Nach Vincent will Meer lässt Regisseur Ralf Huettner in seinem neuen Film erneut seinen Protagonisten durch eine Reise zu sich selbst finden. Doch anders als bei Huettners letztem Roadmovie geht die Rechnung hier leider überhaupt nicht auf. Denn der Film wirkt in seinen einzelnen Szenen zu heterogen um ein stimmiges Gesamtbild abzuliefern. Dazu kommt, dass der Film sich auch sonst nicht wirklich einordnen lässt, denn für eine Komödie ist er zu unlustig, doch für eine wirkliche Charakterstudie zu oberflächlich.
Die Geschichte von einem Mann, der ohne es zu wollen plötzlich in ein weit entferntes kleines Nest reisen muss und dort schließlich zu sich selbst findet, ist filmisch in etwa so neu wie ein Film zum Thema Alien-Invasion. Daher muss man Regisseur Ralf Huettner und seinen beiden Drehbuchautoren Michael Ebmeyer und Minu Barati durchaus dankbar sein, dass sie beim hier vorliegenden Ausgerechnet Sibirien zumindest auf die obligatorische Szene verzichteten, in welcher der Reiseauftrag erteilt wird.
Huettner legt nahezu direkt mit der Reise los. Und schon ist man in einer Handlung, die deutliche Parallelen zu Dany Boons Willkommen bei den Sch'tis aufweist, allerdings ohne dessen Charme und Witz zu erreichen, da man hier beim Humor größtenteils einmal mehr auf das unter deutschen Filmemachern sehr beliebte, jedoch niemals witzige Pferd Übersetzungswitze setzt. Allerdings ist das Ganze immerhin noch so unterhaltsam, dass man dem Film ein gewisses Unterhaltungspotenzial für die restliche Laufzeit zutraut.
Doch nach ungefähr der Hälfte ändert Huettner ganz plötzlich die Richtung seines Werkes zu einem Roadmovie, bei dem nun nahezu alle zuvor eingeführten Figuren unter den Tisch fallen. Diese Änderung der Richtung des Films wirkt allerdings nicht wirklich stimmig, was wohl nicht zuletzt an der aus dem nichts kommenden Charakterwendung des von Joachim Krol gespielten Matthias Bleuel liegt. In der letzten Dreiviertelstunde schließlich ist im Grunde keine Spur mehr von einer Komödie zu finden. Stattdessen dominieren nun ein Drama, das einem weit mehr auf die Nerven fällt als berührt, und mystische Elemente, die derart dilettantisch eingeführt und umgesetzt wurden, dass es schon wieder unfreiwillig komisch wirkt.
Dem Cast hingegen ist nichts vorzuwerfen. Joachim Krol macht wirklich das Beste aus seiner recht einfach gestrickten Rolle und spielt den verklemmten Logistik-Planer derart glaubwürdig, dass man ihm seinen, gerade zu Ende hin recht idiotischen, Part die ganze Zeit über abnimmt. Vladimir Burlakov macht seine Sache als Krols Stichwortgeber ebenfalls mehr als gut, ohne jedoch einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch die anderen Darsteller um Zoya Buryak können überzeugen. In Anbetracht des wirklich schlechten Drehbuchs muss man vor dem hier herrlich aufspielenden Ensemble einfach den Hut ziehen. Einzig vielleicht Svetlana Tsvichenko sticht ein wenig negativ heraus, was man ihr allerdings nicht vorwerfen kann, denn das Drehbuch gesteht ihr nicht viel mehr zu, als nett auszusehen.
Ebenfalls verschenkt wurde die beeindruckende Naturkulisse Russlands. Die sibirische Landschaft hätte mit Sicherheit viel hergegeben und dem Film ein wenig mehr Glaubwürdigkeit und Atmosphäre verliehen, allerdings bekommt man herzlich wenig davon im endgültigen Film zu sehen. Daher ist die Frage, warum man die Mühe auf sich nahm, teils recht schwer zu erreichende Drehorte aufzusuchen, die sich über eine Strecke von ungefähr 1500 Kilometer erstreckten - um dann letztlich doch nicht viel mehr davon zu zeigen, als einige Bäume und Sträucher.
Der Beginn von Ausgerechnet Sibirien legte den Schluss nahe, dass Regisseur Ralf Huettner, einen zwar nicht allzu frischen, aber immerhin nicht ganz müden Aufguss der alten Selbstfindungsgeschichte aus dem Drehbuchbaukasten vorlegt. Doch irgendwie scheint Huettner sich spätesten ab der Mitte des Films immer mehr verzettelt zu haben und liefert am Ende ein wenig stimmiges Gesamtbild ab. Zwar hätte man diese Ungereimtheiten in der Geschichte vielleicht noch mit Witz und einem Augenzwinkern überspielen können, doch auch der ohnehin nie sonderlich gelungene Humor des Films fällt ab der Hälfte immer mehr weg. So hinterlässt einen der Film letztlich mit dem Gefühl, dass hier eine wunderbare Landschaft und ein wirklich gut aufspielendes Ensemble einfach vergeudet wurden.