Wieder einmal ein kleines Mädchen, und wieder einmal fühlt sich das Böse in ihr pudelwohl. Neu ist das wirklich nicht, und da hilft es auch wenig, wenn der Djinn zur Abwechslung nicht aus der Flasche entkam, sondern aus einer antiken Holzschatulle. Possession - Das Dunkle in Dir leidet an Anlaufschwierigkeiten sowie einem Mangel an Eigenständigkeit und Ideenreichtum. Der klischeehafte Umgang mit den Mysterien anderer Religionen macht das Ganze erst recht nicht besser. Einzig die beiden talentierten Jungschauspielerinnen erweisen sich als Lichtblicke.
Exorzismus-Streifen sind innerhalb des Horrorgenres alles andere als seltene Gewächse. Seit im Jahre 1973 die Verfilmung von Der Exorzist die Lichtspielhäuser heimsuchte, wird dieses Motiv von Filmemachern späterer Jahrzehnte immer wieder gerne aufgegriffen. Wie es jedoch auch gedreht und gewendet wird, im Grunde folgen alle diese Geschichten mehr oder weniger vergleichbaren Schemata. Einen zumindest etwas ungewöhnlicheren Ansatz als Fake-Dokumentary im Stile von Blair Witch Projekt oder Rec folgte vor nicht allzu langer Zeit Der letzte Exorzismus, was Kritik und Publikum auch durchaus honorierten. Ole Bornedals (Bedingungslos) von Sam Raimi (Drag Me to Hell) mitproduzierte Variation des Themas der okkulten Besessenheit, Possession - Das Dunkle in Dir, beschreitet allerdings wieder eher traditionelle Pfade.
Auslöser des später stattfindenden übernatürlichen Geschehens ist eine uralte Holzschatulle, die rundherum mit jüdischen Schriftzeichen verziert ist. Dass darin das Böse lauert, darüber macht Possession - Das Dunkle in Dir von Beginn an keinen Hehl und beschert dem Publikum bereits auf den ersten Metern ein ordentlich gruseliges Spektakel. Deutlich entspannter geht es im Film danach erst mal weiter, der sich die Zeit nimmt, in Ruhe die Hauptakteure einzuführen.
Clyde und Stephanie (Jeffrey Dean Morgan und Kyra Sedgwick) haben sich unlängst scheiden lassen. Ihre gemeinsamen Töchter Hannah und Em (Madison Davenport und Natasha Calis) sind darüber alles andere als erbaut, besonders die kleine Em leidet darunter. Irgendwie versuchen aber alle, mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Clyde, der hauptberuflich als Basketballtrainer arbeitet, holt die Mädchen an den Wochenenden ab und gibt sich redlich Mühe, ihnen ein guter Vater zu sein. Gerade hat er sich ein neues großes Haus gekauft; Em findet es klasse, die pubertierende Hannah meint aber, dass es am Arsch der Welt gelegen ist. Tatsächlich befindet sich das Haus etwas abgelegen, in einem gerade im Aufbau befindlichen vorstädtischen Bereich.
Während eines Hausflohmarktes in der Gegend kauft Em ein antikes Holzkästchen, das sie regelrecht magisch in seinen Bann zieht. Zunächst lässt es sich aber nicht öffnen, erst mitten in der Nacht gelingt es dem Mädchen, den Mechanismus zu finden, der den Deckel entriegelt. Im Inneren befinden sich ein Spiegel und allerlei seltsames Zeug. Die wirkliche Gefahr lauert aber von etwas, was lange darin gefangen war und nun befreit wurde. In der folgenden Zeit entwickelt Em eine ausgesprochene Obsession und schläft mit dem Kästchen, nimmt es mit zur Schule und wird überaus aggressiv, wenn jemand versucht, es ihr wegzunehmen. Ihr Verhalten wird zunehmend unberechenbarer und plötzlich geschehen auch Dinge, die sich auf natürlichem Wege nicht erklären lassen. Ems Eltern suchen bei jüdischen Rabbinern Hilfe.
Abgesehen von einigen wenigen gelungenen Elementen, die durchaus eine gewisse Schockwirkung hinterlassen können, erweist sich Possession - Das Dunkle in Dir überwiegend als leidlich voraussehbarer Body-Horror, der nach dem temporeichen Einstieg viel zu lange braucht, um erneut ein unheimliches Flair aufzubauen. Gewinnend hingegen ist, dass die Figuren nicht lieblos in die Handlung geworfen werden und damit Gelegenheit bekommen, Sympathiewerte auf sich zu vereinen. Eindeutig hervorzuheben sind hierbei die beiden Mädchen: Madison Davenport offenbart großes Einfühlungsvermögen für die Darstellung der dämonischen Inbesitznahme ihrer Filmfigur; und Natasha Calis, die mit dem eigentlichen okkulten Geschehen wenig zu tun hat, stellt in den ruhigen Passagen des Films, die mehr Richtung Familiendrama gehen, unter Beweis, dass sie bereits eine höchst begabte Jungschauspielerin ist.
Damit erschöpft sich allerdings schon weitestgehend die Herrlichkeit. Zu klischeehaft ist die Grundidee umgesetzt, was sich allein schon in der Art und Weise zeigt, wie die jüdische Mystik als Spannungsmotor und Effektmacher herhalten muss. Das ist schon überdeutlich Religion-light im cineastischen Ausverkauf. Atmosphärisch nimmt sich der Streifen ein paar Anleihen bei Poltergeist, besonders der im Bau befindliche Vorort erinnert an die Siedlung im Horror-Klassiker, da sich aber alles Geschehen auf die Holzkiste fokussiert, trägt die Einsamkeit kaum zum Suspense-Faktor bei. Und mit der Kiste selbst wurde sich auch eher ein Bärendienst erwiesen. Diese weckt unfreiwillige Assoziationen mit Jumanji, sodass es insgesamt ernstlich schwer fällt, die Horror-Show für voll zu nehmen.