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Offset

(Offset, 2006)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 19. Juli 2012
Premiere: 01. Juni 2006 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 110 min Land: Frankreich, Rumänien, Deutschland, Schweiz
Darsteller: Alexandra Maria Lara (Brindusa Herghelegiu), Felix Klare (Stefan Fischer), Razvan Vasilescu (Nicu Iorga), Manfred Zapatka (Herr Fischer), Katharina Thalbach (Frau Fischer), Bruno Cathomas (Peter Gross), Ioana Abur (Christina), Valentin Platareanu (Herr Herghelegiu), Anna Stieblich (Iris)
Regie: Didi Danquart
Drehbuch: Didi Danquart, Cristi Puiu


Inhalt

Druck-Ingenieur Stefan hat seinen Auslandsjob in Bukarest erfolgreich gemeistert. Die neue Druckstraße in der Firma "Noirprint" steht und er hat sich in die schöne Assistentin Brindusa verliebt. Die zwei wollen noch in Bukarest heiraten, bevor sie in ihre gemeinsame Zukunft in Deutschland starten. Wäre nur ein Problem: Der Druckerei-Chef Iorga, Brindusas Ex-Geliebter, will die zwei auseinanderbringen. Brindusa ist zerrissen zwischen ihrem neuen deutschen Leben mit Stefan und ihrer rumänischen Vergangenheit mit Iorga.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Offset hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Sarah Sillius
Offset hat eine Wertung von 80%
Nur wenige Bilder im deutsch-rumänischen Film Offset vermitteln ein Gefühl von Wärme. Es sind die Szenen, in denen die Rumänin Brindusa mit ihrem Vater zu sehen ist, in denen sie sich an seine Schulter lehnt. Die berührende Vertrautheit liegt nicht nur darin begründet, dass Alexandra-Maria Lara an der Seite ihres Vaters Valentin Platareanu spielt. Die Nähe der beiden stellt einen Kontrast zu dem kulturellen Konflikt dar, dessen Kälte und Distanz die übrigen Bilder prägt: Brindusa, wie sie der deutschen Familie ihres Verlobten sprachlos gegenübersitzt. Die Schwiegermutter (Katharina Thalbach), wie sie Brindusa herablassend mustert. Die Nichten des Verlobten, wie sie Brindusas Zimmer durchwühlen.

Bild aus Offset Offset ist ein Film mit einem auf den ersten Blick gewöhnlichen Dreiecks-Plot: Ein scheinbar glückliches Paar will heiraten, doch ein Dritter funkt dazwischen. Der eine Partner wird unsicher und nähert sich wieder dem Ex, bis alles auf den großen Showdown hinausläuft. Und wo könnte dieser aus dramaturgischen Gründen besser verortet sein, als auf dem Standesamt?

Ganz so einfältig ist Didi Danquarts Film aber dann doch nicht. Das zentrale Motiv stellt die kulturelle Ambivalenz der Hauptfigur dar. Offset ist ein ungewöhnlicher Culture-Clash vor der Kulisse Bukarests. Danquart spielt darin bewusst mit den Vorurteilen gegenüber Osteuropa. Die Straßen sind düster, die Hausfassaden heruntergekommen, die Geschäftsmänner untreu, zwielichtig, wenn nicht gar kriminell. Differenziert wird das Klischee-Spiel dadurch, dass die Deutschen ebenso schlecht wegkommen. Druck-Ingenieur Stefan (Felix Klare) ist beruflich erfolgreich, gutaussehend und nett. Eben ähnlich glatt und perfekt wie das Offset-Druckverfahren, mit dem er arbeitet und das dem Film seinen Titel leiht. Charme und Herzlichkeit versprüht der Deutsche wenig, wenn auch eine Portion mehr als seine Eltern, Herr und Frau Fischer. Die Mutter meckert über Bukarest, als sie gerade erst aus dem Auto steigt. Und lästert schon über Stefans Zukünftige, als sie ein Foto von ihr sieht. Angeblich, weil diese zu viel Make-up trägt - wie eben alle Osteuropäerinnen (soweit das Klischee). Dabei ist Brindusa das Sinnbild natürlicher Schönheit.

Als Dolmetscherin ist sie die Brücke zwischen Rumänien und Deutschland. Doch kann diese Brücke zwei Kulturen friedlich verbinden, oder wird sie daran zerbrechen? Brindusa spricht nicht nur beide Sprachen fließend, sondern fühlt sich auch beiden Kulturen verbunden, die in Drucker-Ingenieur Stefan und Druckerei-Chef Iorga (Razvan Vasilescu) ihre ganz eigene Verkörperung und Anziehungskraft finden. Mit Alexandra-Maria Lara (Der Untergang, Control) hat Regisseur Didi Danquart eine Idealbesetzung für die Rolle der Brindusa gefunden. Die viel gerühmte deutsch-rumänische Schauspielerin ist für den Film nach vielen Jahren in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Nicht nur durch ihre sprachliche Kompetenz sticht sie hervor, sondern ebenso durch ihr nonverbales Schauspiel. Danquart setzt auffallend stark auf die Mimik seiner Darsteller. Was bei vielen Schauspielern leicht in ein "Overacting" ausarten oder befremdlich aussehen würde, wirkt bei Alexandra-Maria Lara kein bisschen übertrieben.

Überhaupt sind es Zurückhaltung, Behutsamkeit und Stille, die dem Film seine besondere Atmosphäre verleihen. Da sei dem Regisseur auch das unnötig dramatisierte Ende verziehen, das immerhin nicht von einem Hollywood-typischen Happy End "gekrönt" wird. Zu Recht ist Offset auf dem Filmfestival Rom 2006 gelaufen und im gleichen Jahr für den Filmkunstpreis beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen nominiert worden. Er ist einer dieser Filme, denen in Deutschland keine große öffentliche Beachtung geschenkt wird, die jedoch von Underground-Kritikern als Arthouse-Film in den Himmel gelobt werden. Es mag sein, dass der Film dem Zuschauer zu viel Raum zur Interpretation lässt, dass er in vielen Momenten sehr suggestiv und symbolhaft daherkommt. Was zum Beispiel hat es mit Iorgas Blumen auf sich, die Brindusa minutenlang ansieht? Was mit den Pralinen, die sie vor Stefan verteidigt wie eine Mutter ihr Kind? Möglicherweise stehen diese materiellen, scheinbar oberflächlichen Dinge für das, was Brindusa nicht endgültig aufgeben will. Ein Stück Freiheit, ein Stück Heimat, ein Stück kulturelle Identität.



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