Söldner Willem Dafoe macht sich in den tasmanischen Wäldern auf die Suche nach dem letzten überlebenden Beuteltiger und findet stattdessen seine Menschlichkeit. Verlorenen geht in Daniel Nettheims prinzipiell schön gefilmtem Abenteuerdrama The Hunter lediglich ein gewisses Verständnis für die Handlung.
"Die Erde ist uns nur geliehen - aber von zurückgeben hat keiner was gesagt", hieß es in Otto - Der Außerfriesische. Den göttlichen Auftrag, sich die Erde Untertan zu machen, nahmen Adam, Eva und Co. dann sprichwörtlich. Für Natur und Tier kennt der Homo sapiens keine Gnade, nicht mal für seine eigene Spezies. Und so verwundert es nicht, dass es eine ellenlange Liste voller Tierarten gibt, die ausgestorben sind. Ausgerottet, oft mit schönem Dank an die Menschheit. Und so fehlen Auerochsen, Quaggas und Falklandfüchse. Auch tasmanische Beuteltiger sind seit 1936 ausgestorben - oder vielleicht doch nicht?
Diese Frage soll in The Hunter Willem Dafoe klären, der sich für eine Bio-Tech-Firma auf nach Tasmanien macht, wo es zwei Sichtungen des Tasmanischen Tigers gegeben haben soll. Die Mission ist einfach: Dafoes Jäger Martin David soll Blutproben mitbringen. Irgendwas eben, um den Tiger genetisch nachzüchten zu können. Untergebracht wird David bei der dreiköpfigen Tree-hugger-Familie Armstrong, deren Mutter von Pillen zugedröhnt den ganzen Tag schläft, seit ihr Mann vor einem Jahr in den tasmanischen Wäldern verschwand.
Da für die Einheimischen das Fällen von Bäumen die einzige Arbeitsmöglichkeit darstellt, werden die ausländischen Umweltschützer argwöhnisch beäugt. Und dementsprechend auch David, der bald den vakanten Posten des Patriarchen bei den Armstrongs füllt. Wenn er nicht gerade deren Badewanne putzt oder Generatoren auf Vordermann bringt, schleicht er durch die wunderschöne Naturlandschaft Tasmaniens auf der Suche nach dem vermeintlich letzten überlebenden Beuteltiger. Dabei sucht David weniger das Tier, als seine eigene Identität.
Die Inhaltsangabe führt ihn als "Industrie-Söldner", was auch immer das sein soll. Auf jeden Fall ist David eine scheinbar einsame und verlorene Seele, die zuerst durch die chaotischen Armstrongs verschreckt wird, später jedoch durch ihre Wärme aufzublühen beginnt. So teilt sich The Hunter im Grunde in zwei Handlungsstränge auf: der eine in den Wäldern auf der Suche nach dem Tiger und Spuren des verschwundenen Armstrong-Vaters, der andere wiederum inmitten dessen hinterbliebener Familie, zu deren Teil David mehr und mehr wird.
Vollends überzeugen kann keine der beiden Handlungen. Während die Waldaufnahmen mit elegischer Schönheit gefallen und Dafoes Figur nach etwas suchen lassen, das es vielleicht gar nicht (mehr) gibt, gerät Davids Aufnahme in die Familie und seine wie selbstverständlich erscheinende Akzeptanz in der Rolle des Oberhaupts aufgrund ihrer Beliebigkeit reichlich unglaubwürdig - selbst wenn sie analog zum anderen Handlungsstrang gedacht ist. Der finale dritte Akt lässt dann schließlich etwas unvorbereitet kompromisslos alle Dämme brechen.
Dass Nettheim in seinem Film vieles nur andeutet und im Schatten lässt, ist dabei weniger das Problem als die Tatsache, dass das Erzählte ohne entsprechendes Fundament nur leidlich die Intention der Geschichte trägt. So wirkt dann auch das kitschige Ende wenig harmonisch, sodass The Hunter unterm Strich ein durchschnittliches Abenteuerdrama darstellt.