Nach einem grausamen Mord in der friedlichen Vorstadt Glenview stellt Evan eine Bürgerwehr auf. Nicht alle, die sich daran beteiligen, nehmen das Projekt aber gleichermaßen ernst und die örtliche Polizei hat ohnehin nur ein müdes Lächeln für die Truppe übrig. Der Mörder befindet sich indes weiter auf freiem Fuß und keiner ahnt, was sich wirklich hinter der Tat verbirgt. Ein kultiger Genremix hätte The Watch - Nachbarn der 3. Art werden können. Die Verbindung aus Satire, Komödie und Horrorfilm bot viel Potenzial, das leider nur streckenweise voll abgerufen wird. Die zweite Hälfte kommt zwar immer noch mit zottigen Späßen daher, gibt sich aber als Action-Comedy auch deutlich mainstreamiger, was die beißende Kritik im Vorfeld deutlich weichspült.
Den Filmen von Ben Stiller haftet oft eine ganz spezielle Eigenart an. Hinter dem vordergründigen Klamauk verbirgt sich meist etwas anderes. Stiller ist ein Meister der Satire. Nicht immer macht sich der Hollywood-Darsteller und Regisseur dabei jedoch die Mühe, das zu verstecken. Filme wie Zoolander oder Tropic Thunder sind mit Bedacht überzeichnete Mode- respektive Filmbusiness-Satiren, bevölkert mit Figuren, die an Karikaturen erinnern. Stiller kann allerdings auch anders: Hinter dem derben Spaß Cable Guy verbirgt sich wohlkalkulierte bitter-böse Medien- und Gesellschaftskritik.
Auch sein aktueller Film The Watch - Nachbarn der 3. Art, in dem Akiva Schaffer die Regie inne hatte, beginnt Stiller-typisch. Im Zentrum der Geschichte findet sich "der idyllischste Ort der Welt": Glenview Ohio (USA). In dieser aufgeräumten amerikanischen Kleinstadt, in der sich jeder bereits für einen Liberalen hält, wenn er in seinem flüchtigen Bekanntenkreis einen Schwarzen oder Asiaten vorzuweisen hat, ist die Welt noch in Ordnung. Evan (Ben Stiller) ein aufrechter Bürger dieses Städtchens, der sich in der Rekordzeit von zwölf Jahren vom Stellvertreter zum Warenhausmanager hochgearbeitet hat und den örtlichen Lauftreff leitet, würde nirgendwo lieber leben.
Eines Tages wird genau in dem Warenhaus, das Evan leitet, ein furchtbarer Mord begangen. Der Hispano-Wachmann, der dort nachts nach dem Rechten sieht, wird grauenvoll zugerichtet aufgefunden, als hätte ihn ein wildes Tier angefallen. Die Polizei tappt im Dunkeln und der Mörder befindet sich auf freiem Fuß. Kurzerhand entschließt sich Evan, eine Bürgerwehr zu gründen, die nachts durch die Stadt patrouilliert und über die braven Bürger wacht. Der Zulauf ist jedoch bescheiden. Außer ihm finden sich lediglich der stets gut aufgelegte Familienvater Bob (Vince Vaugn), der psychisch leicht instabile Franklin (Jonah Hill) sowie der großgewachsene Schwarze mit 70er-Jahre Afro Jamarcus (Richard Ayoade) ein. Jeder bringt überdies seine ganz eigenen Beweggründe mit: Bob ist gelangweilt und möchte vor allem mit ein paar Buddies locker abhängen, Franklin wollte eigentlich Polizist werden, freut sich nun aber, Mitglied einer "schlagkräftigen Miliz" zu sein und Jamarcus - tja, so recht klar wird das nicht.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten rauft sich die bunte Truppe zusammen. Und schon bald können sie einen Erfolg vorweisen. Heldenhaft legen sie einem jugendlichen Eierwerfer das Handwerk. Der Mörder des Wachmanns streift indes immer noch umher und die vier selbsternannten Vorstadt-Sheriffs ahnen noch nicht, mit was sie es zu tun bekommen werden. Gekonnt beginnt The Watch - Nachbarn der 3. Art als Mischung aus Kleinstadt- und Spießbürgersatire, die zudem trefflich das amerikanisches Sicherheitsgebaren aufs Korn nimmt. Mit den einhergehenden Horror- und Suspense-Elementen, die klar Hommage an den klassischen Gruselfilm sind, hintergründigem Witz und überraschenden Wendungen wird die erste Hälfte des Films zu einem wahren Genuss.
Deutlich gibt es aber leider einen spürbaren Knick zur Mitte hin. Mit den Geschehnissen um die Enttarnung des Killers gewinnt der Film zwar an Action und Tempo, wird andererseits komödiantisch jedoch auch deutlich mainstreamiger, um nicht gar platter zu sagen. Der Witz bleibt dennoch derbe und zielt immer noch oft unter die Gürtellinie - für einen amerikanischen Streifen traut sich The Watch - Nachbarn der 3. Art sogar erstaunlich viel - der subversiv-satirische Charakter, der den Film zu Beginn besonders auszeichnete, scheint nun allerdings verflogen. Mehr und mehr wird dann zum Ende hin auf knallige Effekte und reißerische Pointen gesetzt, bis zum Show-Down, der letztlich zum martialischen Feuerwerk gerät.
Ein wenig trübt dies das cineastische Vergnügen ein, vermag den Spaß im Ganzen aber dennoch nicht zu zerstören. Dazu sammelt The Watch - Nachbarn der 3. Art über die gesamte Spielzeit zu viele Pluspunkte. Und in manchen Augenblicken dringt eben doch eine beißende Gesellschaftskritik durch, die man dem Hollywoodkino eigentlich kaum zutraut. Szenen, die an den äußerst fragwürdigen Umgang amerikanischer Soldaten mit Gefangen oder Getöteten in Guantanamo, Afghanistan oder Irak erinnern, sprechen für sich; ebenso Filmzitate wie: Ich habe zwar noch keine schwarzen Freunde, aber ich arbeite daran. Stellt sich letztlich die Frage, was beim Konsum des Filmes hängen bleibt: knalliger Klamauk oder selbstkritische Satire?