Der Film von Walter Hill ist im Grunde nichts anderes als ein ziemlich hohler Actionfilm, der sich lediglich von Gewaltorgie zu Gewaltorgie hangelt - ohne jede Spur einer Figurenzeichnung oder von Interesse, dem Film einen Beigeschmack von Tiefe zu geben. Doch eine coole Inszenierung und ein Hauptdarsteller, der für sich genommen schon die Coolness in Person darstellt, schaffen es, dass Last Man Standing unterm Strich doch noch als solider Actionkracher überzeugt.
Manche Geschichten kann man offenbar einfach nicht oft genug verfilmen. Seien es nun die Abenteuer von D'Artagnan und den Drei Musketieren, die in regelmäßigen Abständen neu in die Kinos gebracht werden, oder auch die beiden fast zeitgleich angelaufenen Verfilmungen von Schneewittchen und den sieben Zwergen Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen und Snow White & the Huntsman. Zu diesem Kreis der offenbar immer wieder erzählenswerten Geschichten gehört auch das Drehbuch von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa, das bereits für die Filme Yojimbo - Der Leibwächter und Sergio Leones Italowestern-Klassiker Für eine Handvoll Dollar, dem Auftakt zu dessen berühmter Dollar-Trilogie, Pate stehen durfte.
Unter der Regie von Actionspezialist Walter Hill fand das Skript für den hier vorliegenden Last Man Standing nun zum dritten und vorerst letzten Mal seine Verwendung. Doch auch diese mehrfache Nutzung des gleichen Drehbuchs bedeutet für die Handlung keinerlei qualitative Verbesserung. Mehr als einen dürftigen Handlungsfaden findet man auch in diesem Fall nicht. Gerade darum entpuppt sich die Verpflichtung des Nur 48 Stunden-Regisseurs Hill als absoluter Glücksfall, denn seine Regie rettet den Film.
Denn Hill inszeniert die überraschungs- und vor allem extrem spannungsarme Geschichte in einer wunderbar coolen Atmosphäre. Zwar sind die Schießereien vor kargem Wüstenambiente extremst überzogen, doch gerade durch diese italowesternübliche kompromisslos-überzeichnete Gewaltorgie bezieht Last Man Standing zu einem großen Teil gerade seinen Reiz. Dazu wurde das gesamte Treiben von Kameramann Lloyd Ahern II in einer herrlich anzusehende Hochglanzoptik verpackt, was den Film durchaus zu einem optischen Highlight macht.
Die musikalische Untermalung, für die sich Ry Cooder verantwortlich zeigte, passt sich in diese Inszenierung gelungen ein. Die Musik des Slide-Gitarristen klingt auch hier einmal mehr ziemlich cool, stellt allerdings im Vergleich zu seinen anderen Arbeiten, wie beispielsweise seinem erstklassigen Score in Wim Wenders' Paris, Texas oder Long Riders, in welchem er ebenfalls mit Walter Hill zusammenarbeitete, nichts Besonderes dar.
Ähnlich matt sieht es auch mit den Darstellern aus. Wirklich eine Gelegenheit, schauspielerisch zu glänzen, gibt es hier nicht, denn das Drehbuch gesteht seinen Figuren nur das Notwendigste an Charakterisierung zu. Natürlich ist die Rolle des im Grunde nur trinkenden und schießenden Antihelden dennoch voll und ganz auf Hauptdarsteller Bruce Willis (R.E.D.) zugeschnitten. Willis spielt das Ganze einmal mehr routiniert und cool runter, wenngleich er hier nicht ganz an andere vergleichbare Filmauftritte rankommt. Die restlichen Darsteller um Christopher Walken (Bulletproof Gangster) und Bruce Dern (The Hole) bekommen noch weniger die Gelegenheit, hier etwas zu zeigen, jedoch füllen sie die oberflächlichen Rollen ebenfalls durchaus passabel aus.
Letztlich ist Last Man Standing mit Sicherheit der Inbegriff des hohlen Actionkinos. Allerdings täuscht der Film von Altmeister Walter Hill auch gar nicht vor, etwas anderes zu sein. So setzt Hill das Ganze, allem voran seinen Hauptdarsteller Bruce Willis, wunderbar atmosphärisch und herrlich kompromisslos in Szene. Daher ist der Film wenigstens ein Fest für alle Freunde des anspruchslosen Actionfilms - wer allerdings eher Wert auf Tiefgründigkeit legt, wird in jedem Fall besser damit beraten sein, sich nicht diesem Werk zuzuwenden.