Das neue Werk von Regisseur Ole Christian Madsen lebt voll und ganz von seinem gut aufgelegten Darsteller-Ensemble um Anders Wodskou Berthelsen, das mit seiner Spielfreude dafür sorgt, dass man dem Selbstfindungstrip der Hauptfigur bis zum Ende folgt, wenngleich das vom Regisseur persönlich verfasste Drehbuch nicht gerade konsequent durchdacht wirkt.
Eine Scheidung ist selten eine reine Formsache. Oft kann sich einer der beiden ehemaligen Partner nicht mit der neuen Situation zurechtfinden und weigert sich, die Trennung und das damit verbundene Aus für die einstige Liebe zu akzeptieren und versinkt in seinem Selbstmitleid. Ole Christian Madsen, der in seiner Heimat Dänemark als einer der besten Filmemacher seiner Generation gilt, inszeniert mit seinem neuen Werk Superclassico... Meine Frau will heiraten! diese Prämisse nun als Sommerkomödie. Wem diese Ausgangssituation, die Madsen hier aufbietet, nun nicht gerade allzu frisch vorkommt, irrt natürlich nicht, denn Kino und Fernsehen machen offenbar seit Jahren einen Wettstreit, wer mehr solcher Filme produziert. Was hat diese sommerliche Tragikomödie mit eingebautem Selbstfindungstrip nun also Neues zu bieten, was es von der Masse ähnlicher Geschichten abhebt? Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: nichts.
Dass dem Thema nicht wirklich etwas Neues abzuringen ist, muss beim Verfassen des Drehbuchs auch Ole Christian Madsen, der hier Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion ist, aufgefallen sein. Daher stellt er seine eigentliche Haupthandlung im Laufe des Films immer mehr in den Hintergrund und befasst sich stattdessen entweder mit der Nebenhandlung um Oscar oder beschäftigt sich mit Szenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Diese Szenen sind für sich genommen nicht schlecht, teilweise gehören sie sogar zu den besten des Films. Doch verliert sich Madsen so sehr darin, dass für die eigentliche Handlung kaum noch Zeit bleibt, dadurch ist die Wandlung von Hauptfigur Christian am Ende nicht gerade sonderlich glaubwürdig.
Dazu kommt, dass Superclassico... Meine Frau will heiraten! durch diese Vielzahl von auseinander gehenden Handlungen, die oft ins Leere verlaufen, nicht wirklich wie aus einem Guss wirkt. Dieses Problem kittet auch der Erzähler nicht, den Madsen, der zuletzt mit Tage des Zorns große internationale Beachtung finden konnte, aus dem Off die Handlung erklären lässt. Dieser Kniff mit dem allwissenden Erzähler, der seit dem phänomenalen Erfolg von Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie immer wieder mal gerne verwendet wird, funktioniert aber nur dann, wenn das Ganze eine ironische Note einbringt. Hier aber gibt es nur eine (notwendige) Handlungserklärung, die einen stellenweise an ein Benjamin Blümchen-Hörspiel erinnert.
Dass dieses an sich also recht schlechte Drehbuch letztlich dennoch, wenigstens halbwegs, funktioniert liegt an zwei Faktoren. Zum einen an den Darstellern um Anders Wodskou Berthelsen. Mit Berthelsens Performance, die zwischen kompletter hoffnungsloser Resignation und unterdrückter Wut balanciert - und dennoch Sympathieträger bleibt, steht und fällt der Film. Doch auch der restliche Cast beweist sich als gut aufgelegt und kann durch gute Leistungen überzeugen. Gerade der in unseren Breitengraden nicht unbedingt sonderlich bekannte argentinische Seriendarsteller Sebastian Estevanez gibt eine herrlich gutgelaunte Dumpfbacke ab, die in jeder Szene mindestens einen Lacher abstaubt.
Zum anderen hat Madsen seinen Film recht flott inszeniert. Dies trägt zwar auf der einen Seite zum leicht chaotischen Eindruck des Drehbuchs bei, allerdings sorgt es auch dafür, dass die an sich recht laue und bereits tausendfach erzählte Geschichte nicht langweilig wird. Abgerundet wird die durchaus als gelungen anzusehende Inszenierung durch die wunderbare Musikauswahl, die unter der Leitung von Jonas Struck entstand. Strucks eingebrachte folkloristische Klänge entfalten zusammen mit der von Kameramann Jorgen Johansson gekonnt eingefangenen Szenerie eine eindrucksvoll fernwehweckende Wirkung, die zu einer Sommerkomödie gehört wie der Tannenbaum zum Weihnachtsfest.
Letztlich hat das neue Werk von Ole Christian Madsen zwar nicht wirklich eine Daseinsberechtigung, da alles, was in Superclassico... Meine Frau will heiraten! zu sehen ist, bereits mehrfach so oder so ähnlich auf der großen Leinwand zu sehen war. Madsens Lösungsansatz für das Problem, sich im Laufe der Handlung immer weiter von der Haupthandlung zu entfernen und sich auf eine Nebenhandlung oder auf Szenen zu konzentrieren, die in keinerlei Zusammenhang mit dem restlichen Film stehen, erweist sich als nicht unbedingt gelungener Ansatz. Doch die flotte Inszenierung und allem voran die spielfreudigen Darsteller sorgen trotz dieser Probleme dafür, dass der Film am Ende wenigstens halbwegs funktioniert.