Es ist bei all den gravierenden Mängeln in der Inszenierung wohl nur wenig verwunderlich, dass Der Weiße Hai 3-D die einzige Regiearbeit von Joe Alves geblieben ist. Dennoch kann man ihm nicht alleine die Schuld in die Schuhe schieben, dass sein Film an allen Ecken und Enden krankt. Denn das Drehbuch, welches weitgehend auf eine Mischung aus Logikfehlern und Spannungsarmut setzt, und die wenig motivierte Besetzung versagen hier ebenso.
Joe Alves macht vor allem als Produktionsdesigner bei Filmen wie Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der 3. Art oder John Carpenters Thriller Die Klapperschlange von sich reden. Für die nunmehr zweite Fortsetzung von Spielbergs 1975 erschienenem Tierhorrorklassiker Der Weiße Hai nahm Alves nun erstmals auf dem Regiestuhl Platz. Nachdem sich Jeannot Szwarc im ersten Sequel Der Weiße Hai 2 noch darauf besann, Spielbergs Film mit der gleichen Besetzung mehr oder weniger 1:1 nachzuspielen, geht das Setting, das sich das Autorentrio Carl Gottlieb, Michael Kane und Richard Matheson für diese Fortsetzung einfallen ließ, einen deutlich anderen Weg.
Zum anderen wurde seitens der Macher auf den damals schon einmal kurzzeitig zum Trend gewordenen 3D-Hype aufgesprungen, weshalb hier nicht, wie in Spielbergs erstem Teil, die Entwicklung der Figuren und der Spannungsaufbau im Mittelpunkt stand, sondern ganz klar auf Schauwerte abgezielt wurde. Dies allein wäre zwar schon schade um die Filmreihe gewesen, die einige Jahre zuvor bewundernswert ambitioniert begonnen hatte. Doch Alves' Film ist nicht nur einer von unzähligen Filmen, die auf reine Effekte, anstatt auf eine spannende und logische Erzählung setzen. Er ist auch einer dieser unzähligen Filme, die dazu noch schlecht gemacht sind.
Das Budget scheint der hauptberufliche Setdesigner wohl nahezu komplett für das aufwendige Set verwendet zu haben. Welches dann auch durchaus zu gefallen weiß, weshalb man anfangs, trotz einer recht holprigen Inszenierung noch gewillt ist, dem Film eine Chance zu geben. Doch bald nutzt sich die aufwendig gestaltete Szenerie erwartungsgemäß ab, und die Mängel werden offensichtlich. Die Effekte wirken durch die Bank weg überraschend billig. Die Wasserleichen sind ohne Mühe als schlecht bemalte Holzfiguren zu erkennen und besonders die Hai-Attrappe scheint das Opfer der budgetbedingten Sparmaßnahmen gewesen zu sein. Zwar sah der Hai in den ersten beiden Filmen schon nicht unbedingt super-realistisch aus, aber immerhin hatte man dort einen beweglichen zweckdienlichen Hai, der durch die gruslige Grundstimmung der Inszenierung seines plötzlichen Auftretens durchaus zu gefallen wusste. Doch Alves bietet hier lediglich eine maue Puppe, die streckenweise völlig bewegungslos im Wasser vor sich hin treibt.
Die Handlung tut es der Attrappe gleich und treibt ebenfalls recht seicht vor sich hin. Der Weiße Hai 3-D braucht sehr lange, bis die erwarteten Haiangriffe beginnen. Wäre diese Zeit wenigstens mit einer interessanten (oder immerhin unterhaltsamen) Handlung gefüllt, wäre dies kein Grund, etwas zu bemängeln, gibt es doch vom bereits erwähnten Spielberg-Klassiker bis zu Lewis Teagues Der Horror-Alligator unzählige Beispiele, dass dies wunderbar gut funktionieren kann. Doch hier bleibt leider alles auf belanglosem Seifenopernniveau. Dies ist umso schwerwiegender, weil so die Unmenge an Logikfehlern erst richtig zum Tragen kommt, die einen immer wieder dazu bringt, beim mehr als idiotischen Agieren der Figuren zu rufen: "Herr lass Hirn regnen". Doch auch die erwarteten Haiangriffe entschädigen nicht für die Geduld, denn auch sie verlaufen stets komplett vorhersehbar und emotionslos.
Ebenso emotionslos kann man das Spiel der Darsteller bezeichnen. Dies überrascht umso mehr, wenn man bedenkt, dass man hier unter anderem mit Dennis Quaid (Soul Surfer) und Lea Thompson (J. Edgar) Schauspieler unter Vertrag genommen hat, die später mehrfach ihr Talent unter Beweis gestellt haben. Doch hier gelingt es ihnen und der restlichen Besetzung leider in keinem Moment, die Schablonenhaftigkeit ihrer hohlen eindimensionalen Charaktere zu überspielen.
Letztlich fehlt es bei Der Weiße Hai 3-D an nahezu allem. Die Inszenierung ist hölzern und teilweise recht holprig. Der Handlung liegt zwar eine interessante Idee zugrunde, diese wurde allerdings zugunsten schwacher Effekte komplett verschenkt. Einzig die aufwendige Set-Gestaltung und gelungene Musik heben den Film noch von anderen Trittbrettfahrern des Spielberg-Klassikers ab und retten das Werk gerade noch über die 15%-Marke.