kronenberger


Inhalt

Niels und Maria wandern zusammen mit Sohn Markus aus nach Hammerfest in Nordnorwegen. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause fährt Maria eines Abends ein Kind an, welches schließlich stirbt. Ohne jede Spur auf den Täter behalten Maria und Niels das Geheimnis für sich. Ihr Gewissen findet jedoch keine Ruhe.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Gnade hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
Gnade hat eine Wertung von 75%
Ein Film übers Sterben und das Leben mit Schuld: Matthias Glasner legt mit Gnade ein beeindruckend intensives und beinahe monumental bebildertes Stück Schauspielkino vor, welches am Ende jedoch über die betont originellen Widerhaken inszenatorischer Manierismen stolpert.

Bild aus Gnade Winter, Schnee und Eis bedeuten Erstarrung, Kälte, auch im Zwischenmenschlichen. Die Nacht bedeutet eine unklare Sicht, Düsternis, auch in der Seele. Gnade von Matthias Glasner setzt genau diese omnipräsenten Metaphern ein, um seine Geschichte um Sünden, Schuld, Moral und Sühne zu erzählen - clever situiert in Nordnorwegen, wo es die Sonne in der winterlichen Polarnacht nicht über den Horizont schafft. In diesem permanenten Dämmerzustand leben Maria (Birgit Minichmayr, Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte) und Niels (Jürgen Vogel) zusammen mit ihrem Sohn Markus, ein deutsches Ehepaar, welches es zum Arbeiten nach Hammerfest, die nördlichste Stadt Europas, verschlagen hat.

Niels arbeitet bei Europas größter Erdgasverflüssigungsanalage, unterhält Affären zu anderen Frauen, hält diese aber vor Maria geheim. Maria arbeitet in einem Palliativ-Hospital, begleitet unheilbar kranke Menschen beim Sterben und fährt eines Nachts fahrerflüchtig ein Kind mit dem Auto an, welches daraufhin verstirbt. Der Tod und das moralische Grübeln sind allgegenwärtig bei Gnade und in ihrer Intensität ebenso raumfüllend wie die ebenso unwirtlichen wie faszinierenden Schnee- und Eislandschaften Nordnorwegens. Solange Maria nicht um Vergebung bittet, hat Niels einen moralischen Freifahrtschein, weswegen sein Geständnis des Betrugs bei Maria allenfalls Nachsicht, aber keine Verurteilung nach sich zieht.

Glasner, der seinen persönlichen Freund Jürgen Vogel nach Der freie Wille auch hier wieder zu Höchstleistungen antreibt, legt sehr viel Schwere in sein Charakterdrama, sehr viel Tiefe. Der moralische Konflikt beider Hauptfiguren, ihr Weg zum Bitten um Vergebung, zum Schuldeingeständnis, nimmt den Film ein, lässt die puristische Inszenierung mit ihren langen Einstellungen, mit ihren unterkühlten Bildern und sporadischen, schwermütigen Vokalgesängen als Musikuntermalung - Maria singt schließlich im örtlichen Chor - dahinter zurücktreten. Das ist bedrückend, das liegt schwer im Magen, das ist trotz einiger religiöser Motive großartiges Schauspielerkino.

Daneben entwickelt sich jedoch ein alternierendes Eigenleben in der Narration mit Sohn Markus. Sein Innenleben bleibt unklar, er bleibt dem Zuschauer verschlossen - auch in seinen dokumentarischen Ambitionen. Markus filmt mit dem iPhone seine Eltern beim Streiten, bei der Annäherung, die erst über ihre Kollaboration im Vertuschen des Unfalls wieder stattfindet, sie wieder zu sich finden lässt. Zwischen einem distanzierten, entfremdeten Gespräch zum Abendessen über Doppelschichten und dem Versöhnungs-Sex liegt eine fragwürdige moralische Entscheidung, dadurch wird verdeutlicht, dass - wie es im Film heißt - nicht Vernunft antreibt, sondern Leidenschaft.

Beide miteinander korrespondierenden Erzählstränge - Eltern und Sohn - werden nur lose miteinander verknüpft, was in einem misslungenen Epilog in Form eines ärgerlichen Handyvideos ähnlich eines Werbespots endet, welches nicht nur ästhetisch mit hohen Farbsättigungen ein Kontrastprogramm zum Vorangegangenen darstellt. Vergebung ist nach dem Schuldeingeständnis eingetreten, es ist Sommer geworden, Polartag. Mittsommernacht wird gefeiert. Das Licht der Erkenntnis hat Einzug gehalten. Leider nicht in den disparat, bedeutungsleer erscheinenden Momentaufnahmen der Handy-Filmaufnahmen.



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Barbara
Dt. Start: 08. März 2012
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