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Mein Freund Harvey

(Harvey, 1950)

Durchschnittliche Redaktionswertung

72%



Inhalt

Elwood P. Dowd wird ständig von einem mannshohen weißen Hasen namens Harvey begleitet. Zumindest bildet er sich das ein. Wirklich gesehen hat das Tier noch niemand. Und doch ist Elwood so davon überzeugt, dass am Ende sogar seine Mitmenschen nicht mehr sicher sind, ob sein Begleiter nicht doch tatsächlich existiert.

Kritik

von Florian Tritsch

Wertung Kritik

72%

Henry Kosters Komödie Mein Freund Harvey lebt von der Spiellaune seiner Darsteller. Leider kann die Geschichte nach erstklassigem Beginn aufgrund der merkwürdigen Wendung der Handlung, die sich in der Mitte vollzieht, nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Bild aus Mein Freund Harvey Die Verfilmung eines Theaterstücks stellt in der Regel ein großes Problem dar, an dem schon so manch begnadeter Regisseur gescheitert ist. Selbst Regievisionär Alfred Hitchcock schaffte es nicht, mit Cocktail für eine Leiche eine gelungene Übertragung von einem Medium ins andere zu vollziehen. Auch Henry Koster gelingt es nicht, sein Werk von der Vorlage zu lösen, da Mein Freund Harvey die gesamte Laufzeit über ein wenig wie ein abgefilmtes Theaterstück aussieht.

Da es sich hier jedoch um einen Film handelt, der in erster Linie von seinem Screwball-Dialogwitz lebt - und mit dem Spiel der Darsteller steht und fällt -, wirkt die theaterartige Atmosphäre in keiner Szene störend. Koster vertraut seinen Darsteller. Und dieses Vertrauen, das ihnen Koster zugesteht, erwidern die Darsteller, indem sie ausgezeichnete Leistungen abliefern.

Hauptdarsteller James Stewart beweist sich hier einmal mehr als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler, die Hollywood je hervorbrachte. Als exzentrischer Träumer Elwood P. Dowd zeigt er eine der besten Leistungen seiner Karriere. Man nimmt ihm seine Rolle in jeder Minute ab, und gleichzeitig ist man dem naiven, aber darum nicht weniger fesselnden Charme seiner Figur wenige Minuten nach Filmbeginn erlegen.

Josephine Hull, die bereits als witwermordende Tante Abby in Arsen und Spitzenhäubchen restlos überzeugen konnte, liefert als Elwoods Schwester Veta wieder einmal eine Galavorstellung ab, welche völlig zurecht mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin vergütet wurde.

Stewart und Hull agieren hier wunderbar zusammen. Man merkt, dass die beiden ihre Rollen und ihr Zusammenspiel verstehen. Mein Freund Harvey gewinnt besonders durch diese spürbare Chemie zwischen den beiden. Leider kann mit diesen erstklassig aufgelegten Darstellern der restliche Cast nicht ganz mithalten und bleibt trotz solidem Spiel stets ein wenig blass. Gerade William H. Lynn als Gaffney und Charles Drake als Dr. Sanderson verkommen völlig zu Stichwortgebern.

Warum also trotz des ganzen Lobes doch nur eine Wertung im Mittelmaß? Zwar fesselt der Film zunächst durch spritzige Dialoge sowie die absurde Geschichte und baut gleichzeitig eine sehr feine Spannung auf. Doch nach etwa dem halben Film schwindet das gesamte Potenzial der Geschichte leider vollends dahin.

Während man in der ersten Hälfte noch einen unbekümmerten Film zu sehen bekommt, in dem Stewart in Forrest Gump-Manier alle Anfeindungen und Gemeinheiten mit Nettigkeit, Charme, völliger Naivität und viel Glück pariert - wird mit dem plötzlichen Beweis von Harveys Existenz die gesamte erste Hälfte mehr oder weniger ins Gegenteil verklärt. Diese Hinzunahme des Mystischen und, gegen Ende auch Dramatischen, passt einfach nicht. Lebte Mein Freund Harvey zu Anfang noch von seiner unbekümmerten Art und seinem Wortwitz, wird der Film plötzlich ernster, immer unglaubwürdiger und vor allem zäher.

Aufgrund dieses markanten Stilbruches, der den Film in zwei Hälften teilt, die nicht so recht zusammenpassen wollen, ist Mein Freund Harvey leider nicht das Meisterwerk geworden, zu dem Darsteller und die erstklassige erste Hälfte fähig gewesen wären. Doch Charme und Spielfreude retten die Geschichte, die leider auf ziemlich unwürdige Art und Weise zum Ende geführt wird, gerade noch ins Mittelmaß.

Keine weitere Wertung


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