Ruhrpottcharme und Currywurst, das passt wie Arsch auf Hose. Pommes Essen heißt dann auch der Film, der die leckere Wurst mit der rot-braunen Tunke in den Mittelpunkt eines modernen Märchens stellt. Wie die drei Damen vom Grill übernehmen Friedas Töchter Verantwortung für das Pommesbuden-Familienunternehmen, als ihre Mutter zur Kur muss. Die älteste kocht allerdings ihr eigenes Süppchen, und dabei steht ihr die Pommesbude eigentlich nur im Weg. Netter Film für zwischendurch, der leider nicht genug von dem einfängt, was sich geradezu aufdrängt. Mit mehr vom eigentümlichen Ruhrpottcharme und knackiger in der Erzählstruktur wäre durchaus eine Empfehlung fürs Kino drin gewesen.
Neue Märchen braucht das Land und warum bitteschön sollen sie nicht aus dem Ruhrpott kommen? Ein wenig wie ein solches mutet die Geschichte von Frieda (Anneke Kim Sarnau) an, die die Pommesbude ihres Vaters geerbt hat und sich als alleinerziehende Mutter von drei Töchter im Leben behaupten muss. Wie in jedem anständigen Märchen gibt es natürlich auch eine Prinzessin; in diesem Falle die 16-jährige Patty (Luise Ritsch), die weder Lust auf Schule hat, noch im familiären Traditions-Imbiss versauern möchte. Sie fühlt sich gastronomisch zu Höherem berufen und würde lieber heute als morgen ihr Glück als Azubi in einer Sternenküche in der großen weiten Welt suchen.
Frieda möchte grundsätzlich dem Glück ihrer Tochter nicht im Wege stehen. Die Schule (Mittlere Reife) muss aber mindestens zu Ende gemacht werden. Patty denkt hingegen, dass ihre Mutter sie viel lieber an den Imbiss, der seit dem Tod des Vaters, respektive Großvaters, überhaupt nicht mehr läuft, ketten möchte. Als Frieda eines Tages wegen Überarbeitung einen Schwächeanfall erleidet und sie zur Erholung zur Kur muss, übernehmen die Töchter die Verantwortung für den Imbiss. Patty soll dabei vor allem auf ihre beiden jüngeren Geschwister, Selma (Marlene Risch) und die kleine Lilo (Tabea Willemsen) Acht geben; Patty sieht aber eher ihre große Chance gekommen, nun ihr Leben selbst in die Hände zu nehmen. Dabei nimmt sie auch billigend in Kauf, dass ihre Mutter nach der Rückkehr aus der Kur ihren Traum in Rauch aufgegangen vorfindet.
Eigentlich fehlt bloß noch eine böse Schwiegermutter (oder Hexe), um den Märchencharakter von Pommes Essen zu unterstreichen. Damit kann der Film jedoch nicht dienen, wohl aber mit einem durchtriebenen Bruder, gespielt vom bekannten Musiker und Mitglied der Fantastischen Vier, Smudo. Dieser betreibt gleich eine ganze Imbisskette, möchte zudem aber noch das Geheimnis der Currysoße haben, welches einst sein und Friedas Vater lediglich an die Tochter weitergab. Des Weiteren, sozusagen als gute Fee, gibt sich Thekla Carola Wied - diesmal mit schwerstem Ijon-Tichy-Akzent - die Ehre. Und selbst der Prinz, welcher der Prinzessin den Hof macht, fehlt nicht, selbst wenn es bloß der Pommes-Lieferant mit Migrationshintergrund Önder (Michael Keseroglu) ist.
Etwas zu Irritationen mag die Tatsache führen, dass sich im Film in Prinzip alles - anders als es der Titel grundsätzlich vermuten lässt - nicht um die goldgelbe, mundgerecht geschnittene Frittierkartoffel, sondern um das kulinarische Nationalheiligtum des Ruhrpotts, die Currywurst dreht. Passend dazu lässt die Regisseurin Tina von Traben das eigentümliche Lokalkolorit auch immer wieder aufblitzen, hätte dies aber noch in viel stärkerem Maße in den Vordergrund stellen müssen. Dabei beginnt Pommes Essen mit einer extrem atmosphärischen Rückblende in Schwarz-Weiß ausgesprochen vielversprechend, bleibt aber im Nachhinein, was das Ruhrpottflair angeht, überwiegend flach.
Insgesamt ist das alles dennoch ganz unterhaltsam, und wenn auch wenig kernig erzählt und mit zu wenig Neureiz versehen, erreicht es zumindest ordentliches TV-Format. Deplatziert wirken ein paar eingestreute Cartoon-Elemente, die weder in puncto Humor etwas beitragen, noch vorher ausgesparte Handlung verdichtet (nach)liefern. Zudem wird anfangs reichlich viel Zeit mit Szenen verschwendet, die an Substanz nahezu komplett entbehren. So wirkt Pommes Essen zu Beginn ein stückweit zäh. Und nicht alles erscheint überdies wirklich konsequent durchdacht: Die mittlere der drei Schwestern ist mit ihren 13 Jahren beispielsweise in der Lage, Metall-Schweißarbeiten zu vollführen oder eine Fritteuse zu reparieren, jedoch unfähig, sich selbst ein Butterbrot zu schmieren.
Schauspielerisch fußt alles aber zumindest auf einem ordentlichen Fundament. Die drei Mädchen machen ihre Sache überwiegend gut, wobei die erst elfjährige Tabea Willemsen zum heimlichen Star avanciert. Zwischen der großen, die auch im realen Leben die ältere Schwester ist, und dem keck aufspielenden Filmnesthäkchen fällt es aber Marlene Risch sichtlich schwer, ihrer Figur zu mehr Profil zu verhelfen. Das mag jedoch auch dem Drehbuch geschuldet sein, das ihr wenig spezifische Eigenheiten zugestand. Pommes Essen ist in der Endabrechnung somit kein unbedingtes Muss fürs Kino - kann aber getrost in einiger Zeit zu Hause auf dem Sofa genossen werden.