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Sehenswertes Schauspieldebüt von Eminem über einen jungen Rapper, der durch seine Musik dem Armutsviertel entkommen will.
Bevor man Eminems Schauspieldebüt blindlings und vorschnell in die Schublade mit der Aufschrift "Musikstar zieht seinen Fans im Kino mit einem vor Lächerlichkeit strotzenden Film das Geld aus der Tasche" stopft, sollte man sich doch etwas genauer mit 8 Mile auseinandersetzen. Denn anders als bei Britney Spears Not a Girl oder Mariah Careys Glitter - Glanz eines Stars waren bei Eminems Schauspieldebüt keine Bratwürste am Werk, sondern wirkliche Könner. Allen voran Regisseur Curtis Hanson, der unter anderem Filme wie L.A. Confidential inszeniert hat und hier zum wiederholten Male unterstreicht, dass auf ihn Verlass ist. Einen äußerst positiven Eindruck hinterlässt auch Debütant Eminem, der seiner Figur wirklich blendend spielte. Dabei kam ihm selbstverständlich zu Gute, dass er sich mehr oder weniger selbst portraitierte.
Er weiße Rapper Jimmy "Rabbit" Smith lebt in den von Kriminalität, Verfall und Arbeitslosigkeit gezeichneten Vororten Detroits, die durch eine Straße namens "8 Mile" von Stadtzentrum getrennt sind. Er geht einem geregelten Job in einer Automobilfabrik nach, verdient damit aber gerade genug, um sich halbwegs über Wasser zu halten. Nach der Trennung von seiner Freundin muss er wieder zu seiner Mutter in den Wohnwagen ziehen und sich mit ihrem neuen Freund, einem ehemaligen Schulkameraden, arrangieren. Sein emotionales Ventil ist der Rap und der damit verbundene Traum eines Tages groß rauszukommen. Gefördert wird er durch sein Kumpel Future (Mekhi Phifer), der die wöchentlichen Freestyle-Battles in einem Club "moderiert" und ihn auf diesem Wege in der von Schwarzen dominierten Szene nach oben bringen will. Doch anfangs bleiben dem zweifelsohne talentierten Rabbit wegen des Lampenfiebers und der Aufregung die Worte im Hals stecken und er sieht sich den Buh-Rufen der tobenden Menge gegenüber. In Alex (Brittany Murphy) findet Jimmy eine Art Leidensgenossin, die genauso wie er, über den künstlerischen Erfolg, dem Ghetto entfliehen will. Alex glaubt an Jimmy, erweist sich aber als beziehungsunfähig, da sie für die Karriere gerne mal die Beine breit macht.
Hauptdarsteller Eminem vereinigt in seiner Figur Jimmy "Rabbit" Smith verschiedene Charakterzüge, verliert aber dabei nie den unzufriedenen Gesichtsausdruck, in dem sich seine Selbstzweifel wiederspiegeln. Auf der einen Seite ist er der lässige Gangster, der mit seiner Rostlaube durch die Gegend eiert und mit seinen Kumpels die coole Sau raushängen lässt und auf der anderen Seite versucht er für seine kleine Schwester den Ersatzvater zu spielen und seine Mutter vor dem totalen Absturz zu bewahren. Sein musikalisches Talent kann Eminem bei den Freestyle-Battles in die Waagschale werfen und seinen Kontrahenten die abgedrehten Reime vor den Latz knallen. In der Rolle von Jimmys Mutter ist Kim Basinger zu sehen, die keine Mühe hat, eine am Existenzminimum lebende und alleinerziehende Mutter zu spielen, die frustriert zur Flasche greift und sich irgendwelchen Volltrotteln an den Hals wirft, nur um einen Mann zuhause zu haben.
Der oben bereits erwähnten Perfektion von Regisseur Curtis Hanson ist es zu verdanken, dass wir es bei 8 Mile eben gerade nicht mit einer Selbstinszenierung von Eminem zu tun haben, die nur den Fans des Rappers zu empfehlen ist. Vielmehr handelt sich hier um qualitativ hochwertiges Kino, das man sogar fast Leuten empfehlen kann, die mit HipHop und Rap eher weniger am Hut haben, da sich der Film nur in den entscheidenden Momenten der Musik bedient, ansonsten aber eine ganz normale Story aus dem Ghetto erzählt. Dass sich der Film so echt und authentisch anfühlt, ist vor allem den tristen und versifften Schauplätzen zu verdanken, die es dem Publikum leicht machen, sich in die Situation im Armutsviertel ansatzweise hineinzuversetzen. Auch die treffenden und stimmigen Dialoge, sowie die lebensnahe und kitschfreie Handlung leisten ihren Beitrag zur Überzeugungskraft des Films.
Bei der Inszenierung des Films ging Curtis Hanson äußerst behutsam und mit viel Gefühl für die Situation zu Werke, wodurch es ihm bravourös gelang, die zahlreichen Fettnäpfchen und Kitschfallen zu umgehen. Er versteifte sich beispielsweise nicht darauf, die beiden rivalisierenden Banden genauestens voneinander abzugrenzen und verzichtete dankenswerterweise auf eine theatralische Aussprache zwischen Jimmy und Alex. Die Präsentation der Freestyle-Battles ähnelte ein wenig der eines Boxkampfes, mit dem Unterschied, dass sich die Kontrahenten nicht die Birne weich klopfen, sondern vielmehr das Oberstübchen auf Hochtouren bringen, um die Reime fließen zu lassen. Der Anfang und das Ende von 8 Mile sind durch zahllose Parallelen miteinander verbunden, die dem Zuschauer aber nicht visuell eingehämmert werden, sondern ganz unaufdringlich in die Handlung eingeflochten wurden und einem erst nach dem Film bewusst werden. Das Ende des Films vermittelt eine unglaubliche Energie, die dazu animiert aus dem Kinosessel zu hüpfen und Jimmy zujubeln, wie er seinem Gegner einen verbalen Kinnhaken nach dem anderen verpasst. Jimmys kleines persönliches Happy End führt dieses mitreißende Kinoerlebnis zu einem stimmigen Schluss und spannt wiederum den Bogen zum Anfang. |