Achtung, die Franzosen kommen! Nachdem Julie Delpy als Marion in 2 Tage Paris noch gemeinsam mit ihrem amerikanischen Freund einen chaotischen Besuch in der Heimat absolviert hat, verschlägt es die Sippschaft jetzt nach New York. Dort freut sich Marions neuer Lebensgefährte Mingus schon wahnsinnig auf die Begegnung der anderen Art - hatte sich das Familientreffen aber bestimmt ganz anders vorgestellt. Wortreiche Sommerkomödie über Kulturschocks und die wahre Liebe.
Die Dialoge sind schnell, das Stimmengewirr groß - und noch dazu in zwei Sprachen. Da muss man schon gut aufpassen, dass man die kleinen, aber feinen Spitzen mitbekommt, die sich die Familienmitglieder so an den Kopf werfen. Gerade erst sind Marions Vater, ihre Schwester und der ungeliebte Exfreund in New York angekommen, da gehen die Diskussionen und Sticheleien schon los. Im sonst so geregelten Alltag der beiden New Yorker bricht von einer Sekunde auf die nächste das Chaos aus. Oder anders gesagt: der ganz normale französische Wahnsinn.
Vor fünf Jahren war Marion noch mit Jack zusammen, doch schon kurz nach der Geburt des Sohnes trennten sich die beiden. Und wiederum kurz darauf fand Marion ihr neues Glück mit Mingus, zweifach geschieden und ebenfalls Vater einer siebenjährigen Tochter. Alles läuft gut, die beiden sind glücklich. Doch der eloquente Radiomoderator hat bis dahin noch nicht die Bekanntschaft mit Marions Verwandtschaft aus dem fernen Europa gemacht - so wie es sein Vorgänger in 2 Tage Paris erleben durfte. Vielleicht war das damals ein Trennungsgrund?
Jedenfalls beweist Mingus viel Geduld und gute Nerven, wenn der stinkende Vater sich weigert, sich zu waschen, die Schwester nackt durch die Wohnung läuft, der Exfreund sich mal schnell einen Dealer ins Haus kommen lässt oder Marion sich haarsträubende Lügen ausdenkt. Als Zuschauer wird man jede Minute gefordert, den Gesprächen zu folgen und dabei dem lustigen Treiben der Figuren zuzusehen. Genauso wie Mingus wird auch das Publikum einfach überrollt und mitten in die französischen Gepflogenheiten hineingeworfen. Und das ist gut so. Denn Langeweile hat so absolut keine Chance.
Dabei leidet man jede Minute mit Hauptfigur Mingus, zu dem man Marion eigentlich nur beglückwünschen kann. Oder auch Julie Delpy, die mit der Wahl ihres männlichen Pendants genau ins Schwarze getroffen hat (und das bezieht sich nicht auf die Hautfarbe!). Chris Rock stellt eine wahre Überraschung dar. Wenn man den Schauspieler vor allem aus Filmen wie Lethal Weapon 4, Bad Company und durch seine Stand-Up-Auftritte kennt, wird man angenehm überrascht sein, dass er auch ganz ruhig und entspannt sein kann und über ein breites Spektrum an Facetten verfügt. Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Chris Rock der ruhende Pol zwischen all den hektischen Franzosen ist?
Julie Delpy hat es als Marion bestimmt vor allem ihrem engelsgleichen Gesicht zu verdanken, dass ihr Freund nicht direkt beim Anblick der barbarischen Umgangsformen der Sippschaft aus Europa Reißaus nimmt. Mit Hygiene, Tischmanieren und Höflichkeitsformen haben es die Franzosen nicht so. Das wirkt auf den kultivierten New Yorker natürlich wie ein Schock. Für den Zuschauer ist auch die Hintergrundinformation ein wenig befremdlich, dass Albert Delpy auch der leibliche Vater der hübschen Julie ist, was unweigerlich Spekulationen über das echte Familienleben der beiden Künstler herbeiruft. Irgendwo muss die Regisseurin ja ihre Inspiration herhaben.
Julie Deply ist jedenfalls eine wunderbare Fortsetzung gelungen, die ihrer Kreativität Raum zur Entfaltung ließ. Tolle Dialoge, eine schöne Entwicklung der Geschichte, ein großartiges Ensemble und liebevolle Ideen im Schnitt machen 2 Tage New York zum absolut empfehlenswerten Kurztrip in den Big Apple. Den Amerikanern sei aber noch gesagt: Nicht alle Franzosen sind so ...