In intimer Runde verkündet Vincent, dass seine Frau schwanger ist und ihm einen Sohn schenken wird. Der stolze Bald-Vater hat für seinen Stammhalter auch schon den passenden Namen. Dass er damit für Entrüstung unter Freunden und Verwandten sorgt, schert ihn wenig. Er hält an seinem Entschluss fest und verteidigt diesen vehement gegen jegliche Argumente von außen. Der Vorname feierte als Theaterstück große Erfolge. Seinen leicht statischen Bühnencharakter behielt das Werk bei der Kinoadaption aber leider bei, was sich trotz seines Streckenweise großen komödiantischen Potenzials bemerkbar macht. Schlimmer noch ist allerdings der Mangel an Handlung, sodass dem Film gegen Ende deutlich die Puste ausgeht.
Namen sind Schall und Rauch, wird häufig leichtfertig behauptet. Wenn man im Begriff ist, das erste Mal Vater zu werden, möchte man dem künftigen Erdenbürger aber mit einem wohlklingenden Vornamen einen möglichst optimalen Start ins Leben ermöglichen und künftige Sozialisationsschwierigkeiten vermeiden. Dementsprechend scheiden geradezu selbstverständlich einige allzu altertümlich klingende Namensungetüme sowie jene Namen aus, die durch die Geschichte geradezu "unaussprechlich" geworden sind.
Wann immer Elisabeth (Valérie Benguigui) und Pierre (Charles Berling), Vincent (Patrick Bruel), Elisabeths Bruder und dessen junge Frau Anna (Judith el Zein) einladen, wird eine Menge getrunken, gegessen und über "Gott und die Welt" gequatscht. Fast immer mit von der Partie ist auch Claude (Guillaume de Tonquédec), Elisabeths und Vincents Freund aus Kindertagen. Heute gibt es zu allem eine besonders freudige Nachricht zu verkünden: Anna ist schwanger, was bedeutet, dass Vincent bald Papa wird. Die Ultraschallaufnahmen offenbaren, dass es ein Junge werden wird. Das Stammhalterproblem ist somit gelöst, braucht der Filius nur noch einen adäquaten Namen.
Darüber hat sich Vincent auch schon Gedanken gemacht und bereits eine Entscheidung gefällt. Gleich mit der Sprache rausrücken möchte er jedoch nicht. Viel lieber veranstaltet er ein munteres Ratespiel. Als alle Versuche, den Namen zu erraten, scheitern, gesteht Vincent, dass er beabsichtigt, seinen ungeborenen Sohn Adolph zu nennen. Seine Schwester und seine Freunde halten das zuerst für einen (schlechten) Scherz. Vincent ist es aber absolut ernst damit. Trotz zunehmend aufwallender Entrüstung und dem verzweifelten Versuch, ihn davon abzubringen, rückt Vincent keinen Millimeter von seinem Entschluss ab. Er versteht auch gar nicht, was die ganze Aufregung soll: Schließlich verzichtet er doch auf das "F" am Ende zugunsten eines "Ph's". Außerdem: Wenn Adolph aus historischen Gründen tabu ist, so doch auch eine Vielzahl anderer Namen.
Was hierzulande mindestens als verpönt gilt, wenn nicht gar als gesellschaftlich mehr als unangemessen, angesichts der zeitgeschichtlichen Beladung dieses Namens, scheint bei unseren Nachbarn - trotz anderer Schreibeweise und leicht abgewandelter Aussprache - ebenfalls ein absolutes No-Go zu sein. Stellt sich die Frage, ob solch ein Namenszwist und ein gut aufgelegtes Schauspielerensemble, das sich nahezu die gesamte Spielzeit von Der Vorname verbale Duelle liefert, ausreicht, um das Publikum bei Laune zu halten? Dank viel Charme und ordentlich französischem Esprit zumindest einen guten Teil des Weges.
Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliére transferierten das gleichnamige Bühnenstück, das von ihnen geschrieben, fürs Theater inszeniert und dort bereits vom Publikum gefeiert wurde, nun auf die große Leinwand. Der Selbstläufer auf der Bühne erweist sich aber auf der Kinoleinwand als etwas zu statisch und insgesamt auch zu handlungsarm, um komplett überzeugen zu können. Ohne den Vergleich zu suchen, aber beinahe unvermeidbar an Gott des Gemetzels erinnernd, verlieren die anfänglich pointierten Dialoge mit der Zeit immer mehr an Faszination und Fesselkraft. Nach einer guten Stunde beginnen die westentaschenpsychologischen (Selbst)Analysen der Protagonisten dann zusehends die Qualität von neurotischem Geschnatter zu erreichen. So sehr die skurrile Ausgangssituation und süffisanten Wortgefechte anfänglich zum hohen Unterhaltungsfaktor beitrugen, baut nun die Show final deutlich ab und empfiehlt sich in der Schlussabrechnung eher fürs Home-Cinema.