41 Jahre im Geschäft und dabei tatsächlich ein Film pro Jahr. Das macht 41 Drehbücher, von denen 15 für den Oscar nominiert wurden. Ein Rekord. 41 Regiearbeiten, bei etwa der Hälfte auch noch als Schauspieler vor der Kamera. Und eine Bandbreite von Klamauk über Geschichten nah am Leben bis hin zum Drama. Woody Allen ist als Filmemacher unvergleichlich. Und jetzt bringt ihn uns ein Film das erste Mal ungewöhnlich nah.
Woody Allen wird im Dezember 1935 als Allan Stewart Konigsberg in Brooklyn, New York geboren. Er schlägt sich mehr schlecht als recht durch die verhasste Schulzeit und beginnt schon währenddessen, als Gagautor zu arbeiten. Schnell steigt er zum beliebten Komiker auf und darf bald auch sein erstes Drehbuch schreiben. What's New Pussycat wird zwar ein großer finanzieller Erfolg, doch die Enttäuschung darüber, wie mit seinem Buch umgegangen wurde, ist groß und lässt Woody Allen einen Entschluss fassen: Nie wieder würde er ein Drehbuch einem anderen Regisseur überlassen.
Der Rest ist quasi Filmgeschichte und wird von Robert B. Weide (New York für Anfänger) in seinem ersten Dokumentarfilm seit dem vielgelobten Lenny Bruce: Swear to Tell the Truth vor 13 Jahren geradlinig nacherzählt. Dafür verwendet er reichlich Quellenmaterial, von Kinderfotos und alten Aufnahmen mit Woodys Mutter (von ihm selbst gefilmt) über Ausschnitte aus seinen Comedy-Auftritten und wichtigsten Filmen bis hin zu aktuellen Interviews mit unzähligen Schauspielern, darunter Diane Keaton, Penélope Cruz, Martin Landau, John Cusack und Scarlett Johansson. Der Spannungsbogen dieser Lebensgeschichte bietet dabei neben der schlichten chronologischen Abhandlung auch die eine oder andere reale Wendung, doch das Hauptaugenmerk liegt immer auf dem filmischen Schaffen Allens. Dabei hat man den Eindruck, dass dessen etwas ruhigere und schwächere Phase in den Neunzigern auch die Dokumentation mitreißt, hat sie in diesen Minuten doch die eine oder andere Länge.
Was Weides Film aber wirklich besonders macht, ist die selten so gesehene Nähe am ja eher schüchternen und öffentlichkeitsscheuen Woody Allen. Er spricht offen in Interviews, führt die Kamera durch seine alte Wohngegend und gibt Einblicke in seine Arbeitsweise. Während der zwei Jahre Produktionszeit durfte das Team der Dokumentation auch als erstes Drehteam überhaupt an einem Woody-Allen-Set filmen, bei den Dreharbeiten von Ich sehe den Mann deiner Träume.
Man könnte Woody Allen: A Documentary vorwerfen, dass er wenig objektiv ist, weil sämtliche Interviews eher ein Loblied bilden und ein etwas kritischerer Blick hier und da auch nicht schaden würde. Aber Ziel war es nun mal, einen unterhaltsamen Film über einen unfassbar unterhaltsamen Filmemacher zu produzieren. Und das hat geklappt. Woody Allen ist bekanntermaßen ein außergewöhnlicher Mensch, der Witz, Genialität, eine wunderbare Beobachtungsgabe und eine gewisse Schrulligkeit in sich vereint und das alles immer wieder auf die Leinwand zaubert. Wer das genauso sieht, für den ist dieser Dokumentarfilm ohnehin ein Muss. Alle anderen können sich hier einfach ein Bild von einer Filmpersönlichkeit machen, wie es sie kein zweites Mal gibt.