Moulin Rouge meets Hairspray. Ähnlich wie in erstgenanntem Film werden in Rock of Ages bekannte Pop- und Rocksongs vorgetragen und inhaltlich miteinander verknüpft. Anstatt jedoch eine tragische Liebesgeschichte präsentiert zu bekommen, erwartet den Zuschauer ein Feel-Good-Movie im Stile von Hairspray, das trotz einiger Schwächen sein musicalaffines Publikum unterhalten wird.
Rock of Ages basiert auf ein hierzulande nahezu unbekanntes Musical, das 2005 uraufgeführt wurde und es wenige Jahre später sogar bis an den Broadway geschafft hat. Auch heute noch findet die Ode an den Rock und die 80er Jahre ihr Publikum, und was läge näher, ihr auch in Filmform zu huldigen? Das Regiezepter übernahm Adam Shankman, der mit Hairspray schon eine mehr als nur gelungene Musicalverfilmung in seinem Repertoire vorweisen kann und dabei erneut auf ein namhaftes Cast bauen kann.
Sherrie ist eine Sängerin vom Lande und träumt von einer großen Karriere als Rocksängerin. Also heißt der Weg natürlich Los Angeles. Wir schreiben das Jahr 1987 und sie beginnt ihr Abenteuer als Kellnerin in der Heimat des Rocks: dem Bourbon Room. Allerdings herrscht dort seit einer Weile Ebbe in der Kasse und die Tatsache, dass die Frau des Bürgermeisters alles daran setzt, um den Rock ein für alle mal zu eliminieren, sprich den Laden zu schließen, stört den Frieden ungemein. Ein letztes Konzert der angesagtesten Band des Landes, Arsenal, angeführt von dem abgestürzten Rockstar Stacee Jaxx, soll ein Hoffnungsschimmer für den Bourbon Room sein, doch dessen zwielichtiger Manager hat ganz andere Pläne...
Inhatlich haben Musicals in den meisten Fällen nur wenig zu bieten und auch Rock of Ages muss sich gefallen lassen, dass das Storygerüst wie eine Blaupause wirkt, die einzig dazu dient, um von einem Song zu nächsten zu führen. Dabei wird der Zuschauer fast schon ertränkt im Kitsch und besonders die tragende Liebesgeschichte will emotional leider zu keinem Zeitpunkt funktionieren. Eventuell liegt dies auch an der Tatsache, dass es sich bei der Verfilmung des Musicals um eine extrem weichgespülte Variante der Geschichte handelt, die mit den Figuren der Vorlage nur wenig gemein hat und all ihre Ecken und Kanten von vorneweg außen vor lässt. Ein Ärgernis, das in Amerika besonders Kennern des Musicals wütend aufstoßen ließ. Dass der Haupthandlungsstrang nicht funktioniert, sorgt ebenso dafür, dass sich bei einer stolzen Laufzeit von etwas mehr als zwei Stunden auch einige Längephasen einschleichen.
Obwohl die beiden Hauptfiguren Drew und Sherrie überzeugend von den unverbrauchten Jungstars Julianne Hough und Diego Boneta gespielt werden, stehlen ihnen die Nebenfiguren ohne große Mühe die Show. Dies ist zum einen der Figurenzeichnung, zu einem Großteil jedoch dem spielfreudigen Cast zu verdanken. Besonders Tom Cruise darf, inklusive Hausaffe Hey Man, wunderbar gegen sein Image anspielen, aber auch die weitere Besetzung um Alec Baldwin, Russell Brand (dem man leider eine ärgerliche neue Sychronstimme verpasst hat) etc. weiß mit wenigen Ausnahmen (Cranston, Zeta-Jones) sowohl spielerisch, als auch stimmlich zu überzeugen, und selbst ein Paul Giamatti darf die ein oder andere Liedzeile zum Besten geben.
Wie eingangs schon erwähnt, ist Rock of Ages vor allen Dingen eine Ode an die 80er-Jahre. Das merkt man in jeder Sekunde und es erweist sich als eine der großen Stärken des Filmes. Nahezu jeder Zuschauer dürfte die Songs kennen, wunderbar werden Medleys gesponnen und vor allen Dingen versteht es Shankman, diese auch in Szene zu setzen. Als absolutes Highlight erweist sich dabei eine überaus amüsante Sexszene zwischen Tom Cruise und Malin Akerman, in der Foreigners "I wannt to know what love is" auf eine ganz eigene Art interpretiert wird.
Letzten Endes ist es eine Frage der Herangehensweise ob man mit Rock of Ages etwas anfangen kann. Erwartet man eine gute Geschichte, glaubwürdige Figuren oder eine adäquate Umsetzung des Broadwaymusicals, dann wird der Zuschauer wohl enttäuscht zurückbleiben. Möchte man sich jedoch über etwas mehr als zwei Stunden wieder zurück in die 80er begeben, von einem wunderbar spielfreudigen Cast altbekannte Songs vorgesungen bekommen und mit guter Laune den Saal verlassen: Dann führt an Rock of Ages eigentlich kein Weg vorbei, denn Adam Shankmans Film ist ein kurzweilig unterhaltendes Feel-Good-Movie, das sich jedoch einige Schwächen vorwerfen lassen muss. Eine Frage wird letzten Endes jedoch auch nach Sichtung des Filmes ungeklärt bleiben: Wie zur Hölle ist ausgerechnet Horrorikone Eli Roth in diesen Film geraten?