Originalität ist in Hollywood zum verpönten Fremdwort verkommen, weshalb ein Film, der bekannten Genremustern folgt, das Motto Der Weg ist das Ziel beherzigt. Und der Weg von Antonio Negrets Thriller ist ein wenig spannender - zu vorhersehbar ist das Fehlverhalten der Figuren, mit denen aus Antipathie nicht mitgefiebert werden will. Weshalb Negrets Film nicht einmal Genrefans sonderlich viel zu bieten vermag.
Früher hieß es, dass ein Film, der DTV (Direct-to-Video) erscheint, kurzum keinen Verleih gefunden hat, der ihm ausreichend Erfolg im Kino zutraute. Und meist ging damit ein allgemeingültiges Qualitätsurteil einher. Inzwischen ist dem nicht mehr zwingend so, weshalb einige "Perlen" wie Richard Kellys Southland Tales oder Charlie Kaufmans Synecdoche, New York auch an einem vorbeigehen können. Der DTV-Markt bietet also eine Art cineastisches Überraschungsei. In jedem siebten Fall sieht man etwas wirklich Lohnenswertes für die Sammlung. Allerdings gehört Transit nicht dazu.
Hier treffen wir auf eine Sammlung TV-Darsteller wie James Frain (True Blood), Harold Perrineau (Lost) oder Elisabeth Röhm (Heroes), die sich wie Planeten um eine Sonne scharen. Die wird von Jim Caviezel dargestellt, einst der Heiland persönlich in Mel Gibsons Passionsporno, inzwischen jedoch im DTV-Markt beheimatet. Er gibt einen Ex-Knacki, der versucht, mit seiner Familie zu reconnecten und dabei von einer Gruppe Krimineller bedroht wird. Und weil Caviezel im Gefängnis war, also womöglich ziemlich tough ist, haben die Kriminellen vielleicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Ja und Nein.
Denn der Ex-Knacki-Status spielt für die Geschichte keine wirkliche Rolle, saß Caviezel doch "nur" wegen Maklerbetrugs rund anderthalb Jahre ein. Letztlich führt seine eigene kriminelle Vergangenheit also nirgends hin, außer dass Frau und Sohn bisweilen pissig reagieren. Das lässt sich auch über Perrineaus hitzigen Losada sagen, der für seine Bande ein Boot in Mexiko abgecheckt hat, dass sie und ihre aus einem Geldtransporter gestohlenen Millionen in Sicherheit bringen soll. Und weil Losada wenig denkt und mehr agiert, braucht es einen entsprechenden Gegenpol, der hier von James Frain kühl-kalkuliert dargestellt wird.
Konfliktpotential ist somit auch hier vorhanden, und weil die Figuren alle aus dem Klischee-Baukasten zusammengesucht wurden, ist der Film entsprechend vorhersehbar. Spannung will sich aber auch deswegen nicht einstellen, weil die Handlungen der Figuren wenig nachvollziehbar erscheinen. Da wird dann mal nachts ein Hotelzimmer gestürmt, um in wenig subtiler Weise jenes Geld wieder zu erlangen, das man Caviezels Familie heimlich untergejubelt hat, um es durch eine Polizeikontrolle zu schleusen. Klar, hätte man es sich so subtil wiedergeholt, wie es versteckt wurde, wäre Transit an diesem Punkt zu Ende.
Stattdessen muss man den Rest des Films noch ertragen, der komischerweise ab 18 Jahren freigegeben wurde, ohne entsprechend gewaltreich zu sein. Man leidet dabei weniger mit den Figuren als mit den eigenen Nerven, da die Charaktere durch die Bank uninteressant und unsympathisch ausfallen. Dass sie einen Fehler nach dem anderen begehen, tut sein Übriges. Transit haben wir so schon zig Mal gesehen und dabei mehrfach weitaus besser, innovativer und spannender. Etwas Positives nimmt man aber doch mit: Jim Caviezel ist inzwischen ein guter Indikator für DTV-Filme, die keine Überraschung parat halten.