Der Fall des Boxers Rubin 'Hurricane' Carter war in den 70er Jahren sehr populär und viele Bürgerrechtler und Berühmtheiten setzten sich für seine Befreiung ein. Sänger Bob Dylan widmete ihm 1976 sogar den Song Hurricane. Wenn man sich die Liste der möglichen Kandidaten für seine Rolle in Norman Jewison's Film zu Gemüte führt, dann drängt sich ein Schauspieler geradezu auf: Denzel Washington. Er ist prädestiniert für die Rolle des stolzen Schwarzen, die er bereits in Malcom X erfolgreich spielte. Norman Jewison und vor allem Denzel Washington gingen mit viel Ergeiz und Engagement an das Projekt und schufen wirklich einen großen Film. Sie orientierten sich weitestgehend an der wahren Geschichte und an Rubin Carter's Buch The 16th Round: From Number 1 Contender to Number 45472. Natürlich mussten sie einige Zugeständnisse machen, um die Geschichte etwas zu vereinfachen, zum Beispiel wurde der rassistische Polizist Vincent Della Pesca erfunden und symbolisiert die Einstellung vieler Kollegen zur damaligen Zeit. Außerdem kann nicht eindeutig belegt werden, ob Rubin Carter's Jugend wirklich so verlief, wie sie im Film dargestellt wird.
Die Inszenierung eines so komplizierten und brisanten Stoffes ist nicht gerade leicht, doch Regisseur Norman Jewison ist diesbezüglich wirklich großes gelungen. Er arbeitet am Anfang des Films mit Rückblenden um die Jugend und das Erwachsenwerden von Rubin Carter zu schildern. Die Boxkämpfe werden in schwarz-weiß gezeigt und wirken auf der einen Seite nostalgisch, aber durch die schnellen Bewegungen äußerst energiegeladen. Durch diese beiden Maßnahmen gewinnt der Film an Dramatik und vor allem wird die langweilige chronologische Erzählweise vermieden. Während des Films werden zusätzlich Originalbilder von Demonstrationen eingespielt um dem Zuschauer die Tragweite des Falles vor Augen zu führen. Auch der Einsatz von Bob Dylan's Lied fördert zusätzlich die Sympathie des Publikums gegenüber Rubin Carter. Hauptdarsteller Denzel Washington leistet in dem Film wirklich großes und schlidderte nur haarscharf am Oscar vorbei. Besonders überzeugend spielte er den Gefängnisaufenthalt von Rubin Carter. Der Wandel vom stolzen Mann zum gebrochenen Wrack in der Einzelhaft war beeindruckend. Auch der spätere Verlauf seines Gefängnisaufenthaltes überzeugte, sei es die Hoffnungslosigkeit nach den gescheiterten Prozessen oder das schöpfen neuer Energie durch die Freundschaft mit Lesra Martin.
Durch die perfekte Kombination von Schauspielkunst und brillanter Inszenierung entsteht eine qualitativ hochwertige Biographie eines wirklich einmaligen Schicksals. Der Film rüttelt auf und man fühlt sich nach dem Film, wie Lesra Martin nach dem lesen von Carter's Buch. Der Film Hurricane war in den deutschen Kinos nicht häufig zu sehen, weil uns einfach der Bezug zum Thema fehlt. Schade, denn der Film ist wirklich großartig und man muss ihn gesehen haben.