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Chernobyl Diaries

(Chernobyl Diaries, 2012)

Dt.Start: 21. Juni 2012 Premiere: 24. Mai 2012 (Russland)
FSK: ab 16 Genre: Horror, Thriller
Länge: 88 min Land: USA
Darsteller: Ingrid Bolso Berdal (Zoe), Dimitri Diatchenko (Uri), Olivia Dudley (Natalie), Devin Kelley (Amanda), Jesse McCartney (Chris), Nathan Phillips (Michael), Jonathan Sadowski (Paul)
Regie: Bradley Parker
Drehbuch: Shane Van Dyke, Oren Peli, Carey Van Dyke


Inhalt

Sechs junge Urlauber wollen eine Reise der besonderen Art erleben und folgen ihrem Reiseleiter in einen Ort, in dem einst die Arbeiter des Atomreaktors von Tschernobyl wohnten. Völlig verlassen und verwahrlost sieht die Siedlung nach der Katastrophe vor über 25 Jahren aus. Doch der erste Eindruckt trügt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Chernobyl Diaries hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 61%
Kurzkritik
von Markus Müller
Wertung von 50 für Chernobyl Diaries

Einerseits weiß Chernobyl Diaries über die komplette Spielzeit gut zu unterhalten, ist unheimlich und transportiert perfekt eine extrem bedrückende Atmosphäre.
Andererseits hätte man aus den vielversprechenden Ansätzen mehr herausholen und sich vor allem ein besseres Ende einfallen lassen müssen. Je mehr man über diesen Horrorstreifen nachdenkt, desto mehr wird einem bewusst, welche großartigen Ideen einen Platz im Film finden und ihn zu einem echten Überraschungserfolg hätten machen können. So trauert man nach den nur knapp 85 Minuten seinem Eintrittsgeld schon ein wenig nach, auch wenn während des Sehens die Erwartungen größtenteils erfüllt werden und man ihm auch zu Gute halten muss, dass er mit einem winzigen Budget realisiert wurde.
Am Ende bleibt natürlich auch die Frage, ob man die Katastrophe von Tschernobyl für einen im Grunde platten Horrorfilm ausschlachten darf und dabei äußerst geschmack- und respektlos mit der Katastrophe und ihren Opfern umgeht. Abgesehen davon funktioniert die Story schon im Grundsatz nicht: Jedes Jahr gibt es tausende von Touristen, die sich Prypjat ansehen.

Kritik

von Albert Imroth
Chernobyl Diaries hat eine Wertung von 71%
In letzter Zeit tauchen wieder vermehrt Filme im Kino auf, die - teils durchaus verschieden - mit der Kamera als Teil der Handlung arbeiten. Chronicle wechselte dabei fleißig die Blickwinkel, die Paranormal Activity-Reihe hält sich wacker mit dem Konzept der Überwachungskamera und Project X trieb es mit unzähligen filmenden Party-Statisten auf die Spitze. Dieser Horrorfilm schafft es jetzt, dem Ganzen noch etwas Neues abzugewinnen.

Bild aus Chernobyl Diaries Während ihrer Tour durch Europa besuchen die Freunde Chris, Natalie und Amanda in Kiew Chris' Bruder Paul. Der möchte ihnen ein ganz besonderes Urlaubserlebnis gönnen und bucht eine Extremtour in die Stadt Pripyat, die nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 völlig verlassen ist. Zusammen mit dem Backpacker-Pärchen Michael und Zoe und dem Reiseleiter Uri fahren sie an den Wachsoldaten vorbei heimlich in die verstrahlte Geisterstadt. Doch als nach ein paar Stunden Expedition das Auto nicht mehr anspringt, sitzen sie in der Stadt fest. Und merken bald, dass sie nicht allein sind.

Kurz gesagt ist Chernobyl Diaries ein wirklich clever produzierter Film. Statt eines klassischen Gruselhauses hat man in der Kulisse der realen Geisterstadt mit realer schrecklicher Vergangenheit schon mal ein Setting, das für sich selber spricht und wirkt. Dass natürlich nicht im echten Pripyat, sondern in einer serbischen Traktorenfabrik und einer verlassenen ungarischen Luftwaffenbasis gedreht wurde, schmälert die Wirkung keineswegs. Dazu kommt, dass der genutzte dokumentarische Stil hervorragend zum Geschehen passt. Dabei ist die Kamera aber nicht in der Hand eines der Protagonisten, sondern macht den Zuschauer zu einem. Es gibt keine einleitende Meldung, dass die folgenden Bilder aus irgendwelchen Archiven geholt wurden und "höchst vertraulich" im Kino gezeigt werden, sondern die Kamera wird wie bei einer Reportage als ständiger Beobachter des Geschehens eingebracht, was dem Ganzen einen wirklich mitreißenden Realismus gibt.

Die Darsteller, alle nicht ganz unerfahren im Filmgeschäft (Nathan Phillips war zum Beispiel in Snakes on a Plane zu sehen und Olivia Taylor Dudley aktuell in Der Diktator) sollten ihre Zeilen zum Großteil improvisieren, was den Dokumentareffekt noch mehr verstärkt. Auch große Schockmomente wurden den Schauspielern vor dem Dreh nicht verraten, sodass ihre Angst- und Schreckreaktionen oft echt sind. Vor allem aber der mimisch erfahrene Dimitri Diatchenko (Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels, Get Smart) gibt als Extrem-Reiseleiter eine glänzende Performance ab!

Hat Regiedebütant Brad Parker, bis dato als Visual-Effects-Mann u. a. für Fight Club oder xXx - Triple X unterwegs, soweit alles richtig gemacht, geht dem Film in der zweiten Hälfte leider die Luft aus. Hier verliert er sich dann in viel zu bekannten Entwicklungen, mäht seine sieben kleinen Negerlein lieblos nieder und kann nicht mal mit dem Ende noch groß überraschen. Die Schockeffekte funktionieren zwar meistens und es ist auch angenehm, dass denen der Vortritt gegenüber literweise Kunstblut gegeben wurde, aber spätestens, wenn im Abspann mal wieder Marilyn Manson trällert, weiß man, man hat diese dutzendste Zombie-Kannibalen-Variante schon einmal gesehen. Nichtsdestotrotz macht Chernobyl Diaries über die gesamte Lauflänge Spaß und bietet insgesamt definitiv mehr als die meisten aktuellen Filme des Genres.



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