Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass deine Existenz wie die aller Menschen innerhalb von drei Wochen ausgelöscht sein wird? Die ewige Frage inspirierte Lorene Scafaria (Drehbuchautorin von Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht) zu einer Weltuntergangsgeschichte, die sich erst finden muss. Was anfangs wie eine skurrile und vielversprechende Komödie erscheint, entpuppt sich als Lovestory mit kurzen Ausflügen ins Humoristische. Im Mittelpunkt: Steve Carell und Keira Knightley als ungleiches Paar.
Am Anfang steht die Botschaft vom Ende. Mission Armageddon ist gescheitert. Die Astronauten, die den gigantischen Asteroiden Mathilda von seinem Crashkurs mit der Erde abbringen sollen, haben versagt, ihr Raumschiff ist explodiert. Der brave Versicherungsmakler Dodge (Steve Carell, Wie beim ersten Mal) sitzt neben seiner Frau (gespielt von Nancy Carell, seiner Frau im wahren Leben - ein netter Gimmick) im Auto und während die Musik einsetzt, als könne alles so weitergehen wie bisher, schaut ihn die Liebste entgeistert an - und nimmt für immer Reißaus.
Es ist der krachende Auftakt in ein Gedankenkonstrukt, mit dem sich schon unzählige Kreative in Film, Literatur und Musik auseinandergesetzt haben: Wie verhalten sich die Menschen, wenn ihnen bewusst wird, dass das Ende der Welt unwiderruflich bevor steht? Doch im Falle von Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt trügt der Schein, trügt der Einstieg in die Handlung. Zwar sieht sich Dodge in den Folgeminuten mit einigen Absurditäten sowie dem durchaus charmant komischen Bröckeln sämtlicher Konventionen konfrontiert - die Arbeitskollegen erscheinen nicht mehr, die Kunden erkundigen sich, ob der Weltuntergang von ihrer Versicherung gedeckt ist, seine Freunde (unter anderem der aus der TV-Serie King of Queens bekannte Patton Oswalt) entledigen sich im Angesicht des Untergangs sämtlicher Hemmungen und nur die Putzfrau putzt unbeeindruckt weiter. Dann aber lernt Dodge seine Nachbarin Penny (Keira Knightley, London Boulevard) kennen und Scafarias Film schlägt eine andere Richtung ein.
Diese Wendung irritiert, wirkt es doch so, als habe sich die 1978 geborene US-Amerikanerin bei ihrem Regiedebüt nicht für ein Genre entscheiden können. Sie habe "eine kleine Obsession mit dem Thema 'Das Ende naht' - und eine große Obsession mit dem Thema Liebe" hat Scafaria gesagt. Das merkt man ihrem Werk an. Verschiedene Drehbuch-Fassungen entstanden und wurden verworfen, nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters nahm sich die Autorin ein halbes Jahr Auszeit von ihrem Projekt. Dieser Entwicklungsprozess ist nicht spurlos an ihr und dem Film vorbeigegangen.
Trotzdem kann man sich, einmal abgefunden mit dem Genresprung, mit der weiteren Handlung anfreunden. Nachdem sich schwere Unruhen im Umkreis ihres Wohnkomplexes ausbreiten - eine Reminiszenz der Regisseurin an Children of Men - flüchtet das ungleiche Paar Dodge und Penny in ländliche Gefilde. Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt wird zum Roadmovie mit zwei gegensätzlichen Protagonisten: der extrovertierten Endzwanzigerin, die von Keira Knightley zuweilen etwas hysterisch dargestellt wird, und dem Mann, der ihr Vater sein könnte.
Für Steve Carell ist es eine Paraderolle. Als "typischer Jedermann" bezeichnen ihn Produzenten und Regisseurin, damit wie geschaffen für den Dodge. Der US-Comedian verleiht seinem Charakter tatsächlich eine stoische Ruhe, die angesichts der Umstände schon wieder skurril ist. Dass Penny und er bei Tage betrachtet eigentlich so gar nicht zueinander passen wollen, passt da ins Bild. Aber wer weiß schon, wie er (re)agieren würde, wenn es noch drei Wochen bis zum Weltuntergang sind?