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Die Fortsetzung des deutschen Erfolgfilms Anatomie versprach viel und brach leider unter dem Druck, an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen zu müssen, zusammen.
Nach dem großen Erfolg von Anatomie hing die Messlatte natürlich sehr hoch. Vielleicht zog Stefan Ruzowitzky deshalb anfänglich überhaupt nicht, als es um die Planung eines Sequels ging. Doch die Produzenten wollten den Erfolg natürlich wiederholen und so lies sich der Regisseur und Drehbuchautor letztendlich doch breitschlagen. Ob er auf seine Entscheidung heute noch stolz ist, bleibt zu bezweifeln, denn Anatomie 2 ist - das darf ich hier schon mal vorwegnehmen - alles andere als ein guter Horrorstreifen!
Um einen Film richtig beurteilen zu können, muss man immer erst einmal erkennen, was der Film beim Zuschauer auslösen will. Doch allein das wird einem schon recht schwer gemacht: Zuerst dachte ich, dass es sich um einen Standard-Horrorfilm handle; doch nach einigen total verpatzten "Schockerszenen", die mich nicht mehr erschreckten als eine zerplatzende Seifenblase, musste ich einsehen, dass das wohl nicht das Ziel sein konnte. Dann vielleicht diese unterschwellige Angst, dass solche Ärzte, die sich über ihren hippokratischen Eid hinwegsetzen und sogar illegale Forschung betreiben, wirklich existieren könnten? Nein eher auch nicht, denn obwohl ein kompletter Stab von Ärzten engagiert wurde, um die Authentizität sicher zu stellen, ist der Film (sogar für mich als Medizin-Laie zu erkennen) so fernab jeglicher Realität, dass ich mir öfters die Frage stellen musste, ob die den Schmarrn da wirklich ernst meinen! Was will der Film denn dann erreichen oder besser: Womit will er überzeugen? Ich kenne die Antwort bis heute nicht!
Aber nun mal zur eigentlichen Geschichte, in der unsere junger Medizinstudent Jo (Barnaby Metschurat) für sein Praktikum aus dem Ruhrpott an die Berliner Unfallklinik geht. Dort angekommen, erfährt er nach einiger Zeit von einer geheimnisvollen Gruppe von jungen Ärzten, die sich alle um Professor Müller-LaRousse (Herbert Knaup) scharen und einige Sonderrechte in der Klinik genießen. Auf den Geschmack gekommen, will unser Jo auch zu diesem Exklusivkreis gehören und wird (nach einer absolut peinlichen Sonder-OP) auch prompt, vom Meister persönlich, eingeladen. Auf diesem Treffen wird ihm dann gleich mal brühwarm erzählt, dass es sich hier um die Anti-Hippokratische Loge handeln würde, die ja bekanntermaßen auf illegale Weise forscht. Unseren jungen Jo beeindruckt das alles so sehr, dass er gleichmal mit den Leuten anstößt und alle Bedenken über Bord wirft.
Als Mitglied der Gruppe erfährt er von dem geheimen Forschungsprojekt: Synthetische Muskeln, die die Körpereigenen ersetzen können und zudem auch noch leistungsfähiger sind! Das Ganze findet in Selbstversuchen statt, was aber keinen sonderlich stört (auch nicht, als nach und nach aufkommt, dass es Komplikationen gibt). Jo lässt sich als alter Fußballer gleich mal die Waden erneuern und spielt daraufhin wie ein junger Gott, was ihn nochmals tierisch motiviert. Achja, jetzt habe ich doch glatt den eigentlich wichtigsten Punkt des kompletten Films vergessen: Jos Bruder Willi leidet an einer erblichen Muskelkrankheit, die durch die Versuche der Gruppe doch heilbar scheint. Dieses ehrenvolle Ziel immer vor Augen lässt Jo alles mit sich machen. Leider zeigt Metschurat in keiner Minute, den in Jo herrschenden Druck und Kampf, einerseits den Bruder retten zu können, aber anderseits seine Karriere und sein Leben aufs Spiel zu setzen. Dadurch wirkt die Story so schlecht und unglaubwürdig, dass man beinahe schon den Kinosaal verlassen will.
Ich denke ihr seht schon jetzt, worauf man sich hierbei einlässt, denn der Film kann weder durch eine gute Story, noch durch herausragende Leistungen der Schauspieler, noch durch Effekte, noch durch Spannung überzeugen. Alles plätschert vor sich hin und keinen der Darsteller interessiert es anscheinend, dass man eine Rolle überzeugend spielen sollte und muss, um dem Drehbuch gerecht zu werden (was hier aber sowieso egal ist). Einzig und allein Herbert Knaup ist hier zu erwähnen, der sich in seiner Rolle als charismatischer und erfolgswahnsinniger Professor sichtlich wohl fühlt und über lange Strecken auch sehr gut und überzeugend spielt. Leider scheint das nicht auf seine jungen Kollegen überzuspringen!
Abschließend kann ich dem Film also sicherlich kein positives Zeugnis ausstellen. Einzig und allein der Mut sich eines solchen Themas anzunehmen (welches eigentlich einen guten und interessanten Stoff geliefert hätte) und die schauspielerische Leistung von Herbert Knaup kann den Film vor dem totalen Desaster retten. Daher sei allen Filmfans gesagt, dass dieser Film nur in äußersten Notfällen aushelfen kann und gerade die Anatomie-Fans mehr als beleidigt sein werden mit einer solch desolaten Leistung des Sequels. Hoffen wir alle, dass die Androhung eines dritten Teils, die von einem der Produzenten auf der Weltpremiere von Anatomie 2 ausgesprochen wurde, nicht wahr wird, damit der deutsche Horrorfilm nicht noch mehr, durch solche Geldmacher-Sequels, in Verruf gerät. |