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Er ist wieder da: Harry Potter, das Zaubergenie aus den Romanen Joanne K. Rowlings, darf in der Kammer des Schreckens eine gruslige Verschwörung aufdecken.
Ein junger Mann, dürr und von zarter Statur, wird eines Tages für den Film entdeckt. Mit einigen unbeachteten Rollen in seiner Biografie wird er eines Tages vom Regisseur Chris Columbus entdeckt und erhält die Rolle seines Lebens. Noch nicht einmal Teenager wird er kurzerhand berühmt. Natürlich folgt eine langersehnte Fortsetzung und der Publikumsliebling wächst mit seiner Rolle mit. Die Pubertät macht sich bemerkbar, aus dem Jungen wird ein Mann - und mit 17 Jahren bereits feiert er Hochzeit. Damals kannte jeder den frechen Kevin, der alleine Zuhause gemeine Diebe abwehrte, dann selbst zum Bösewicht in Das zweite Gesicht wurde und schließlich als Richie Rich sich mehr oder weniger selbst darstellte: der reichste Kinderstar. Dann ward es ruhig.
Mittlerweile hat sich Chris Columbus als Regisseur für Familienfilme wie Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen, 9 Monate und Der 200-Jahre Mann etabliert. Für die Verfilmung des erfolgreichsten Buches der Neuzeit "Harry Potter" hat er sich einen neuen Jungstar erkoren: Daniel Radcliffe. Dieser ist vor wenigen Monaten erst Teenager geworden und doch schon weltweit bekannt. Nun erscheint er in der Fortsetzung der Buch-Verfilmung. Bereits der erste Teil, der vergangenes Jahr in die Kinos kam, ist heute der zweitumsatzstärkste Film aller Zeiten.
Diesem Ergebnis liegt vor allem der Erfolg der Bücher zugrunde: in 42 Ländern wurden 42 Millionen Exemplare verkauft (weltweit rund 170 Millionen Bände), das Buch in 55 Sprachen übersetzt - und alleine in Deutschland verkaufte sich Harry Potter über 15 Millionen Mal. Auch wenn sich inzwischen dieser Boom gelegt hat, ist auch bei dem neuen Film mit zahlreichen gespannten Fans zu rechnen. Mit einem Budget von knapp $100 Millionen konnte gegenüber Harry Potter und der Stein der Weisen einiges an Mitteln eingespart werden, dennoch ist davon nicht weniger zu erwarten.
Im Gegenteil schafft Harry Potter und die Kammer des Schreckens das, was nur wenigen Fortsetzungen gelingt: er übertrifft seinen Vorgänger. Der eher enttäuschende erste Teil gerät schnell in Vergessenheit, sobald die ersten Filmminuten verstrichen sind. Das es bei einer Länge von gut zweieinhalb Stunden derer nicht wenige gibt, spürt man angesichts der fesselnden Story und deren gelungenen Umsetzung nicht. Nachdem Harry sein erstes Schuljahr an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei erfolgreich absolviert hat, verbringt er die Schulferien wieder bei seinen ungeliebten Zieheltern, Onkel Vernon und Tante Petunia. Dort erfährt er noch mehr unliebsame Missachtung als sonst und erhält darüber hinaus nicht einmal Post von seinen neuen und geschätzten Freunden. Doch als plötzlich der Hauself Dobby erscheint, um ihn vor einer Verschwörung zu warnen und davon abzuhalten, zu Hogwarts zurück zu kehren, führt dieser Harry in noch tiefere Bredouille als ihm ohnehin lieb ist. Just in diesem Augenblick erscheint sein Freund Ron und so beginnt ein neues Abenteuer mit Harry Potter.
Gemeinsam erleben sie zunächst so mancherlei ehe ihr zweites Schuljahr beginnt. Doch schon bald wird es wieder spannend für das Erfolgsgespann Hermine, Ron und Harry. Als letzterer eines Abends alleine durch die leeren Gänge der Schule wandert, entdeckt er Mrs. Norris, die Katze des Hausmeisters Filch, die versteinert an der Decke hängt. Suspense verschafft dabei vor allem eine mit Blut geschriebene Botschaft. Fortan hat es Harry, der unter Verdacht steht, es gewesen zu sein, nicht leicht. Einerseits durch seine Neugier getrieben und andererseits durch seine Fähigkeit Parsel zu sprechen, der Sprache der Schlangen, erhärtet sich immer weiter der Verdacht. So wird er in die Isolation getrieben - einzig seine Freunde Ron und Hermine, Prof. Dumbledore und Hagrid halten noch zu ihm.
Der zweite Band gehört ohnehin zum spannendsten aller bisher vier erschienenen Potter-Bücher. Steven Kloves hat meisterliche Arbeit geleistet, das Buch für die große Leinwand zu adaptieren. Nur selten stören pathetische Dialoge das gruselige und atmosphärisch dichte Ambiente. Störender noch ist nicht wesentlich gereifte Schauspielkunst von Daniel Radcliffe, der vielleicht wie Harry Potter aussehen mag, aber noch immer nicht ganz wie die Filmversion von Harry Potter wirkt. Brillant dagegen können die darstellerischen Leistungen von Emma Watson (Hermine), Jason Isaacs (Lucius Malfoy) und Alan Rickman (Prof. Snape) genannt werden. Besonders die versierteren Kinobesucher wird aber vor allem Kenneth Branagh erfreuen, nach Laurence Olivier und Sir Ian McKellen der wohl bekannteste Shakespeare-Darsteller. Er spielt den narzisstischen Gilderoy Lockhart, einen aufgeblasenen Möchtegern-Zauberer, der einzig im Verkaufen seines Images versiert ist. Da nicht allzu viele neue Figuren vorkommen, findet man in Harry Potter und die Kammer des Schreckens vorwiegend altbekannte Personen und damit auch Darsteller.
Auch wenn wieder einmal Altmeister John Williams, der mit der Filmmusik zu Krieg der Sterne unsterblich wurde und zahlreiche andere Filmhits musikalisch untermalte, für die Klangumgebung sorgt, auch wenn wieder einmal Regie, Drehbuch und die meisten Darsteller gleich geblieben sind, bleibt am Ende ein durchaus erfüllendes Filmerlebnis. Merklich hat man aus den Dreharbeiten zum ersten Film gelernt. Chris Columbus, der bereits während der Post-Produktionsphase vom ersten Teil die Vorbereitungen zur Fortsetzung traf, bemerkte selbst: "Wir haben mit 'Stein der Weisen' eine Menge Erfahrungen gesammelt, die ich unbedingt sofort auf den zweiten Film anwenden wollte."
Diese Erfahrungen machen sich nicht durch die qualitativ gleichwertigen Special Effects bemerkbar, sondern vielmehr im gekonnten Einsatz von Kamera, Licht und Bewegung, die wesentlich mehr zur sinngemäßen Erzählung beitragen als noch im ersten Teil. Das führte gar dazu, dass die Freiwillige Selbstkontrolle sich anfangs noch nicht recht entscheiden konnte, ab wieviel Jahren der Film freizugeben sei. Fand man ursprünglich so manche Szene für ein kindliches Publikum unverträglich, hat man sich letztlich doch auf eine Freigabe ab sechs Jahren einigen können. Schließlich bleibt Harry Potter vorwiegend ein Märchen für Jung und Alt. Trotzdem wird das ältere (Teenager und aufwärts) Publikum sich mehr über den Film freuen können als eben Kinder. Wer etwa Horrorfilme wie Sleepy Hollow und Shining mochte, wird auch Harry Potter und die Kammer des Schreckens mögen - und vielleicht sogar so manche Parallele entdecken.
Derweil schreibt Joanne K. Rowling, Urheberin der faszinierenden Welt von Harry Potter, fleißig am fünften Band weiter, das bereits seit geraumer Zeit den ersten Platz auf der Liste der Vorbestellungen einnimmt. Die lange Zeit des Wartens und die Beteuerungen der Autorin lassen auf eine fulminante Fortsetzung hoffen. In der Zwischenzeit kann man sich am neuen Film erfreuen. |