Der neue Film von Steven Spielberg ist ein Garant für locker lässige Unterhaltung und beinhaltet neben einem überzeugenden Tom Hanks auch Leonardo DiCaprios beste Leistung seit Jahren.
Frank Abagnale absolvierte nie eine Ausbildung zum Piloten, besuchte nicht eine einzige Vorlesung des Medizinstudiums und hat nie eine juristische Fakultät von innen gesehen. Dennoch flog er als Pilot um die halbe Welt, praktizierte als Arzt auf der Unfallstation eines renommierten Krankenhauses und stand bei Gerichtsverhandlungen als Rechtsanwalt vor Richter und Geschworenen. Zu diesem Zeitpunkt war Frank gerade mal 19 Jahre alt und besaß noch nicht einmal einen High School Abschluss. Um sich seinen immer luxuriöser gestaltenden Lebensstandard leisten zu können, fälschte Frank Abagnale zudem zahlreiche Schecks, entwickelte sich im Laufe der Jahre sogar zu einer wahren Koryphäe auf diesem Gebiet und ergaunerte sich in seiner Laufbahn als Trickbetrüger mehrere Millionen Dollar. So verrückt das alles auch klingen mag, diese Geschichte entspringt nicht den wilden Fantasien eines übereifrigen Drehbuchautors, sondern hat sich tatsächlich so zugetragen.
Basierend auf Frank Abagnales gleichnamiger Autobiographie, präsentiert uns Erfolgsregisseur Steven Spielberg diese Geschichte nun in seinem neuen Film Catch Me If You Can, für den er neben Leonardo DiCaprio und Tom Hanks auch Christopher Walken verpflichten konnte. Nach seiner Darstellung des Rucksacktouristen Richard in Danny Boyles The Beach wurde es ein wenig ruhig um den spätestens seit Titanic zum Idol avancierten Leonardo DiCaprio, doch nun zeichnet sich langsam aber sicher ein Comeback des mittlerweile 28-jährigen Schauspielers ab, ist er doch diesen Winter gleich in zwei erfolgversprechenden Produktionen zu sehen, zum einen in Martin Scorseses langersehntem Drama Gangs of New York, zum anderen eben in Catch Me If You Can und in diesem liefert DiCaprio eine äußerst bemerkenswerte Vorstellung ab, genauer gesagt die beste Leistung seit seiner überzeugenden Darstellung des behinderten Arnie in Lasse Hallströms What's Eating Gilbert Grape.
Nach der Scheidung seiner Eltern läuft Frank Abagnale von zu Hause fort und ist so bereits als Teenager ganz auf sich allein gestellt. Dank seiner ausgeprägten Kreativität, seiner enormen Spontanität und einer gesunden Portion Dreistigkeit gelingt es ihm in der folgenden Zeit jedoch nicht nur, sich erfolgreich über Wasser zu halten, sondern sich ganze Existenzen aufzubauen und schließlich ein aufregendes und zunächst auch sorgenfreies Leben als Pilot, Anwalt und Arzt zu führen, ohne auch nur einen dieser Berufe jemals erlernt zu haben. DiCaprio spielt die Rolle des Frank mit dermaßen viel Charme, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als Sympathie für diesen Jungen zu empfinden, der doch eigentlich auf der falschen Seite des Gesetzes steht. Wenn Frank sein ihm angeborenes Talent zur überzeugenden Darstellung fiktiver Personen erstmals anwendet und beim Betreten eines Klassenzimmers seiner neuen Schule plötzlich nach vorne schreitet, seinen Namen an die Tafel schreibt, sich als neue Lehrkraft ausgibt und die lärmenden Schüler mit strengem Ton dazu ermahnt, sich hinzusetzen und ihm gefälligst zu sagen, welches Kapitel sie momentan bearbeiten, dann hat das zweifelsohne einen Hauch von Genialität, ist dabei aber nur die erste von vielen ähnlichen Szenen, in denen Frank allein durch sein selbstbewusstes Auftreten die Menschen seines Umfeldes von den irrsinnigsten Dingen überzeugt. Zu welch dreisten Taten der smarte Mistkerl in der Lage ist, demonstriert er mehr als eindrucksvoll an einer Prostituierten (eine in jeder Hinsicht einfach wundervolle Jennifer Garner) von der er sich nicht nur eine ganze Nacht lang verwöhnen, sondern letzen Endes sogar bezahlen lässt. Frank ist jedoch kein alles durchorganisierender abgebrühter Profi, sondern nur ein Mensch, der die sich ihm bietenden Gelegenheiten rasch erkennt und ohne mit der Wimper zu zucken ausnutzt, dabei auch immer wieder mal einem Irrtum aufsitzt und den ein oder anderen Fehler begeht, dies aber Dank seines Einfallsreichtums stets sofort wieder auszubügeln versteht.
Doch auch der beste Scheckbetrüger zieht irgendwann einmal die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter auf sich, so auch Frank Abagnale. Der von Tom Hanks verkörperte FBI-Agent Carl Hanratty betreut den entsprechenden Fall und macht es sich nach einigen frustrierenden Konfrontationen mit Frank schließlich zur Lebensaufgabe, den jungen Ganoven zu schnappen und einzubuchten. Im Laufe der Jahre entwickelt Hanratty jedoch einen enormen Respekt gegenüber den außergewöhnlichen Fähigkeiten des Teenagers und letzten Endes sogar fast so etwas wie Sympathie für den Burschen. Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass auch Frank über all die Jahre hinweg eine Art Bindung zu Hanratty und damit der Person, der er eigentlich am wenigsten vertrauen sollte, aufbaut. Wie bemerkt der FBI-Agent während des ersten von vielen Telefonaten zwischen den beiden ihm gegenüber noch so treffend: "You didn't call to appologize, did you? You have no one else to call!". Damit liegt er auch nicht ganz verkehrt, denn neben seinem Vater (glänzend gespielt von Christopher Walken) ist Hanratty tatsächlich zur wichtigsten Bezugsperson für Frank geworden. Tom Hanks und Leonardo DiCaprio harmonieren in diesem Film sehr gut miteinander und das obwohl sie die meiste Zeit über getrennt von einander agieren.
Nach einer ganzen Reihe von düsteren Filmen wie Der Soldat James Ryan, A.I. Künstliche Intelligenz und Minority Report ist dies seit Jahren der erste Steven Spielberg Film, der sich mit einer weniger ernsten Grundstimmung präsentiert. Fast hat man das Gefühl, als hätte der Regisseur von Kinoabenteuern wie Der Weiße Hai, E.T. - Der Außerirdische und Jäger des verlorenen Schatzes diesen kleinen Ausflug auch bitter nötig gehabt. Das soll die Qualität von Spielbergs letzten Arbeiten keineswegs in Frage stellen (Minority Report gehört zweifellos zu den besten Filmen, die der Mann je gedreht hat), dennoch tut es zur Abwechslung auch mal wieder ganz gut, sich völlig unbedarft auf einen charmanten und witzigen Filmspaß einzulassen, der nichts weiter im Sinn hat, als zweieinhalb Stunden lang bestens zu unterhalten. Wenn Spielberg auf diesem Niveau weitermacht, stehen uns noch eine Menge großartiger Filme ins Haus.