Wenn man versucht, Das Hochzeitsvideo kurz zusammenzufassen, könnte die Formel lauten: Hangover plus Mockumentary plus ein Hauch Dogma 95. Tatsächlich ist man damit gut auf den Kinobesuch eingestimmt und kann sich in etwa vorstellen, was einen erwartet. Der neue Film von Sönke Wortmann bietet angenehme Unterhaltung, einige ausgesprochen witzige Szenen, aber auch einige Momente, in denen es ein wenig zu viel des Guten ist. Alles in allem aber empfehlenswert.
Es soll ja vorkommen, dass sich gewisse Motive immer wieder im Kino finden. Im Fall von Hochzeitskomödien ist das zwangsläufig vorprogrammiert. So werden auch bei Das Hochzeitsvideo spätestens beim sich ankündigenden Junggesellenabschied sofort Erinnerungen an Hangover wach, und die Handkamera, die eine Hochzeitsgesellschaft begleitet, kommt dem einen oder anderen vielleicht auch von Lars von Triers Melancholia bekannt vor. Die "irrwitzigen" Verwicklungen einschlägiger Hollywood-Komödien seien an dieser Stelle ausgespart. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, bedarf es daher einer originellen Idee. So entschied sich Sönke Wortmann dafür, die Geschichte um die Tage vor der Hochzeit eines jungen Paares mit sehr unterschiedlichen familiären Hintergründen im Gewand eines Hochzeitsvideos zu verpacken und damit den Eindruck eines spontan gefilmten Dokumentarfilms zu erschaffen, wodurch sein Film im Grunde eine typische Mockumentary ist. Dieses Stilmittel ist es, was den Film ausmacht und deutlich von den Genrekollegen abhebt. Der Zuschauer hat das Gefühl, immer mitten im Geschehen zu sein, und kann durch diese Nähe deutlich besser mitfühlen und vor allem mitlachen.
Zu lachen oder wenigstens zu schmunzeln gibt es tatsächlich einiges, denn die humorvollen Augenblicke wirken spontan und realistisch. Situationskomik glaubhaft zu inszenieren, ist eine hohe Kunst. Dass eben dies den meisten Zuschauern während des Films nicht bewusst wird, spricht für Wortmann. So entsteht ein wunderbar kurzweiliger Eindruck und obendrein wird auch die Neugier auf den weiteren Handlungsverlauf geweckt. Zwischenzeitlich wird der Humor erstaunlich derb und bisweilen auch recht anzüglich, was den abgehärteten Filmfreund zwar kalt lässt, aber in Anbetracht einiger überraschend nackter Tatsachen doch ein wenig unerwartet daher kommt.
Die meisten Darsteller liefern eine überzeugende Performance, wobei besonders Lisa Bitter als Pia, die man wohl ohne zu zögern heiraten würde, begeistert. Insgesamt sind alle Figuren relativ interessant, teilweise sogar liebenswert, manchmal aber auch ein wenig zu klischeehaft. Zwei Charaktere sind jedoch schlicht nervig: Ein Hip-Hop-besessener Teenager, der längst überwunden geglaubte "Ey-Yo-Alter"-Klischees bedient und fast ausnahmslos im Film zu sein scheint, um einzelne Szenen abzuwerten, und natürlich der Ex-Freund Pias, der Pornodarsteller Carlos, auf den in etwa das gleiche zutrifft. Sein Potenzial erschöpft sich recht schnell, und mit zunehmender Spielzeit werden seine Auftritte immer alberner, auch wenn er die eine oder andere Wendung provoziert.
Das wohl größte Manko des ansonsten sehr stimmigen Filmchens ist mit Sicherheit das Ende. Hier wurde teilweise unerträglich übertrieben und unnötigerweise auch auf Fernsehfilm-Liebeskomödien-Klischees zurückgegriffen. Das ist sehr schade, schließlich hätte man mit einer originellen Pointe dem Film den letzten Schliff geben und so auch dafür sorgen können, dass er nachhaltig in Erinnerung bleibt. Sehenswert ist Das Hochzeitsvideo aber dennoch.
Anmerkung: Bei der besprochenen Fassung handelte es sich, wie wir später erfahren haben, noch nicht um den finalen Schnitt der Kinofassung.