Eines muss man dem britischen Komiker und Schauspieler Sacha Baron Cohen lassen: Er ist wirklich ganz schön schmerzfrei. Nach den beiden (Fake-)Dokumentationen Borat und Brüno, welche die US-amerikanische Fremdenphobie, respektive die verklemmte Sexualmoral aufs Korn nahmen, kehrt er nun mit seinem neuerlichen Machwerk Der Diktator zurück, um den Umgang westlicher Gesellschaften mit Diktatoren mit den üblich bizarren Mitteln anzuprangern. Der Wechsel von der Mockumentary zum Spielfilm beraubt den Film aber um einen Großteil seines grotesken Charmes. Und manche Gags wirken inzwischen einfach nur noch abgeschmackt.
Nach dem Ende von Schurken wie Saddam Hussein, Osama bin Laden und Muammar al-Gaddafi ist General Aladeen (Sacha Baron Cohen), der Herrscher des Staates Wadiya, der letzte echte Despot. Sein Leben ist nahezu perfekt, er gewinnt die Wettbewerbe bei den selbstausgerichteten Olympischen Spielen - den Wadiya Games - aufgrund überlegener Feuerkraft, lässt alle Störenfriede kurzerhand exekutieren und beglückt jede Nacht die schönsten Frauen der Welt. Die misstrauischen Westmächte machen allerdings Druck, und die stete Forderung der UN, sein (friedliches) Atomprogramm transparent zu machen, nervt eindeutig.
Aus diesem Grund entschließt er sich in die (PR-)Offensive zu gehen und nach New York zu reisen, um dort vor den Vereinten Nationen zu sprechen und alle negativen Gerüchte, Wadiya und seine Herrschaft betreffend, aus der Welt zu schaffen. Kaum mit Pomp und Pracht in New York angekommen, wird Aladeen jedoch Opfer einer heimtückischen Verschwörung. Kurzerhand wird er von einem Doppelgänger ersetzt, der seinerseits eine Marionette ist, die einen einzigen Zweck erfüllt: in Wadiya die Demokratie auszurufen.
Entmachtet, entstellt (seines Bartes beraubt, damit ihn keiner mehr wiedererkennt) und gleich einem Obdachlosen auf der Straße ausgesetzt, hat er nicht die geringste Chance, das Komplott aufzudecken. Der Zufall will es, dass ihm genau im Augenblick, als er von Polizisten unsanft vom Zaun des UN-Gebäudes befördert wird, der politischen Aktivistin, Feministin und Betreiberin eines Bio-Supermarktes Zoe (Anna Faris) begegnet. Sie reicht dem von der Staatsmacht misshandelten Fremden die Hand, und Aladeen greift nach diesem Strohhalm.
Wie nicht anders zu erwarten war, wird auch diese erfundene Figur, in deren Haut Cohen schlüpft, die Vorlage für jede Menge politisch unkorrekten Witz. Dem einen oder anderen wird dabei mitunter das Lachen im Halse stecken bleiben; doch selbstverständlich steckt auch diesmal wieder eine ordentliche Portion Gesellschafts- und Systemkritik hinter der ganzen Provokation. Die Frage danach, ob nun die Mittel den Zweck immer heiligen, kann letzten Endes aber nur jeder für sich selbst beantworten.
Insgesamt fällt die schräge Show diesmal jedoch deutlich harmloser aus. Nach der ersten Hälfte wandelt sich der subversive, bitter-böse Charakter des Films immer mehr zu mainstreamiger Comedy. Die hat es zuweilen zwar immer noch in sich, und so manche Ekeleinlage, die mit Körperflüssigkeiten einhergeht, bleibt auch diesmal nicht aus. Diese Gags scheinen nunmehr aber lediglich dazu zu dienen, leidlich platt unter der Gürtellinie zu unterhalten. Schreiend schräge Einlagen, wie das Verballhornen der US-Hymne auf einem Rodeo in Texas oder die Fäkalien in der Plastiktüte am Tisch einer bürgerlich-konservativen Familie (beide Borat) bleiben diesmal weitestgehend aus.
Mit Der Diktator gelingt es Cohen insgesamt nicht, an den brachial-provokativen Charakter der Vorgänger anzuschließen. Der Film legt es dafür zu sehr darauf an, (platt) zu unterhalten, sodass viel von der transportierten Kritik im Grunde verpuffen muss. Deutlich merkt man darüber hinaus, dass mit Blick auf die kommerzielle Verwertbarkeit weniger auf Kult, als auf Kompatibilität mit dem Massengeschmack geschaut wurde. Daraus resultiert zwar immer noch ein böser Comedystreifen, aber letzten Endes auch nicht mehr.