Die schwarze Komödie von Frank Capra schafft mit ihrem erstklassig in Szene gesetzten Kontrast zwischen kleinbürgerlicher Familienidylle und blankem Horror eine einzigartige verrückt-gruslige Atmosphäre. Der erstklassig aufgelegte Cast um Cary Grant, der hier die vielleicht beste Leistung seiner Karriere abliefert, leistet das Übrige, um den Film zu der wohl besten Komödie der 1940er Jahre - und zu einem zeitlosen Klassiker - zu machen.
Hauptdarsteller Cary Grant bezeichnete Arsen und Spitzenhäubchen später als beklopptes und sich ständig vor Wendungen überschlagendes Szenario. Und ganz von der Hand weisen kann man diese Kritik an Frank Capras Film, der irgendwo zwischen Screwball-Comedy und schwarzer Komödie angesiedelt ist, auf keinen Fall. Doch bei Capras Werk hat der Wahnsinn in jedem Fall Methode. Die immer irrsinniger werdenden Wendungen, gegen die Knowing noch knallhart auf dem Boden der Tatsachen zu stehen scheint, machen hier den Charme des Films aus.
Ursprünglich sollte die Geschichte um die beiden mordlüsternen Tanten den Stoff zu einem ernsten Drama liefern, doch letztlich entschied sich Autor Joseph Kesselring doch dafür, die irrwitzige Situation in den Mantel einer pechschwarzen Komödie zu packen. Diese Entscheidung stellt sich im Nachhinein als die richtige heraus, denn es darf bezweifelt werden, dass der Zwiespalt zwischen der Liebenswürdigkeit der beiden älteren Damen und deren gleichzeitiger Mordlust sonst eine derartige Wirkung erzielt hätte.
Die Zwillingsbrüder Julius und Philip G. Epstein, die sich ein Jahr später über den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch zu Casablanca freuen durften, leisteten auch bei dieser Adaption eines Bühnenstücks wieder gute Arbeit, denn die Dialoge treffen in der Regel ins (Pech-)Schwarze. Dies war in diesem Fall eine besondere Herausforderung, denn aufgrund des sogenannten Hays Codes, einer 1934 für Filmproduktionsunternehmen eingeführten Richtlinie zur moralisch akzeptablen Darstellung von Kriminalität und sexuellen Inhalten in Hollywoodproduktionen, mussten die vielen von Kesselring eingebauten Anzüglichkeiten ersetzt werden.
Da sich nahezu das gesamte irrwitzige Treiben im Wohnzimmer der Tanten abspielt, kann die Inszenierung von Frank Capra in keinem Moment seine Bühnenherkunft verheimlichen. Andere Spielorte, wie der Keller oder das Standesamt, kommen hier nur sehr selten vor. Allerdings versteht es Capra, diese beschränkte Kulissenanzahl effektiv zu nutzen.
Dies liegt zum einen, neben dem erstklassig genutzten Einsatz von Licht und Schatten, an Capras erstklassigem Gespür für Atmosphäre. So wechselt Capra zwischen Einstellungen, die sich, gerade bei den Szenen mit Raymond Massey, hinter den Klassikern des Gruselkinos nicht zu verstecken brauchen, und einer humorigen Leichtigkeit scheinbar mühelos hin und her. Was bei einem weniger begabten Filmemacher wohl wie Stückwerk gewirkt hätte, schafft Capra, wie aus einem Guss wirken zu lassen. Zum anderen verlässt sich Capra auf sein spielfreudiges Ensemble. Cary Grant dabei zuzusehen, wie er sich in Windeseile vom Normalbürger zum flatterigen Nervenbündel verwandelt, macht einfach riesigen Spaß.
Eigentlich war James Stewart als Hauptdarsteller vorgesehen, doch als dieser sich dazu entschloss, seine Filmkarriere zugunsten seines Dienstes in der US-Armee zu pausieren, musste dringend Ersatz gefunden werden. So waren unter anderem Bob Hope, Jack Benny und der spätere US-Präsident Ronald Reagan im Gespräch. Nach langem Hin und Her nahm man schlussendlich Cary Grant unter Vertrag. Grant, der eher durch seine Rollen als smarter Augenverdreher oder seine Auftritte in zahlreichen Hitchcock-Filmen ein Begriff ist, stellt sich in der Rolle des von einer bösen Überraschung in die nächste stolpernder Mortimer Brewster allerdings als Glücksgriff heraus. Durch seine schwindelerregende, hochnervöse Performance steht und fällt der ganze Film.
Doch neben Grant sind es besonders Josephine Hull und Jean Adair, von denen der Film lebt. Hull, die hier wie auch in Mein Freund Harvey erneut eine ihrer Bühnenrollen übernimmt, und Adair sind hier als unschuldige Engelchen, die zugleich Massenmörderinnen sind, das Salz in der Suppe. Seinen besonderen Reiz bezieht das Spiel der beiden daraus, dass die Verbindung ihrer Liebenswürdigkeit und der berechnenden Mordlust ein ungewöhnliches Schaudern erzeugt.
Peter Lorre, der es als Mädchenmörder in Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder ebenso ins kollektive Gedächtnis geschafft hat wie der Konferenzraum aus Dr. Seltsam - oder wie ich lernte die Bombe zu lieben, spielt hier als ängstlicher, schmierig-versoffener Dr. Herman Einstein eine Figur, die ebenfalls das Zeug zu einem Kultcharakter abgegeben hätte, der aber leider von Grant, Hull und Adair die Show gestohlen wurde.
Doch auch der restliche Cast um Raymond Massey, John Alexander, Jack Carson und Priscilla Lane macht seine Sache ausgezeichnet. Gerade Massey, der den eigentlich vorgesehenen Boris Karloff (auf den im englischen Original auch immer wieder anspielt wird) ersetzt, gibt als Jonathan Brewster eine herrlich gruslige Performance ab.
Letztlich schafft es das Werk von Frank Capra, durch seine atmosphärische und mit schwarzem Humor durchtränkte Inszenierung bestens zu unterhalten. Das brillant aufgelegte Darstellerensemble tut sein Übriges, um Arsen und Spitzenhäubchen zu einer erstklassigen und der vielleicht schwärzesten Komödie der Filmgeschichte werden zu lassen.