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Michael

(Michael, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

80%



Inhalt

Michael arbeitet in einem Versicherungsunternehmen und lebt zurückgezogen in seinem Haus. Was niemand ahnt: In Michaels Keller lebt ein 10-jähriger Junge, den er dort gefangen hält und sexuell missbraucht. Im Laufe der Jahre hat sich das Verhältnis der beiden eingespielt und eine Art Alltag mit gemeinsamem Essen, Fernsehabenden und seltenen Ausflügen hat Einzug gehalten.

Kritik

von Markus Mller

Wertung Kritik

80%

Michael ist ein Durchschnittsbürger, der in einem Versicherungsunternehmen arbeitet und einen kleinen Jungen in seinem Keller gefangen hält. In nüchternen, erschreckend realistischen Bildern zeigt der Österreicher Markus Schleinzer den Alltag der beiden, ohne dabei voyeuristisch zu werden oder unnötig schockieren und provozieren zu wollen. Michael ist eine vorbildliche Begegnung mit einem Tabuthema, das vom Zuschauer jedoch auch Geduld und die Fähigkeit zu einer distanzierten Betrachtungsweise fordert.

Bild aus Michael Nachdem besonders durch die Fälle von Natascha Kampusch und den Fritzls das Thema Kindesmissbrauch in Verbindung mit Freiheitsentzug große Medienpräsenz erreichte und weltweit auf die Vorgänge in einigen österreichischen Kellern geblickt wurde, ist trotz Aussagen einiger Opfer und medial verarbeiteten Geständnissen der Täter bis heute kaum vorstellbar, was in ihnen vor sich ging. Auch wenn die Fälle sensationslüstern ausgeschlachtet wurden, scheint es, als folgte doch nie eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem ungewöhnlichen Alltag beider Seiten, der sich im Laufe der Jahre etabliert haben muss.

Sich in einem Film mit Pädophilie auseinanderzusetzen, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, denen sich ein Filmemacher stellen kann. Markus Schleinzer, der frühere Casting-Director für einige der ganz Großen des österreichischen Kinos, wie Ulrich Seidl (Hundstage) oder Michael Haneke (Das weiße Band), nimmt sich in seiner ersten eigenen Regiearbeit des heiklen Themas an. Michael, so der minimalistische Titel und gleichzeitig der Name des pädophilen Protagonisten, entzieht sich dabei gekonnt jeder Möglichkeit, ihn sinnvoll in ein Genre kategorisieren zu können.

Realismus hatte bei der Produktion offensichtlich höchste Priorität, und so wirkt Michael fast schon dokumentarisch. Akribisch und unaufdringlich zeichnet Schleinzer ein ruhiges Bild von Normalität und entfaltet gerade dadurch eine erschreckende Wirklichkeitsnähe, die mal für Unbehagen sorgt und streckenweise so alltäglich wirkt, dass man fast schon die Tragik der Gesamtsituation vergisst. Plakative Schockmomente und bewusste Provokationen hat der Film nicht nötig. Der Missbrauch wird stets nur angedeutet, der Rest entsteht im Kopf des Zuschauers. Die bewusst langsame Erzählweise, die sich nur grob an klassischen dramaturgischen Vorgaben orientiert, kommt dabei ohne spektakuläre Wendungen oder Überraschungen aus, die über Alltägliches hinausgehen könnten. Somit wirkt der Film nie konstruiert. In diesem Zuge könnte man ihm eine gewisse Vorhersehbarkeit vorwerfen, denn schon lange vorher ist das Ende erahnbar. Doch da es nicht um Spannung oder das Hinarbeiten auf einen Showdown geht, sondern vielmehr darum, einen "Bericht" mit einem logischen, realistischen Ende zu versehen, ist das auch sinnvoll.

Die Darstellerleistungen können kurz und knapp als überragend bezeichnet werden. Der erst 10-jährige David Rauchenberger verkörpert den jungen Wolfgang (ein etwas unglücklich gewählter Name) absolut überzeugend und nüchtern. Als Michael ist Michael Fuith zu sehen. In vielerlei Hinsicht erweist er sich als Idealbesetzung und zeichnet perfekt das Bild eines unauffälligen Durchschnittsbürgers mit einem erschreckenden Geheimnis. Die eigenartige Harmonie der beiden, die zwischen Sexualität und einer Art "Vater-Sohn-Beziehung" spürbar wird, ist ausgezeichnet herausgearbeitet worden, wobei ständig die Grenzen verschwimmen und selbst die "gutmütigen" Züge Michaels wiederum als reiner Egoismus entlarvt werden.

Man könnte Michael vorwerfen, dass er sich in der Zeichnung des Pädophilen und seiner Umgebung gewisser Klischees bedient und in diesem Zusammenhang eigentlich auch nicht wirklich neue Erkenntnisse zum Thema bietet. Doch reale Fälle haben gezeigt, dass gerade diese Klischees vom pädophilen Täter sehr oft zutreffend sind und letzten Endes steht auch die Frage, welche neuen Erkenntnisse man von dem Thema erwarten könnte. Alles in allem ist Michael also stimmig und absolut empfehlenswert, obgleich er wirklich schwere Kost ist.

Keine weitere Wertung


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Dt. Start: 28. Feb 2013
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