Die Idee hinter Starbuck ist einfach und genial: Ein sympathischer Kerl mit unzähligen Problemen und großen Schwierigkeiten damit, sich auch im mittleren Alter im Leben zurecht zu finden, erfährt ausgerechnet in einer äußerst schwierigen Phase seines Lebens, dass er nach zahlreichen Samenspenden der Vater von 533 Kindern ist, von denen fast 150 seine Identität einklagen wollen. Das Ergebnis ist ein wunderbar humorvoller, intelligenter Film, der in den richtigen Momenten in die Tiefe geht und über weite Strecken wahnsinnig witzig ist. Ein ganz klarer Kinotipp!
Dass Starbuck nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts mit Kaffee zu tun hat, versicherte mir Regisseur Ken Scott höchstpersönlich im Interview zum Film. Auch wenn diese naheliegende Assoziation leider unumgänglich ist, referiert der Titel auf den vielleicht berühmtesten Zuchtbullen der Welt, namens Hanoverhill Starbuck. Der kanadische Bulle war die Basis eines absolut beeindruckenden Stammbaumes, aus dem Hunderte von Emporkömmlingen hervorgingen. Doch nicht nur das Sperma von Bullen ist gefragt: Mit Samenspenden lässt sich schnell Geld mit etwas verdienen, dass im Alltag meist ohnehin achtlos verschwendet wird. Allerdings schwingt natürlich auch immer die Gewissheit mit, dass irgendwo da draußen etliche Kinder vor sich dahin leben könnten, ohne dass man sie jemals kennenlernen wird oder sie erfahren, wer ihr genetischer Vater ist.
In Kanada ist es tatsächlich möglich, sein Recht auf die Identität des Spenders einzuklagen. Dieses Schicksal wird dem ambitionierten Spender David Wozniak zuteil. Nun muss sich der "Starbuck" genannte Wozniak nicht nur mit zwielichtigen Typen, denen er Geld schuldet und die immer wieder in seiner Wohnung auftauchen, seinen Job als Fleischausfahrer im Betrieb des Vaters, seinem erfolglosen Marihuanaanbau und seiner schwangeren Freundin, die sich von ihm trennen will, rumschlagen, sondern auch noch mit ungeahnt vielen Nachkommen.
Es ist natürlich klar, dass das für Chaos sorgt und ein idealer Aufhänger für eine amüsante Komödie sein kann. Doch der automatisch auftretende Gedanke an durchschnittliche amerikanische Unterhaltungsfilmchen, die in eine ähnliche Richtung gehen, wird dem Film nicht im Ansatz gerecht: Starbuck ist streckenweise schlicht und einfach "sauwitzig". Der Humor wirkt meist so wunderbar spontan, originell und ungezwungen, dass Lachsalven selbst bei denen garantiert sind, die ansonsten große Freude daran haben, mit versteinerter Miene in ihrem Kinosessel zu sitzen. Dies liegt vor allem auch an den fast durchgehend liebenswerten Charakteren, die man sofort ins Herz schließt. Allen voran natürlich Hauptfigur David Wozniak selbst, der von Patrick Huard (Cadavres) sehr charismatisch verkörpert wird.
Ein wenig kommt die Angst auf, dass Starbuck im letzten Drittel in klassische Hollywoodkomödien-Klischees fallen und übermäßig emotional werden könnte, doch zum Glück bleibt alles in geregelten Bahnen. Zwar wird der Ton ein wenig ernster und auch für einige moralische Fragen ist hier in aller Deutlichkeit Platz, trotz des zeitweiligen Tiefgangs bleibt das Geschehen aber dennoch weitgehend beschwingt. Am Ende steht der Eindruck eines sehr liebevollen Filmes, dessen Humor nie derber geraten ist, als er sein sollte und der immer wieder im richtigen Moment die richtigen Fragen stellt und so sogar nachhaltig Diskussionsstoff über ein hochkomplexes und ethisch vielseitig betrachtbares Thema bietet.
Keine Frage, Starbuck funktioniert und hat sogar Kultpotential. Das hat auch Hollywood erkannt und plant wieder einmal ein Remake zu einem Film, der gerade erst erschienen ist. Das interessante daran ist, dass Ken Scott selbst auch im Remake, in dem Vince Vaughn (Into the Wild) die Hauptrolle spielen soll, Regie führen wird. Ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn ein Regisseur zwei Mal in zwei Jahren mit unterschiedlicher Besetzung den gleichen Stoff verfilmt, wird sich zeigen. Doch bereits mit dem Original hat Scott bewiesen, dass er ein überaus fähiger Regisseur ist, sodass man auch auf die Neuauflage gespannt sein darf.