Mit aufwändig inszenierten Flashmobs versucht eine Gruppe junger Tänzer namens "The Mob", in Miami öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und einen Videoklickzahlen-Wettbewerb im Internet zu gewinnen. Dann jedoch droht ihr Viertel von einem Investor dem Erdboden gleich gemacht zu werden und der Mob rüstet sich zum Protest. Der vierte Teil der weltweit erfolgreichen Tanzfilmserie bietet Altbewährtes: Er klotzt mit spektakulären Choreographien und Performances, kleckert aber mit einer naiven Story.
Der Stechschritt geht weiter. Dreimal bereits sind seit 2006 unter dem Titel Step Up Tanzfilme in die Kinos gekommen, und die grobe Handlung ähnelte sich wie die Einspielergebnisse jedes Mal. Im Mittelpunkt: Zwei junge Menschen, ein Mädchen und ein Junge, auf den ersten Blick alles andere als füreinander geschaffen, die - ganz im Stile des ewigen Vorbilds Romeo und Julia - Hindernisse in ihrem Umfeld überwinden müssen, um zueinander zu finden und beieinander zu bleiben, freilich mit einem anderen Ende als bei Shakespeares tragischem Klassiker.
Zu diesem simplen Rezept vom Reißbrett tänzeln sich in Step Up: Miami Heat die Tochter eines Hoteliers mit Expansionsambitionen und einer seiner kubanisch-stämmigen Mitarbeiter aus einfachsten Verhältnissen in das Herz des jeweils anderen. Gegen den Willen ihres Vaters will Emily (Kathryn McCormick, die sich in den USA einen Namen durch die Fernsehshow "So you think you can dance" gemacht hat) professionelle Tänzerin werden. Als sie Sean (Ryan Guzman) kennenlernt, schleust der sie in seine Performance-Gruppe "The Mob" ein, die es mit spektakulären Flashmobs in die Nachrichten geschafft hat. Dann allerdings wird das junge Glück bedroht, weil Emilys Vater (gespielt von Serienstar Peter Gallagher, Burlesque, der im Ensemble als einer der wenigen ernstzunehmenden Schauspieler fast ein wenig verloren scheint) das Viertel abreißen lassen will, das für Sean und seine Freunde Heimat und Lebensmittelpunkt bedeutet.
Es bedarf nicht viel Fantasie sich auszumalen, wie alles enden wird. Die Botschaft, dass der Tanz alle Grenzen überwindet und alle Mauern einreißt, ist naiv und wird letztlich bis ins Lächerliche ausgereizt. Von Sozialkritik lässt sich da nicht sprechen. Doch die Story ist auch im vierten Teil der Serie nur ein Nebenschauplatz. Hier geht es um Moves. Der Film pickt sich das (auch nicht mehr allzu junge) Zeitgeist-Phänomen der Flashmobs heraus und strickt Performances, die es in sich haben. Reißen die ersten Minuten dabei noch kaum mit, wendet sich spätestens durch einen Auftritt in einem Museum das Blatt.
Inszeniert wurde der vierte Teil der Serie von Scott Speer, der bislang hauptsächlich als Regisseur von Musikvideoclips tätig war. In puncto Soundtrack vertrauten die Produzenten bewährten Kräften. Die Leadsingle etwa stammt von Timbaland featuring Ne-Yo. Wie sein Vorgänger Step Up 3D wurde der Film in 3D gedreht, was für den zusätzlichen Kick sorgen soll. Anders jedoch als in Wim Wenders' Pina prallen die Tanzsequenzen in Step Up: Miami Heat teilweise zu heftig auf den Zuschauer ein, der Film ist überfrachtet, der Zuschauer überfordert. Dennoch ist 3D alles in allem ein kleiner Mehrgewinn.
Spezielles Miami-Flair kommt in den rund eineinhalb Stunden derweil kaum auf, Bezug zum Basketballteam wird nicht genommen - im Original heißt der Film auch nicht "Miami Heat", sondern schlicht "Revolution". Das bisschen Strand, das bisschen Sonne, das bisschen kitschige Urlaubsatmosphäre könnte auch an vielen anderen Orten gedreht worden sein. Knackige Tänzer, Bikinimädchen und Waschbrettbäuche gibt es trotzdem zuhauf. Fans der Franchise dürfen sich außerdem auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen, zum Beispiel auf Stephen "tWitch" Boss, Mari Koda, Madd Chad Smith und Adam G. Savani.