Mit Noch Tausend Worte startet Eddie Murphy einen neuerlichen Versuch, diesmal wieder mit Regisseur Brian Robbins, mit dem er schon Hits wie Beverly Hills Cop und Der verrückte Professor drehte, zu alter Größe wiederzufinden. In der tragikomischen Geschichte, in der ein ausgewiesenes Plappermaul, dem Lügen leicht über die Zunge gehen, dem eigenen Tod mit jedem ausgesprochenen Wort näher rückt, versucht Murphy sowohl einen Spagat als auch emotional bewegende Augenblicke festzuhalten. Die einstige Gag-Maschine scheint dafür aber alles andere als prädestiniert zu sein.
Es ist schon eine Weile her, dass Starkomiker Eddie Murphy auf der großen Leinwand die Herzen des Publikums erobern konnte. Trotz immens hoher Gagen in den vergangenen Jahren, hinterließen seine cineastischen Auftritte keinen nachhaltigen Eindruck. In Zuhause ist der Zauber los versuchte er sich betont familienfreundlich und hielt mit Inbrunst die Fahne der amerikanischen Home-Sweet-Home-Attitüde hoch; an der Kinokasse floppte das lahme Werk jedoch. In Aushilfsgangster, bei dem er sich als Produzent selbst eine Rolle an der Seite Ben Stillers verordnete, versuchte er einen gelinden Imagewechsel. Der Film wurde zwar kein Flop, den "Harten" aus dem New Yorker Arbeiterghetto Queens wollte man Murphy aber nur schwerlich abnehmen.
Mit Noch Tausend Worte kehrt er nun in einer Fantasy-Tragikomödie zurück, die einerseits wieder sowohl familienfreundlich daherkommt als auch (diesmal etwas beiläufiger) die Familie als Grundstock des Glücks in Szene rückt. Im Mittelpunkt der Handlung steht aber der geschwätzige Literaturagent Jack McCall (Eddie Murphy), der mit seiner verbalen Überzeugungskraft noch jeden Deal positiv abschließen konnte. Seine rhetorischen Talente setzt er überdies auch dann ein - es mit der Wahrheit nicht besonders genau nehmend -, um sich im Alltag durch Manipulation und Übertölpelung seiner Mitmenschen Vorteile zu sichern. Die wenigen Augenblicke, in denen er nicht diese linkische Nummer runterspult, sind jene, wenn er seine an Alzheimer leidende Mutter besucht.
Die Masche mit der sinnfreien Phrasendrescherei zieht aber nur solange, bis er es sich eines Tages mit dem Falschen verscherzt. Als er den New-Age-Guru Dr. Sinja (Cliff Curtis) verärgert, sprießt gleichsam aus dem Nichts heraus ein prachtvoller Bodhi-Baum, dem mächtige spirituelle Kräfte nachgesagt werden, aus dem Boden in Jacks Garten. Die Pracht hält jedoch nur solange, wie Jack auch seinen Mund hält; auf mystische Weise miteinander verbunden, verliert der Baum, für jedes Wort das Jack spricht (oder auch schreibt), ein Blatt. Wenn alle Blätter verweht sind, stirbt der Baum - und Jack gleichfalls.
Für einen Darsteller wie Eddie Murphy, dessen Komik größtenteils auf seinem frechen Mundwerk beruhte und der Überschallgeschwindigkeit, mit der er die verbalen Gags rausfeuern konnte, ist es sicherlich eine beachtlich Herausforderung, nun alles aus Gestik, Mimik und halbdefinierbaren Grunz- und Ächzlauten herausholen zu müssen. Im ersten Teil des Films darf sich Murphy verbal zwar noch ordentlich austoben, doch dann ist Schluss mit lustig - im wahrsten Sinne des Wortes.
Den einen oder anderen Lacher gibt es zwar auch in der zweiten, tragischen, Hälfte. Doch hier hat Murphy einmal Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, wie ein Mensch fühlen muss, dem buchstäblich die Zeit davon läuft. Es zeigt sich, wie unvermeidbar es im Grunde ist, zu kommunizieren, und dass immer Situationen eintreten können, in denen es sich eigentlich nicht vermeiden lässt, zu sprechen, selbst wenn es ein großes Opfer darstellt. Und im Kern dreht sich alles um dieses "Opfer", das Jack nun bringen muss; er, der einstmals ohne Punkt und Komma redete und die Macht der Worte für Belangloses verschwendete, muss nun jedes einzelne Wort gut abwägen, könnte es doch sein letztes sein.
Noch Tausend Worte versagt zwar nicht völlig in diesen sensiblen Momenten, der tiefe Zauber, der aufkommen sollte, wenn Murphy sich auf das Unvermeidbare zubewegend einigen Menschen, die er sonst links liegen ließ, ein paar Worte spendet, bleibt allerdings aus. Zu überaus simpel voraussehbar ist das versöhnliche Ende, selbst als er sich von seiner Frau, seinem Kind und seiner Mutter in wohlbedachten Worten verabschiedet und sein Schicksal annimmt. Ein Stückweit ist es dem dünnen Plot geschuldet, der Anleihen bei Filmen wie Schwer verliebt oder Der Dummschwätzer nimmt, in denen "Unverbesserliche" durch wundersame Fügung geläutert und zu besseren Menschen werden; zu einem gewissen Maß liegt es jedoch an Murphy, der zuviel Schalk im Nacken hat und über die Jahre zu sehr auf Comedy getrimmt wurde, als dass ausgesprochen tragische Momente durch ihn glaubhaft getragen werden könnten.
Hinzu kommt, dass Murphy durch das Tanzen auf zwei Hochzeiten auf der komödiantischen Seite viel Raum an Clark Duke abgeben muss, der Jacks schrägen und nerdigen Assistenten spielt und dabei für einige Gags gut ist. Letzten Endes vermag der Film aber auf keiner Seite richtig zu punkten und erreicht in der Endabrechnung höchstens das Format, um vielleicht als Silberscheibe einen Auftritt zu feiern.