Da fahren manche amerikanische Produktionsfirmen Millionen an Geldern auf, um den größten Müll herzustellen, und andere Filmemacher schaffen es seltsamerweise mit nicht halb so viel Mitteln und Aufwand, echte Genrehighlights zu drehen. Und wer hat es in diesem Fall (mal wieder) richtig vorgemacht: die Schweden.
Nach einer Tragödie in ihrer Familie verlässt die erschütterte Malin ihre alte Umgebung und fährt in den Norden Schwedens. Während der ermüdenden Autofahrt durch die skandinavischen Wälder begegnet ihr immer wieder ein unheimlicher Jeepfahrer. Nachdem sie einmal bereits die Polizei alarmiert hat, greift der Unbekannte sie nachts an einer einsamen Stelle an und entführt sie. Malin wird schnell klar, dass sie es mit einem Mörder zu tun hat. Also bleibt ihr nur eines: die Flucht um jeden Preis.
Natürlich ist die Stärke des Films nicht seine Handlung, denn die ist weder neu, noch mit überraschenden Wendungen gespickt. Was Night Hunt - Die Zeit des Jägers - oder Verschwunden, wie der schlichte Originaltitel lautet - wirklich auszeichnet, ist die packende Inszenierung. Vom ersten Moment an absolut glaubwürdig, ohne große Ausschmückungen oder filmische Dramatisierungen hat man jederzeit das Gefühl, dass das, was man hier beobachtet, jeden Tag genauso passieren könnte. Und auch passiert, wenn man das aktuelle Nachrichtengeschehen beobachtet. Man zweifelt keine Sekunde daran, dass jeder in genauso eine Lage kommen kann, und ist förmlich gezwungen, sich zu fragen, wie man in verschiedenen Situationen an Malins Stelle gehandelt hätte.
Die dramatisch-filmischen Mittel, die eingesetzt werden, sind dagegen äußerst wirkungsvoll. Dabei sind es vor allem zuweilen bis ins Unerträgliche intensivierte Szenen wie Malins erste Konfrontation mit ihrem Peiniger in dessen Keller, die den Puls wirklich erhöhen. In der zweiten Hälfte des Films werden solche Momente leider seltener und müssen der einen oder anderen eher lächerlichen Situation weichen.
Trotzdem bekommt man hier beste Thriller-Unterhaltung mit einer sehenswerten Hauptdarstellerin (Sofia Ledarp kennt man aus der originalen Millennium-Trilogie) und das, schon eine Regel in schwedischen Filmen, in einer malerisch eingefangenen nordischen Waldkulisse. Für Fans der Fernsehserie Pastewka noch ein Hinweis: Dietrich Hollinderbäumer, der Bastians Vater spielt, hat hier einen kleinen Auftritt als deutscher Jäger.