Einen Manhuntfilm der etwas anderen Art schuf Peter Watkins im Jahre 1971 und trat dabei eine Kontroverse los, die zum Kinostart für ein aufgebrachtes Publikum sorgen sollte. In realistisch anmutenden Dokumentationsbildern zeichnete er eine politisch düstere Zukunftsutopie, in der Regime- und Kriegsgegner nicht nur auf grausame Art und Weise hingerichtet werden, sondern sich zuvor noch einem scheinbar aussichtslosen Überlebenskampf stellen müssen.
Der mit dokumentarischen Stilmitteln inszenierte Strafpark von Peter Watkins erschien 1971 und wurde bei seiner Veröffentlichung kontrovers diskutiert. Seine politische Sci-Fi-Utopie zählt auch heute noch zu den großen Vertretern des politischen Films und wurde hierzulande nur in seiner Originalsprache veröffentlicht. Mit Aufnahme in die Kino Kontrovers Reihe und der DVD-/Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland bekommt Watkins' Mockumentary nun auch eine deutsche Synchronisation spendiert; wir raten jedoch weiterhin zur Sichtung der englischsprachigen Originalversion.
Strafpark spielt Anfang der 70er Jahre in Zeiten des Vietnamkonflikts, der Hippies und studentischen Unruhen. Inmitten dieser Zeit verhängt der Präsident den Ausnahmezustand und erlaubt in einem Notstandsgesetz, jegliche Kriegsgegner festzunehmen. Um ihrer Strafe zu entgehen, bleibt den Verurteilten eine weitere Option: der titelgebende Strafpark. Dabei handelt es sich um ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel. Drei Tage haben die Verurteilten Zeit, in einer Wüstenregion ohne jegliches Wasser und Nahrung eine 50 Meilen entfernte amerikanische Flagge zu erreichen. Dabei werden sie, scheinbar zu Übungszwecken, auf grausame Art und Weise von einzelnen Soldaten gejagt, die dafür sorgen, dass keine der verurteilten Personen bis zur amerikanischen Flagge vordringen kann.
Die Idee zu Strafpark kam Watkins durch den McCarran Internal Security Act, der 1950 auf Initiative des Senators Pat McCarren gegen das Veto von Präsident Truman erlassen wurde. Dieser beschäftigte sich mit der Bekämpfung des Kommunismus auf amerikanischem Boden und gestattete die Festnahme aller Personen, bei denen ein berechtigter Grund zur Annahme bestehe, dass diese im Rahmen einer Verschwörung Sabotageakte durchführen würden. Trotz Trumans Interventionen, dass das Gesetz eine Gefahr für Rede- Versammlungs- und Pressefreiheit darstellen würde, wurde das Gesetz genehmigt. Zwar wurden die zur Durchführung errichteten Verwahrungslager nie genutzt, dennoch diente dieses Gesetz als Vorlage für Watkins' düstere Zukunftsvision.
Watkins inszenierte diese dabei im Stile einer echten Doku. Sind Mockumentaries inzwischen in Mode geraten, war diese Inszenierungsmethode für die damalige Zeit fast schon ein Novum, sodass sich Unwissende vor allen Dingen zu Beginn in einer echten Dokumentation wähnten. Dies ist vor allen Dingen der detailverliebten Inszenierung zu verdanken, wie auch der Tatsache, dass die Darsteller nahezu komplett aus Laien- oder Nachwuchsdarstellern bestanden. Dabei kennt Watkins keinerlei Kompromisse, legt seine Zukunftsvision düster und ausweglos aus und trifft den Zuschauer unvorbereitet und gnadenlos.
Auch im Bezug auf die vielen fiktiven Manhuntfilme a la Die Tribute von Panem, Battle Royale oder Running Man ist es interessant, ein solches Szenario auch einmal aus einer politisch dokumentarischen Sicht zu erleben. Obwohl Strafpark heute als wichtiges politisches Kino der 70er Jahre angesehen wird, stieß der Film bei seiner Eröffnung auf Ablehnung, wurde dem Regisseur ein zu düsteres und utopisches Zukunftsbild vorgeworfen. Dank der deutschen DVD-/Blu-ray-Veröffentlichung kann nun auch das deutsche Publikum auf diesen hervorragenden und ungewöhnlichen Film zugreifen.