Unter der Regie von Franco Rossi verteilt das Duo diesmal vordergründig wieder seine bekannten Backpfeifen. Doch die Handschrift des vom italienischen Neorealismus stammenden Filmemachers ist deutlich zu erkennen und gibt dem Film einen interessanten zweiten Aspekt. Leider kann Rossis Werk den guten Ansatz nicht bis zum Ende durchhalten und wirkt, je weiter sich der Film dem Ende nähert, immer zäher.
Das Filmgenre des Neorealismus entstand in Italien unter dem Einfluss des französischen poetischen Realismus und des Marxismus. Das Ziel der Neorealisten war es, die leidbehaftete Wirklichkeit in ungeschminkter Weise zu zeigen. Umso erstaunlicher ist es daher auf den ersten Blick, dass ein Filmemacher mit so einer starken neorealistischen Prägung wie Franco Rossi einen Film mit den Titelhelden Bud Spencer und Terence Hill in Szene setzt. Allerdings merkt man Zwei Missionare recht bald an, dass es sich bei dem Film über die beiden Missionare bei ihrer Revolution gegen die scheinheilige katholische Kirche nur vordergründig um einen üblichen Spencer/Hill-Film handelt. Eher nutzte Rossi lediglich die Popularität von Bud Spencer und Terence Hill, um das Leid, das die Kolonialherrschaft in Südamerika über die Bevölkerung bringt, publikumswirksam aufzuzeigen.
So kam Rossi natürlich nicht drumrum, die erwarteten Standards des Duos in die Handlung einzuflechten, weshalb die expliziten Prügelszenen genauso wenig fehlen wie die ständigen Streitereien zwischen Spencer und Hill. Allerdings findet dies alles hier deutlich dezimierter seine Anwendung, als man es aus anderen Filmen des Duos gewohnt ist, denn Neorealist Rossis Hauptaugenmerkt lag auf etwas anderem.
Zum einen wird hier recht deutlich die Rolle von Kirchenobrigkeit und Staatsbediensteten angeprangert, die sich durch Ausbeutung und brutale Unterdrückung der Bevölkerung bereichern. Zum anderen wird die marxistische Lehre immer wieder als Ideal angepriesen. Wenngleich man den zweiten Subtext in jedem Fall als fraglich bezeichnen kann, funktioniert die Verbindung der üblichen hohlen Spencer/Hill-Standards mit dem omnipräsenten Subtext weitgehend harmonisch.
Allerdings wird diese Verbindung dem einen oder anderen Fan nicht so sehr gefallen, da Zwei Missionare im Gegensatz zu den üblichen Spencer/Hill-Filmen eine deutlich ernstere Gangart wählt. Ist es sonst lediglich ein spielerisches Balgen, sind hier auch Hinrichtungen ein entscheidendes Thema. Wer sich allerdings auf diesen ernsthafteren Subtext einlassen kann, bekommt in der ersten Stunde eine recht schlüssige und vor allen Dingen unterhaltsame Handlung zu sehen. Leider verliert die Geschichte allerdings in der letzten halben Stunde aufgrund einiger Überraschungen und langatmiger Szenen ein wenig an Fahrt und hinterlässt so einen leicht negativen Nachgeschmack.
Die Musik von Guido und Maurizio De Angelis kann sich wie gewohnt hören lassen. Auch wenn sie sich nicht für die musikalische Untermalung von jedem Spencer/Hill verantwortlich zeigten, prägte ihr Sound doch sehr stark die Reihe und trägt auch hier dazu bei, dass man Zwei Missionare, trotz der leicht ernsteren Gangart, sofort als zur Reihe zugehörig empfindet.
Zu den darstellerischen Leistungen von Bud Spencer und Terence Hill muss auch in diesem Film nicht viel gesagt werden. Trotz der etwas ernsthafteren Hintergrundgeschichte des Films spielen Spencer und Hill einmal mehr ihre angestammten Rollen. Der restliche Cast um Robert Loggia als tyrannischer Kolonialherrscher Marches Gonzaga macht seine Sache ebenfalls recht überzeugend. Gerade die wenigen Auftritte von Jacques Herlin als Bischof gehören zu den Highlights des Films.
Letztlich ist der deutliche und für einen Spencer/Hill-Film auch unerwartete Subtext, den Franco Rossi bei Zwei Missionare an den Tag legt, für den einen oder anderen Zuschauer deplatziert. Wer sich allerdings darauf einlassen kann, bekommt neben den wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Gabor Pogany von Venezuela und Maracaibo eingefangen hat, eine unterhaltsame Komödie zu sehen, die allerdings wegen des nicht so gelungenen Endes leider doch nur eine Bewertung im oberen Mittelmaß erreicht.